Neue Radwege

Berlins langer Weg zur fahrradfreundlichen Stadt

Der Senat verbaut Millionen für Radwege, trotzdem verläuft die Entwicklung nur schleppend. Als Vorbild gilt Kopenhagen.

Schutzstreifen sind an ihren gestrichelten Linien zu erkennen

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Schutzstreifen sind an ihren gestrichelten Linien zu erkennen

Auf dem langen Weg zur fahrradfreundlichen Stadt setzt Berlin auf Schutzstreifen. Am Dienstag gab die Verkehrsverwaltung des Senats in Charlottenburg einen neuen Abschnitt frei. Er erstreckt sich auf der Gaußstraße westlich des Goslarer Ufers über einer Länge von 250 Metern.

Am Dienstag wagten sich im strömenden Regen zwar nur wenige Radler auf die Straße. Doch die mit gestrichelten Linien markierten Schutzstreifen sind auf dem Vormarsch. Sie dürfen, solange kein Radfahrer gefährdet wird, auch von anderen Verkehrsteilnehmern überfahren werden. Knapp 100 Kilometer Straße in Berlin sind damit ausgestattet, der Senat will diese Zahl sukzessive erhöhen.

Nur rund die Hälfte des 1500 Kilometer langen Hauptverkehrsstraßennetzes verfügt überhaupt über Radwege. Ein Großteil davon auf Gehwegen – Experten werten das wegen der Kollisionsgefahr mit Fußgängern als die gefährlichere Variante. Die Schutzstreifen, die auf der Fahrbahn verlaufen, bieten mehr Komfort und Sicherheit.

Doch gerade in den Innenstadtbezirken reicht der Platz oft nicht aus. Schon in der Gaußstraße mussten die Parkplätze auf einer Seite auf den Gehweg verlagert werden. So entstehen Kosten von 680 Euro pro Meter Radweg. Zudem dauert die Umsetzung sehr lange. Ursachen sind Personalmangel in den Ämtern, aber auch die unterschiedlichen Prioritäten in den Bezirken. Der Schutzstreifen auf der Gaußstraße endet an der Grenze zum Bezirk Mitte – dort sind die Planungen noch in Arbeit.

Grüne wollen 100 Kilometer neue Radwege

Insgesamt 20 Kilometer Radwege will der Senat bis Ende des Jahres neu bauen. Den Berliner Grünen reicht das nicht. Sie fordern 100 Kilometer und ein anderes Konzept bei den Schutzstreifen. "Der Senat muss über den Tellerrand schauen", sagt der Abgeordnete Stefan Gelbhaar.

Seine Partei will Radwegen nach Kopenhagener Vorbild, wobei die Spur zwischen Gehweg und Parkstreifen verläuft und durch Bordsteine zu beiden Seiten abgetrennt ist. Dies würde das Zuparken verhindern – auf den Schutzstreifen dürfen Autos, anders als bei den benutzungspflichtigen Radwegen mit durchgezogener Linie, bis zu drei Minuten halten.

Viel wäre schon gewonnen, wenn Berlin das vorhandene Geld für den Ausbau des Radverkehrs auch nutzen würde. Von der Summe, die in den vergangenen zwei Jahren für Neubau und Sanierung von Radwegen zur Verfügung stand, wurden nur 75 Prozent abgerufen. 2015 sollen es über 80 Prozent werden. Insgesamt will Berlin 14 Millionen Euro ausgeben – rund vier Euro pro Einwohner.

Laut dem Nationalen Radverkehrsplan 2020 sollten es aber mindestens fünf sein. Dann gilt man auf dem Weg zur fahrradfreundlichen Stadt als "Einsteiger".

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