Steigende Mieten Berliner Familien befürchten Verdrängung aus der Innenstadt

Foto: Jens Kalaene / dpa

Welche Sorgen haben Familien in Berlin? Das weiß der Beirat für Familienfragen, der jetzt seinen Bericht vorgestellt hat.

Mehr bezahlbare Wohnungen für Familien, mehr und bessere Kita-Plätze, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Das sind zentrale Forderungen aus dem Familienbericht 2015, den der Berliner Beirat für Familienfragen am Montag im Roten Rathaus vorgestellt hat. "Familienpolitik muss ganz oben auf der politischen Agenda stehen", forderte der Beiratsvorsitzende Thomas Härtel bei der Übergabe des Berichts an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

Während in Berlin einige Bezirke Familienpolitik zu einem politischen Schwerpunkt ernannt hätten, fehle auf der Landesebene das Bekenntnis zu einer familienfreundlichen Stadt, kritisiert der Beirat. Eine moderne Sozialplanung und Stadtentwicklung müsse die Bedürfnisse von Familien in den Mittelpunkt rücken. Müller versicherte, der Senat werde sich weiter dafür einsetzen, die Situation von Familien zu verbessern.

Berlin hat viel zu bieten

Berlin habe Familien einerseits viel anzubieten, heißt es in dem Bericht: Die Kindertagesbetreuung sei gut aufgestellt, Schulen böten ein Ganztagesprogramm, es gebe Familien- und Nachbarschaftszentren und Mehrgenerationenhäuser. Das kulturelle Angebot, die Grünflächen und den öffentlichen Nahverkehr sieht der Bericht ebenfalls als großes Plus. Zugleich hätten Familien jedoch Angst, aus dem Wohnumfeld und ihrer sozialen Infrastruktur verdrängt zu werden, weil sie sich die steigenden Mieten nicht mehr leisten könnten.

Der Beirat fordert deshalb die Verantwortlichen auf, sich für bezahlbares und familiengerechtes Wohnen in der Stadt stark zu machen. Der Senat müsse neue Konzepte entwickeln, damit arme Familien in ihrem vertrauten Umfeld wohnen bleiben könnten. Bei der Vergabe landeseigener Grundstücke sollten die Bedürfnisse von Familien berücksichtigt werden, neben dem "Bündnis für soziale Wohnungspolitik" mit den städtischen Wohnungsbaugesellschaften weitere Instrumente wie Milieuschutzverordnungen genutzt werden. Außerdem sollten Mehrgenerationenhäuser stärker unterstützt werden.

Sozial verträglicher Wandel

Zugleich müssten die Folgen des innerstädtischen Wandels sozial verträglicher gestaltet werden: Wenn Familien wegen steigender Mieten oder sinkender Einkommen an den Stadtrand zögen, müssten soziale Infrastrukturen wie Beratungsstellen oder Familientreffpunkte mitziehen, heißt es in dem Bericht.

Müller schloss sich der Forderung des Familienbeirats an, dass mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden müsse. Dieses gelte aber in der ganzen Stadt, "nicht nur innerhalb des S-Bahn Rings".

Berlins Grünen-Landesvorsitzende Bettina Jarasch sagte, es gebe bereits Instrumente wie städtebauliche Verträge, um genügend Wohnungen für Familien zu schaffen: "Sie müssen nur konsequent eingesetzt werden."

Qualität in Kitas verbessern

Der Beirat fordert außerdem, den Kita-Ausbau stärker am Bedarf zu orientieren und die Qualität zu verbessern. Dabei gehe es vor allem um den Betreuungsschlüssel und die Sprachförderung. Bildungssenatorin Scheeres sagte, die Betreuung in den Kitas sei ein "großer Schwerpunkt" ihrer Arbeit, zugleich müsse sie aber die Kosten im Blick behalten.

Zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf sagte der Beiratsvorsitzende Thomas Härtel, Familien wünschten sich eine flexiblere Kinderbetreuung. In den Randzeiten und an Wochenenden würden mehr Angebote benötigt. Für Alleinerziehende würden noch mehr bezirkliche Netzwerke gebraucht. Die Vereinbarkeit sei aber nicht nur Aufgabe des Staates, betonte Härtel. Auch die Unternehmen müssten für familienfreundliche Arbeitszeiten sorgen. Außerdem sollten auch die Bedürfnisse von Menschen, die Angehörige pflegen, stärker in den Fokus rücken.

Willkommenskultur in der Stadt

Außerdem befasst sich der Bericht mit den Themen Familienarmut und Gesundheit. Weil alle diese Themen miteinander zusammenhingen, müsse Familienpolitik ressortübergreifend stattfinden, forderte Härtel. Nur dann könne sich die Willkommenskultur für junge Familien entwickeln, die Berlin als familienfreundliche Stadt brauche.

Der Berliner Beirat für Familien berät den Senat in der Familienpolitik. Die Mitglieder kommen aus Verbänden, Wirtschaft, Wissenschaft und Kirchen und werden vom Senat berufen.

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