25.07.11

Nach Flughafen-Schließung

In Tegel soll das Berlin der Zukunft entstehen

Anders als in Tempelhof soll mit der Schließung des Tegeler Flughafens im Juni 2012 ein Konzept zur Nachnutzung bereit stehen. So soll aus Tegel eine Ideenschmiede für die moderne Stadt der Zukunft werden.

Von Joachim Fahrun
Foto: (c) gmp. von Gerkan, Marg und Partner Architekten

Der temporäre Info-Pavillon von innen: Hier könnte noch während des Flugbetriebs über die geplanten Baumaßnahmen und Konzepte für das Terminal und das Flughafenareal informiert werden. Im Inneren des Terminals steht ein Modell des Airports.

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Die Manager des erfolgreichen Wissenschafts- und Technologieparks Adlershof sollen auch das Gelände des Flughafens Tegel nach dem Ende des Flugbetriebs zu einem High-Tech-Gewerbegebiet entwickeln. Der Senat will noch im August den Auftrag offiziell an eine Tochterfirma der Wista Management vergeben.

Die Adlershofer haben bereits eine GmbH namens Tegel Projekt gegründet und die Vorarbeiten aufgenommen. Das bestätigte der Chef der Wista, Hardy Schmitz, dieser Zeitung. Er hoffe, noch im September offiziell das Mandat für die Entwicklung Tegels zu erhalten.

Der Flughafen wird nach den bisherigen Planungen am 3. Juni 2012 geschlossen, wenn der neue Hauptstadt-Airport in Schönefeld in Betrieb geht. Der Senat plant schon länger, im Terminalgebäude und auf einem Großteil des Rollfeldes moderne Industrie und Gewerbe anzusiedeln. Mit dem Beschluss für eine Betreibergesellschaft wäre eine wichtige Grundlage geschaffen, die Überlegungen für eine Nachnutzung zu konkretisieren.

Im Haushaltsplanentwurf des Senats stehen dafür in einem Titel, der auch für die Entwicklung des Steglitzer Kreisels verwendet werden muss, 3,7 Millionen Euro im Jahr 2012 und 5,7 Millionen Euro für 2013 bereit.

"Es ist wichtig, dort einen Kümmerer zu haben mit einem klaren Auftrag und einem Wiedervorlagezwang beim Regierenden Bürgermeister", sagte Wista-Chef Schmitz, der auf eine enge Abstimmung mit den politischen Entscheidungsträgern setzt. Die Dringlichkeit des Vorhabens sei allen klar. Die Vorstellung, dass aus dem Flughafen eine Geisterstadt werde, sei allen Entscheidern überaus unbehaglich.

Der Senat wählt die Wista aus, weil für ein solches Projekt eine privatwirtschaftliche Organisation geeignet erscheint und die Aufgaben über die Kompetenzen einzelner Senatsressorts hinausgehen. Es geht darum, Aspekte der Wirtschaftspolitik, der Ansiedlung, der Wissenschaft und der Stadtentwicklung zu verknüpfen.

Die geleisteten Vorarbeiten hält der Adlershof-Chef für durchaus gelungen. Berlin sei in Tegel deutlich weiter als es in Tempelhof ein Jahr vor der Schließung des dortigen Flughafens gewesen sei. Die von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung organisierten fünf Standortkonferenzen hätten einen gemeinsamen Willen ergeben, das von den Beratungsgesellschaften A.T. Kearney und Decision Institute erstellte Standortprofil diene als Grundlage für die konkreten Überlegungen.

Die Berater hatten vorgeschlagen, die Aktivitäten auf sogenannte "Urban Technologies" zu fokussieren. Dazu gehört die Bereiche Elektromobilität, moderner öffentlicher Nahverkehr, das Vermeiden, Behandeln und Entsorgen von Abfall, energiesparende Gebäude, intelligent gesteuerte Versorgungsnetze oder ökologisch arbeitende Hausgeräte und Abwassermanagement.

Schmitz schwebt nun vor, die öffentlichen Unternehmen Berlins sowohl als Kunden als auch als Entwickler solcher Technologien heranzuziehen, um so in Tegel eine kritische Masse zu etablieren, die weitere Unternehmen anziehen könnte. Wenn die kommunalen Konzerne all ihre innovativen Projekte bündelten, ließe sich in Tegel relativ schnell ein Schaufenster für innovative "Urban Technologies" errichten. Berlin könnte sich dort als Stadt der Zukunft präsentieren und Vorhaben wie intelligente Stromnetze oder elektronische Bezahlsysteme für den Nahverkehr schnell in größerem Stil auch einsetzen. In und um das Terminalgebäude könnten dann Gründerzentren, Labors oder auch größere Produktionsanlagen entstehen. Die Berater von A.T. Kearney haben Urban Technologies als einen weltweiten Megatrend identifiziert, überall auf der Welt sei solches Know-how gefragt.

Dem Anliegen der Beuth-Hochschule, einen Teil ihrer Fakultäten von dem überfüllten Campus in Wedding an den nahe gelegenen Flughafen zu verlagern , steht der Wista-Chef sehr positiv gegenüber. Die Hochschule sei in der Lage, sehr schnell Studiengänge aufzubauen, die zum Profil des Standortes passen.

Experten für schwierige Standorte

Der Plan des Präsidenten der Technischen Universität, Jörg Steinbach, seine TU komplett nach Tegel zu verlagern, hat die künftigen Standort-Manager jedoch überrascht. Dem Vorhaben wird auch keine Chance gegeben, weil es dem für Tegel vereinbarten Grundsatz widerspräche, keine bestehenden Berliner Standorte zu kannibalisieren. Die TU hatte sich in den vergangenen Jahren bemüht, mit der Universität der Künste, anderen Forschungsinstituten und Unternehmen einen "Campus Charlottenburg" rund um den Ernst-Reuter-Platz zu entwickeln. Auch daran war die Wista aus Adlershof beteiligt. Sie betreibt über eine Tochtergesellschaft auch das Gründerzenrum, das an der Bismarckstraße aufgebaut werden soll.

Überhaupt werden die Adlershofer oft herangezogen, wenn in Berlin schwierige Standorte zu entwickeln sind. Schmitz' früherer Immobilienentwickler, Gerhard Steindorf, ist seit einem halben Jahr Chef der Tempelhof Projekt GmbH, die den anderen ehemaligen Flughafen voran bringen soll. Außerdem bewirbt sich die Wista um das Regionalmanagement für Oberschöneweide, wo um die Hochschule für Technik und Wirtschaft ein weiterer Berliner Zukunftsort im Entstehen ist.

Damit die Wista das Mandat übernehmen kann, muss der Senat noch von der Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner deren Ein-Prozent-Anteil an der Wista übernehmen. Berlin Partner hat private Miteigentümer. Damit das Land einen solchen Auftrag ohne Ausschreibung vergeben darf, muss die Wista aber zu 100 Prozent landeseigen sein. Andernfalls könnten private Projektentwickler klagen.

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