Unterricht

Kaum Geschichte in der Grundschule

Bildungssenatorin Scheeres hat mit ihrem Potsdamer Kollegen Baaske den neuen Rahmenlehrplan vorgestellt. 4000 Änderungswünsche wurden geprüft.

Der Rahmenlehrplan ändert sich mal wieder, aber die Englisch-Vokabeln bleiben

Der Rahmenlehrplan ändert sich mal wieder, aber die Englisch-Vokabeln bleiben

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Mit einigen Monaten Verspätung haben Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres und ihr brandenburgischer Amtskollege Günter Baaske (beide SPD) am Mittwoch den neuen gemeinsamen Rahmenlehrplan unterzeichnet. Zeitgleich wurde der Plan, der bis dahin wie ein Geheimdokument unter Verschluss gehalten wurde, im Internet veröffentlicht. Eine gedruckte Fassung soll erst am 15. Dezember vorliegen.

Immerhin mussten nach der Veröffentlichung des ersten Entwurfs mehr als 4000 Änderungswünsche geprüft und gegebenenfalls eingearbeitet werden. Das Interesse an den neuen Lehrinhalten war so groß wie noch nie. Das ist kein Wunder: Immerhin betrifft der neue Rahmenlehrplan alle Fächer, alle Klassenstufen von eins bis zehn und auch alle Schulformen. Einige Inhalte aus den alten Lehrplänen wurden gestrichen, neue kamen hinzu.

Fächerübergreifende Medienbildung

Neu ist zum Beispiel die fächerübergreifende Medienbildung, die nun verbindlich vorgesehen ist. So sollen die Kinder zum Beispiel lernen, mit verschiedenen Medien selbst Produkte zu schaffen, und gleichzeitig sollen sie lernen, zwischen Information, Unterhaltung und Manipulation im Internet zu unterscheiden. An den Schulen wird dieser neue Schwerpunkt zwar begrüßt, gleichzeitig bemängeln viele Schulleiter aber die fehlende Ausstattung mit Hard- und Software.

Besonders umstritten sind die Änderungen im Fach Geschichte. Trotz der Kritik von Geschichtslehrern und Geografielehrern sollen in der Grundschule in den fünften und sechsten Klassen die Fächer Geschichte, Geografie und politische Bildung zu einem gemeinsamen Fach mit dem Namen Gesellschaftswissenschaften zusammengefasst werden. "Auch in der Neufassung verschwinden die Epochen Ur- und Frühgeschichte, Antike und Mittelalter hinter den allgemeinen Themenfeldern wie Ernährung, Wasser oder Stadt", sagte der Geschichtslehrer Robert Rauh, der eine Onlinepetition gegen den ersten Entwurf gestartet hatte.

Kaiserreich und Imperialismus fallen unter den Tisch

An den Oberschulen können die Geschichtslehrer nun wie gewünscht das chronologische Prinzip weiterführen. Ursprünglich war geplant, dieses Prinzip in den siebten und achten Klassen durch ein Längsschnittverfahren zu ersetzen, in dem Themen wie etwa Rechte der Frauen in den verschiedenen Epochen betrachtet werden. Dieses Verfahren soll nun lediglich das chronologische Prinzip ergänzen. Allerdings falle in der Sekundarstufe die Zeit des Kaiserreichs und des Imperialismus völlig unter den Tisch, wundert sich Rauh. Ohne das Wissen um diese Zeit sei es aber nicht möglich, den Ersten Weltkrieg zu verstehen.

Zusätzlich in den Rahmenplan aufgenommen wurde das fächerübergreifende Thema Sexualerziehung, nachdem unter anderem die Lehrergewerkschaft GEW bemängelt hatte, dass die sexuelle Selbstbestimmung im ersten Entwurf zu kurz gekommen sei. Nun heißt es, dass nicht nur in Biologie, sondern auch in Fächern wie Deutsch, Fremdsprache, Ethik, Gesellschaftswissenschaften oder Theater die Sexualerziehung eine Rolle spielen soll. Dazu gehört zum Beispiel das Wissen zur Entstehung und Verhütung von Schwangerschaften. Die Schüler sollen sich außerdem mit Freundschaft, Partnerschaft, Liebe und Familie auseinandersetzen und dabei die Vielfalt der Lebensweisen und der sexuellen Orientierungen kennenlernen.

"Klares Bekenntnis zur Vielfalt"

Die GEW ist zufrieden: "Das ist ein klares Bekenntnis zur Vielfalt", sagte Tom Erdmann, Vorsitzender der GEW. Die Gewerkschaft fordert nun, die Lehrer zeitlich zu entlasten, damit die Schulen bis zum Inkrafttreten im Schuljahr 2017/18 ihre internen Arbeitspläne entwickeln können.

Der Koalitionspartner CDU konnte sich mit seiner grundsätzlichen Kritik am Rahmenlehrplan nicht durchsetzen. Die Abschaffung des Faches Geschichte in der Grundschule hätte es in einer CDU-geführten Bildungsverwaltung nicht gegeben, sagte die bildungspolitische Sprecherin, Hildegard Bentele. Zudem bemängelt Bentele, dass nun ein "Einheitsplan" für alle Schulformen gelte. Gab es bisher spezielle Lehrpläne für Sekundarschulen, Gymnasien oder Sonderschulen, gilt nun ein Rahmenlehrplan für alle.

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