Bildung

Ateliers und bezahlbarer Wohnraum in der Kindl-Brauerei

Das Neuköllner Künstler-Kollektiv Agora expandiert. Auf dem Gelände der ehemaligen Kindl Brauerei entsteht ein zweiter Standort.

Zwei von Agora: Marcela Donato und Benjamin Kamya in der alten Halle auf dem Gelände der ehemaligen Kindl Brauerei in Neukölln. Dort will Agora Arbeitsräume, Ateliers und Wohnungen bauen

Zwei von Agora: Marcela Donato und Benjamin Kamya in der alten Halle auf dem Gelände der ehemaligen Kindl Brauerei in Neukölln. Dort will Agora Arbeitsräume, Ateliers und Wohnungen bauen

Foto: Frank Lehmann

Die Halle ist groß und fast leer – 1000 Quadratmeter im Erdgeschoß und noch einmal so viel Fläche im Untergeschoß harren einer neuen Nutzung. Es ist keine schöne Halle, von außen gesehen jedenfalls. Teil der ehemaligen Kindl Brauerei im Neuköllner Rollbergviertel, wurde sie zwischen 1926 und 1930 zusammen mit dem Hauptgebäude errichtet. Doch während dies, in rotem Backstein gebaut, noch immer eine imposante Ausstrahlung hat, sieht die Halle eher trostlos aus. Im Krieg stark zerstört, hat man ihr in den 1960er Jahren eine neue Außenhaut verpasst. Die ist schmucklos und lässt von außen nicht mehr erkennen, wie alt das Gebäude tatsächlich ist.

Nun soll diese Halle saniert und umgebaut werden. Das Künstlerkollektiv Agora will dort einen zweiten Standort eröffnen. Benjamin Kamya, bei Agora für die Finanzen zuständig, sagt, dass sie die Schweizer Stiftung "Edith Maryon" zur Förderung sozialer Wohn- und Arbeitsstätten für ihr Projekt gewinnen konnten. Diese habe die Halle gekauft und an Agora verpachtet. Nun sollen dort Arbeitsplätze entstehen, Werkstätten, Ateliers, ein großer Raum für Veranstaltungen. Aber auch experimentelles Wohnen ist geplant. Dafür gibt es sogar Fördergelder vom Senat.

Bezahlbare Wohnungen sollen auf dem Hallendach gebaut werden

Das Agora-Kollektiv wurde 2011 von Künstlern und Managern aus verschiedenen Ländern gegründet und war bislang ganz in der Nähe der ehemaligen Brauerei in einem alten Backsteinhaus am Mittelweg zu Hause. Dort ist in den vergangenen Jahren ein Kultur- und Kunsthaus entstanden, mit Arbeitsplätzen für Kreative, Ateliers und einem Ausstellungsraum.

Marcela Donata, 30, gehört zu den Gründern des Agora-Kollektivs. Die Tänzerin und Choreografin ist in Rio de Janeiro geboren und kam vor acht Jahren nach Berlin. Neukölln, sagt sie, ziehe junge Kreative aus der ganzen Welt an. "Hier gibt es noch Flächen, die entwickelt werden können und bezahlbaren Wohnraum."

Gemeinsam arbeiten und Neues entwickeln

Auch am neuen Standort wollen die Leute von Agora Künstler, Designer, Gründer und Unternehmer aus aller Welt versammeln. Selbstorganisation, Gemeinsamkeit, Nachhaltigkeit – das sind Stichworte, die die Idee des Projektes beschreiben. "Jeder soll hier seiner Arbeit nachgehen aber auch mit anderen zusammen etwas entwickeln können", sagt Marcela. Dass dieses Konzept funktioniert, hat Angora mit dem Kulturhaus am Mittelweg bereits bewiesen.

Wie könnte nachhaltiges, gemeinsames Arbeiten aussehen? Marcela nennt ein Beispiel. Vorstellbar sei, dass einheitliche Standards für die Herstellung von Mobiltelefonen entwickelt werden. "Die Handys sind so zusammen gebaut, dass man sie nur schlecht auseinandernehmen kann, ohne dabei die wertvollen Materialien, aus denen sie bestehen, zu zerstören." Gemeinsam könnten Leute daran arbeiten, das zu ändern, damit das Material besser recycelt werden kann.

Die Halle ist noch bis Mittwoch für Neugierige geöffnet

Mit dem Bau der geplanten 22 Wohneinheiten soll 2017 begonnen werden. "Wir wollen bezahlbare Wohnungen und Gemeinschaftswohnungen errichten", sagt Benjamin Kamya. Die Wohnungen sollen auf dem Dach der Halle entstehen, dass zuvor mit einer Betonplatte verstärkt wird.

Wer sich die Halle ansehen und über das Projekt von Agora informieren will, der kann das noch bis Mittwoch tun. "Die Halle ist nachmittags von 14.30 bis 18 Uhr geöffnet, jeder ist eingeladen", sagt Benjamin Kamya. Wer Lust habe, könne mithelfen, aufzuräumen. Noch liegt und steht in der Halle einiges herum, was zusammengetragen und aufbewahrt werden soll: Holz, Bänke, Steine. "Da kann man vieles daraus machen, deshalb wird auch nichts weggeworfen", sagt Marcela.

Im Hauptgebäude der ehemaligen Brauerei entsteht ein Kunstzentrum

Auch mit ihren unmittelbaren Nachbarn wollen die Leute von Agora ins Gespräch zu kommen. In der ehemaligen Brauerei mit Kessel-, Maschinen- und Sudhaus will das Zürcher Sammlerehepaar Burkhard Varnholt und Salome Grisard – sie haben das riesige Backsteingebäude 2011 gekauft – ein Zentrum für zeitgenössische Kunst einrichten. Die Bauarbeiten laufen bereits. Marcela Donata und Benjamin Kamya freuen sich schon auf einen regen Austausch mit den Sammlern.

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