01.03.11

Führungswechsel

ADAC Berlin-Brandenburg hat jetzt eine Chefin

Erstmals übernimmt mit Dorette König eine Frau in Berlin und Brandenburg die Führung von Deutschlands größtem Verkehrsclub. Nun müssen auch zwei neue Vorstandsmitglieder gewählt werden.

Von Markus Falkner
Foto: Dorette König
Bereits als ehrenamtlicher Vorstand sorgte Dorette König (46) beim ADAC für Aufsehen
Bereits als ehrenamtlicher Vorstand sorgte Dorette König (46) beim ADAC für Aufsehen

Der ADAC Berlin-Brandenburg hat erstmals eine hauptamtliche Geschäftsführerin. Mit Dorette König übernimmt am Dienstag erstmals eine Frau den Chefposten in der Verwaltung des mehr als eine Million Mitglieder zählenden Landesverbandes. König tritt die Nachfolge von Stefan Dittrich an, der die Geschäfte des Landesverbandes seit 2007 geführt und zum Jahreswechsel 2010/2011 gekündigt hatte. Die 46 Jahre alte Volkswirtin war seit einem Jahr bereits ehrenamtlicher Vorstand für Verkehr im ADAC Berlin-Brandenburg. Schon auf dieser Position sorgte sie für Schlagzeilen und setzte Maßstäbe in der männerdominierten Welt des Automobilclubs. Für ihre neue Aufgabe gibt Dorette König nun ihren Geschäftsführerposten bei einer großen Immobilienfirma auf.

Wahl findet am 19. März statt

Für den ADAC reißt die Besetzung der Geschäftsführerstelle aber eine Lücke auf. Nach dem Posten des Vorstandsvorsitzenden ist nun auch der des Verkehrsvorstands vakant. Auf einer Mitgliederversammlung am 19. März soll in Potsdam der neue Vorstand gewählt werden. Wie berichtet, hatte der bisherige ADAC-Landesvorsitzende Walter Müller sein Amt Anfang Februar überraschend niedergelegt. Offizielle Begründung: die hohe Doppelbelastung als Repräsentant des Automobilclubs und als Chef der Berlin-Niederlassung von Mercedes-Benz. Derzeit führt Müllers bisheriger Stellvertreter Dieter Paris den Vorsitz. Ob er damit auch ein Favorit für die Wahl am 19. März ist, ließ ein ADAC-Sprecher am Montag offen. Die Entscheidung liege allein bei den etwa 450 Mitgliedern, die sich für die Versammlung angemeldet hätten.

Ebenso offen ist nach ADAC-Angaben, wer neuer Verkehrsvorstand wird. Vor allem in der Öffentlichkeit vertritt dieser normalerweise den ADAC in allen wichtigen Fragen der Verkehrspolitik. In nur einem Jahr Amtszeit hatte Dorette König in dieser Aufgabe viel zu tun. Kontroverse Themen wie der Weiterbau der A100 standen ebenso auf ihrer Agenda wie der alljährliche Streit über die Schlaglochsanierung, die Umweltzone, die Ausweitung der Parkraum-Bewirtschaftung oder der im vergangenen Jahr vorgestellte Entwurf des neuen Stadtentwicklungsplans (StEP) Verkehr, der die Grundlagen der Verkehrsplanungen des Senats bis 2025 bilden soll.

Dorette König, geboren in Schwerin, profilierte sich dabei als konsequente Vertreterin der ADAC-Interessen, aber auch als undogmatische Ansprechpartnerin. Mehrfach betonte sie, dass sich der ADAC Berlin-Brandenburg nicht allein als Lobbyorganisation der Autofahrer verstehe, sondern als Dienstleister für alle Bereiche der Mobilität in der Großstadtregion und im ländlichen Brandenburg. Da passt es durchaus ins Bild, dass die neue ADAC-Geschäftsführerin sich zwar offen zu ihrer Liebe zum Auto und zum sportlichen Fahrstil bekennt, in der Vergangenheit aber regelmäßig mit Bussen und Bahnen von ihrem Wohnort Königs Wusterhausen in ihr bisheriges Büro am Potsdamer Platz gefahren ist.

Als hauptamtliche Geschäftsführerin wird Dorette König künftig weniger im Licht der Öffentlichkeit stehen, dafür hinter den Kulissen einen Verein leiten, der in den vergangenen Jahren rasant gewachsen ist. In den nur drei Jahren seit dem Amtsantritt von Walter Müller als Vorsitzendem wuchs die Mitgliederzahl um 33000 auf heute 1,18 Millionen.

Die nötige Verwaltungserfahrung bringt König mit. Von 2006 bis 2007 war sie Staatssekretärin in Potsdam unter dem damaligen Infrastrukturminister von Brandenburg, Reinhold Dellmann (SPD). Von dort wechselte sie in die Geschäftsführung der europaweit tätigen Immobilienberatungsfirma Savills.

Ihre Ausbildung startete sie vor dem Fall der Mauer mit einem Studium in der russischen Stadt Kiew. Nach der deutschen Einigung war sie zunächst in der freien Wirtschaft tätig, wechselte dann aber in die Brandenburgische Bodengesellschaft, die ehemals sowjetische Liegenschaften vermarktete, und von dort in das Potsdamer Ministerium.

Das Privatleben der neuen ADAC-Geschäftsführerin und zweifachen Mutter bietet einen durchaus bemerkenswerten Ausgleich zum Job an der Spitze des Automobilclubs. Ihr Mann ist Inhaber eines Fahrradladens in Königs Wusterhausen, wo die Familie lebt.

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