31.03.11

isharegossip

Cybermobbing - Lehrer wollen Schulklima ändern

Auf einem Cybermobbing-Krisengipfel haben Vertreter der Berliner Schulen erkannt: Das größte Problem ist das Schulklima. Datenschützer fordern nun eine Filtersoftware für Schul-Computer und das Thema Datenschutz als Unterrichtsinhalt.

Von Florentine Anders und Jens Anker
Foto: Christian Hahn
An manchen Schulen  - wie hier inReinickendorf  -  haben Schüler eine Selbstverpflichtung unterschrieben, nicht auf isharegossip.com zu mobben
An manchen Schulen - wie hier inReinickendorf - haben Schüler eine Selbstverpflichtung unterschrieben, nicht auf isharegossip.com zu mobben

Seit Mittwoch ist die Mobbing-Seite isharegossip nicht mehr über Suchmaschinen im Internet aufzurufen. Die bereits vergangene Woche angekündigte Indizierung der Plattform durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien ist damit umgesetzt. Die Seite ist zwar schwerer zu finden, doch das Problem ist damit nicht gelöst: Denn die Schüler, die die Seite kennen, können weiterhin auf sie zugreifen. Um darüber zu beraten, wie das um sich greifende Cybermobbing eingedämmt werden kann, trafen sich am Mittwoch Schulleiter, Schulpsychologen und Schülervertreter zu einem Krisengipfel bei Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD).

Es sei schnell deutlich geworden, dass es nicht an Unterstützungsangeboten wie Aufklärungsfilmen oder Präventionskursen mangele, sagte Beate Stoffers, Sprecherin der Bildungsverwaltung, im Anschluss an das Treffen. Entscheidend sei aber die Veränderung des Schulklimas. Allein mit einem Kurs sei das Mobbingproblem nicht zu lösen – darüber seien sich Schulleiter und Schüler einig gewesen.

Positive Erfahrungen hätten die Schulen mit Krisenteams aus Lehrern, Schülern und Eltern gemacht, die in diesen Fällen aktiv werden. Erfolgreich sei es auch, wenn die Schülerschaft selbst aktiv werde, so Stoffers. So gebe es Beispiele, wo die Schüler eine Selbstverpflichtung unterschreiben, nicht auf der Website zu mobben.

Die Teilnehmer des Treffens werden ihre Erfahrungen weiter austauschen. Präventionsbeauftragte werden die verschiedenen Modelle auswerten, sagte die Sprecherin der Bildungsverwaltung.

Unterdessen fordert die CDU ein konsequenteres Vorgehen der Bildungsverwaltung gegen Cybermobbing. Fortbildungen für Lehrer zum sicheren Umgang mit dem Internet müssten verpflichtend sein. Zudem müssten umgehend alle Schulen mit einer Filtersoftware ausgestattet werden, um jugendgefährdende Seiten auf den Schul-Computern zu sperren. Einen solchen Antrag will die CDU am heutigen Donnerstag im Abgeordnetenhaus einbringen. Der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix forderte in Hinblick auf Cybermobbing, das Thema Datenschutz verbindlich in die Lehrpläne aufzunehmen.

Bei der Vorstellung des Berliner Datenschutzberichtes geriet am Mittwoch auch die Bildungsverwaltung selbst in die Kritik. So hatte ein Oberstufenzentrum die Toilettengänge seiner Schüler dokumentiert und gespeichert. "Das ist krass rechtswidrig", sagte Alexander Dix. Die Schule wollte damit gegen Vandalismus auf den Toiletten des Gebäudes vorgehen. "Die Verfolgung und Aufklärung von Straftaten ist originär den Strafverfolgungsbehörden vorbehalten", heißt es dazu im Bericht des Datenschutzbeauftragten.

Kritik rief auch ein Forschungsprojekt hervor, für das 5000 Berliner Schüler der neunten Klassen über ihre Erfahrungen mit Gewalt befragt werden sollten. In mindestens einem Fall wurde dabei vergessen, die Genehmigung der Eltern einzuholen, kritisiert der Datenschutzbericht. Problematisch sei dabei zusätzlich gewesen, dass die Schüler auch über die Privatsphäre der Eltern ausgefragt werden sollten.

Persönliche Daten schützen

Als insgesamt positiv bewertete der Datenschutzbeauftragte, dass das Thema Datenschutz im vergangenen Jahr so häufig öffentlich debattiert wurde wie lange nicht mehr. Diskussionen über Google-Streetview oder die Mobbing-Internetseite führten dazu, dass der Stellenwert des Datenschutzes stark zugenommen habe, sagte Dix. Dabei sei die Einstellung der Datenschützer zu sozialen Netzwerken wie Facebook oder Xing ambivalent. Dix kritisierte den unkontrollierten, intransparenten Datenfluss, der oft ohne das Wissen des Nutzers entsteht, wenn er sich bei solchen Seiten anmeldet. Andererseits hielt er es für sinnvoll, dass sich junge Internetnutzer damit auseinandersetzten, welche Inhalte sie im Internet von sich präsentierten.

Angesichts der Ausbreitung von immer mehr Videokameras im öffentlichen Straßenbild und steigender Datenübermittlung im Internet erhielten die Menschen immer weniger Gelegenheit, über die Verbreitung persönlicher Daten zu bestimmen. "Die Kameras kommen näher, auf der Straße und per Satellit vom Himmel", sagte Dix. Der Ausweitung der Speicherung von Videoaufnahmen in S- und U-Bahn stand Dix skeptisch gegenüber. "Nur mit mehr Personal lässt sich mehr Sicherheit erreichen."

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