Sommer-Baustellen

Am Freitag müssen Tausende S-Bahn-Kunden umsteigen

Gleich an vier Stellen in der Stadt werden Gleise und Weichen erneuert. Die Ringbahn wird sechs Wochen lang unterbrochen.

Am Dienstag lief es bei der Berliner S-Bahn einmal mehr nicht rund: Eine Weichenstörung in Charlottenburg hat am Vormittag für Zugausfälle und zahlreiche Verspätungen auf den Stadtbahn-Linien S5, S7 und S75 gesorgt, die Auswirkungen waren bis zum Nachmittag zu spüren.

Auch in der Vorwoche konnten aufgrund von Stellwerksausfällen und Weichenstörungen Züge nicht nach Plan fahren. "Das Berliner S-Bahn-Netz wird jeden Tag extrem beansprucht, an vielen Stellen besteht Erneuerungsbedarf", sagt Peter Beier von der Bahntochter DB Projektbau. Und weil die Bahn es ernst meint mit der Erneuerung, müssen sich die Kunden der Berliner S-Bahn auch in diesem Sommer auf zahlreiche planmäßige Einschränkungen im Zugverkehr einstellen. Gleich an vier Stellen wird umfangreich gebaut. Um die Einschränkungen auf die Fahrgäste klein zu halten, wurde die Bauprojekte auf die Zeit der Sommerferien konzentriert.

Schon am Freitag werden die Arbeiten am nordöstliche Ende der S5 beginnen. Damit die S-Bahn ab Mitte Dezember zwischen Strausberg und Strausberg Nord im 20-Minuten-Takt fahren kann, wird zwischen beiden Stationen ein zweites Gleis verlegt. Weil die Strecke dafür gesperrt werden muss, fahren vom 10. bis 13. Juli sowie vom 20. Juli bis 28. September zwischen Strausberg und Strausberg Nord Busse statt Bahnen. Etwa 5200 Fahrgäste am Tag müssen umsteigen. Alternativ können die Reisenden auch auf die Straßenbahn (Linie 89) ausweichen, die allerdings nur bis 21 Uhr abends und an den Wochenenden nur im 40-Minuten-Abstand verkehrt.

Verkehrseinschränkungen drohen

Auch am Südast der S2 (Bernau-Blankenfelde) können von Montag, 4 Uhr, an erst einmal sechs Wochen lang keine Züge mehr fahren. Der Abschnitt zwischen Lichtenrade und Blankenfelde war im August 1992, also kurz nach der Wiedervereinigung, wieder aufgebaut worden. Gut 20 Jahre später ist die Strecke am Ende der Nutzungsdauer. "Wenn wir jetzt nicht schnell etwas tun, drohen erhebliche Einschränkungen", bestätigte Andreas Holzapfel von der DB Netz AG. Insgesamt sechs Millionen Euro investiert die Infrastruktursparte der Bahn in die Erneuerung des gut sechs Kilometer langen Streckabschnitts. Dafür werden unter anderem 12.000 Meter Schienen ausgetauscht und 8500 alte Holzschwellen durch neue aus Beton ersetzt. Auch fünf Weichen müssen erneuert werden. Die Arbeiten wurden lange aufgeschoben, weil im Zuge des Wiederaufbaus der Dresdner Bahn auch neue Fernbahngleise verlegt werden müssen. Doch das Projekt verzögert sich wegen der unklaren Trassenführung durch Lichtenrade (Trog oder Tunnel) immer weiter. Mit einem Baubeginn wird nicht mehr vor 2018 gerechnet. "So lange können wir nicht warten", sagte Holzapfel.

Runderneuerung der Ringbahn

Die Bahn setzt auch die Runderneuerung der Ringbahn fort. Vom 17. Juli bis 31. August wird dafür der Zugverkehr zwischen Halensee und Bundesplatz unterbrochen. Auf dem nur 3,8 Kilometer langen Abschnitt werden für 14,4 Millionen Euro Gleise und Weichen erneuert. Bis zu 60.000 Fahrgäste am Tag müssen sich Reisewege suchen. Als Ersatzfahren fast parallel zur Bahnstrecke Busse, besser ist aber oft ein Umfahren mit der U-Bahn (U3, U7 oder U9).

Die vierte Sommer-Baustelle eröffnet die Bahn im nördlichen Umland, zwischen Schönfließ und Birkenwerder (Oberhavel) werden für 5,1 Millionen Euro gleichfalls Gleise und Weichen erneuert. Weil auch der Knoten Hohen Neuendorf dazu gehört, sind gleich zwei Linien betroffen. Die S1 wird dann geteilt und fährt während der Arbeiten zwischen Wannsee und Frohnau sowie zwischen Birkenwerder und Oranienburg. Am schnellsten kann die Sperrung mit Regionalzügen (RE5 und RB12, jeweils im Stundentakt) umfahren werden, es gibt aber auch einen Ersatzverkehr mit Bussen.

Zu allen vier Sperrungen gibt die S-Bahn detaillierte Info-Blätter heraus, die in den Zügen der betroffenen Linien verteilt werden. Detlef Speier von der Fahrgastinformation der S-Bahn empfiehlt eine Route-Abfrage auf der Internetseite (www.s-bahn-berlin.de) oder mit Hilfe der Smartphone-Apps der S-Bahn, der BVG oder des Verkehrsverbundes. "Etwa zwei Wochen vor Baubeginn sind die Sperrungen und Umleitungen mit eingearbeitet."

Das Ende der Ferien bedeutet allerdings nicht das Ende der Bauarbeiten. Weil Brücken am Hauptbahnhof saniert werden müssen, wird ab 28. August die Stadtbahn zwischen Bahnhof Zoo und Alexanderplatz drei Monate lang für Fern- und Regionalzüge gesperrt.

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