10.01.11

Umbau

Senat muss für ICC Millionen nachschießen

Um das ICC steht es offenbar schlechter als gedacht: Um den laufenden Betrieb nicht zu gefährden, muss der Berliner Senat noch vor dem eigentlichen Sanierungsstart Millionen bereitstellen.

Von Gilbert Schomaker
Foto: pa

Mit der richtigen Beleuchtung wirkt das ICC in Berlin-Charlottenburg am Abend und in der Nacht ganz ansehnlich. Über seine Zukunft wird seit Jahren heftig gestritten.

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Das Internationale Congress Centrum (ICC) in Charlottenburg ist offenbar in einem schlechteren baulichen Zustand als bisher bekannt. Der Senat muss noch vor der schon beschlossenen Sanierung weitere Millionenbeträge für dringend notwendige Arbeiten aufwenden, um den laufenden Kongressbetrieb nicht durch mögliche Havarien zu gefährden. Das geht aus dem Sanierungsplan des Berliner Senats hervor, der Morgenpost Online vorliegt.

In einer Vorlage des Senats für das Abgeordnetenhaus heißt es wörtlich: "Aktuell werden weitere Instandsetzungs- und Instandhaltungsmaßnahmen notwendig, die unverzügliches Handeln erfordern", sagte Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke). Hierfür soll die Messe Berlin, zu der das ICC gehört, 3,5 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt bekommen. Schon in den Jahren 2008 und 2009 hatte die Messe nach schweren technischen Problemen im ICC über sieben Millionen Euro vom Senat für Sofortmaßnahmen erhalten.

Ein TÜV-Gutachten hatte damals schon festgestellt, dass die technischen Anlagen des ICC alterungsbedingt verschlissen sind und dringend erneuert werden müssen. Diese neuen Arbeiten sollen nun noch vor der angestrebten grundsätzlichen Sanierung angegangen werden. Ende vergangenen Jahres hatte der Senat das Sanierungskonzept für das 1979 eröffnete 320 Meter lange und 80 Meter breite Gebäude an der Stadtautobahn in Westend beschlossen. Das Congress Centrum ist mit Schadstoffen belastet. Beim Bau des Hauses wurde viel Asbest eingesetzt. Ein Gutachten zur Bewertung der Sanierungsdringlichkeit nach der Asbestrichtlinie liegt dem Senat seit Oktober vergangenen Jahres vor.

5910 Asbest-Fundstellen

Danach gibt es insgesamt 5910 Fundstellen. Ein Teil dieser Asbestfunde weist so hohe Werte auf, die eine Sanierung innerhalb der nächsten drei Jahre "zwingend" nach sich ziehen, heißt es in dem Senatsbericht. "Das Brückenbauwerk und andere Nutzungsbereiche im ICC werden nach dem aktuellen Kenntnisstand mit der Dringlichkeitsstufe I nach Astbestrichtlinie bewertet", so Wolf in seiner Vorlage an das Abgeordnetenhaus. In diesem Bereich muss bis spätestens 2013 mit der Sanierung begonnen werden, "weil sonst die Gefahr bestünde, dass diese Bereiche des ICC geschlossen werden müssten", warnt der Bericht.

Für die Sanierung, die nicht mehr als 182 Millionen Euro kosten soll, soll das ICC für mindestens zwei Jahre komplett geschlossen werden. Die alternativen Überlegungen, das Gebäude mit der markanten Hülle, bei laufendem Kongressbetrieb zu sanieren, wurden wegen der dadurch entstehenden hohen Kosten und wirtschaftlichen Nachteile für das Kongressgeschäft verworfen. Damit die Messe Berlin keinen Nachteil bei der Veranstaltung von Messen und Kongressen erfährt, soll sie einen Neubau erhalten. Er soll auf dem heutigen Platz der Deutschlandhalle entstehen, deren Abriss Ende dieses Jahres beginnen soll. Dafür sind 7,8 Millionen Euro veranschlagt, die die Messe Berlin übernehmen wird.

Mit dem Neubau soll die "Wettbewerbsfähigkeit der Messe nachhaltig" gesichert werden, heißt es in dem Senatsbericht. Wirtschaftssenator Harald Wolf hatte diesen Sanierungsplan einschließlich der kompletten Schließung des ICC Ende vergangenen Jahres vorgestellt. Die neue Messehalle wird voraussichtlich 77,5 Millionen Euro kosten und rund 30.000 Quadratmeter groß sein. Die Messe erwarte, dass rund 80 Prozent aller Partner, die bisher das ICC nutzen, bereit wären, in die neue Halle mit entsprechenden temporären Kongresseinbauten während des Sanierungszeitraums einzuziehen, heißt es weiter. Die neue Messehalle will die Messe Berlin selbst finanzieren. Dafür will sie laut Senatsvorlage neben eigenen Mitteln auch Bankdarlehen in Höhe von 45 Millionen Euro aufnehmen. Wenn das ICC etwa 2016 fertig saniert ist, soll die neue Halle der Messe auch neue Einnahmen ermöglichen, beispielsweise, wenn das ICC belegt ist. Nach einem Wirtschaftsplan der Messe soll sogar ein kleiner Überschuss von 200.000 pro Jahr durch den Neubau möglich sein.

Kritiker haben allerdings Zweifel, ob der temporäre Neubau für das Kongressgeschäft nicht letztlich das ICC ersetzen könnte. Das Szenario: Erst bekommt die Messe einen Neubau, dann stellt man höhere Sanierungskosten beim ICC fest – und verschiebt die Wiedereröffnung der Halle auf lange Zeit. Die Grünen haben einen Antrag ins Abgeordnetenhaus eingebracht, in dem sie erst eine geprüfte Bauplanungsunterlage fordern, aus der sich die Kosten und der Zeitraum der Sanierung des ICC erschließen lassen.

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