23.10.10

Flugrouten

BBI-Jets fliegen noch tiefer über Berlin

Die Bürgerinitiative "Keine Flugrouten über Berlin" hat neue Berechnungen zu den geplanten Routen vorgelegt: Danach würden Langstreckenjets Wannsee in nur 1200 Metern Höhe überfliegen, was sogar die Deutsche Flugsicherung einräumt.

Von Katrin Schoelkopf und Gudrun Mallwitz

Für die Anwohner im Süden Berlins und in den Umlandgemeinden könnte die Fluglärmbelastung durch den neuen Hauptstadtflughafen BBI in Schönefeld weit stärker ausfallen als bislang behauptet. Inzwischen gibt es massive Zweifel an den Höhenangaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) zu den BBI-Flugrouten. Die Bürgerinitiative "Keine Flugrouten über Berlin" legte jetzt eigene, von Luftfahrtexperten und im Simulator erhobene Daten für den Berliner Süden und die Umlandgemeinden vor. Diese liegen mit 1200 Meter deutlich unter den Höhenangaben der DFS, was eine weitaus stärkere Lärmbelastung für die Bewohner bedeuten würde.

Die Initiative ermittelte, dass ein Langstreckenflugzeug vom Typ Airbus A340-300 mit 240 Passagieren an Bord die Conrad-Grundschule in Wannsee in einer Höhe von 1200 bis 1350 Meter überfliegen würde. Ein mit 120 Passagieren besetztes Mittelstreckenflugzeug des Typs Boeing 737-300 würde über Wannsee eine Höhe von 2000 bis 2400 Metern erreichen. Für Stahnsdorf gibt die BI beim Überflug eines Airbus A340-300 Höhen zwischen 1000 bis 1150 Meter an. In Potsdam wären es 1350 bis 1550 Meter.

Die Daten der Flugsicherung sind nach Ansicht der Bürgerinitiative dagegen "nicht repräsentativ". Die DFS hatte zuletzt am 27.September für den Zehlendorfer Ortsteil Wannsee Überflughöhen von 2400 Metern angegeben, ohne zwischen Flugzeugtypen, Gewicht, Wetter und Luftdichte zu unterscheiden.

Die Deutsche Flugsicherung verteidigte ihre Höhen als "Durchschnittswerte". DFS-Sprecher Axel Raab gab aber zu, dass die Höhen auch unterschritten werden könnten. Dabei bestätigte er die Angaben für das Langstreckenflugzeug A340-300. "Diese Maschine steigt sehr langsam. Es stimmt, was die BI hier an Höhen ermittelt hat", sagte Raab.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) forderte inzwischen von der Deutschen Flugsicherung detaillierte Karten zu den Flugrouten vom künftigen Großflughafen. "Die Landesregierung will wissen, wie hoch die Maschinen fliegen und welche Lärmgrenzwerte zu erwarten sind", sagte Platzeck. Das sei notwendig, um die Routen weiter zu verbessern – auch bei Abflügen nach Osten. Der Regierungschef verlangte, die Abstimmung zwischen der regionalen Fluglärmkommission und der Flugsicherung müsse schnellstens zu Ergebnissen führen. "Die Menschen im Umfeld des BBI dürfen nicht weiter verunsichert werden", so Platzeck.

Bei einer Informationsveranstaltung in Potsdam kündigte der Staatssekretär im Infrastrukturministerium, Rainer Bretschneider, mehr Transparenz an. So hätten das Land und die Leitung der Deutschen Flugsicherung vereinbart, dass die Rechtsverordnung über die Flugrouten möglichst schnell erarbeitet wird. Berlin und Brandenburg wollen dazu aktuelle Geodaten zur Verfügung stellen. Bretschneider zufolge arbeitet die für die Flugrouten zuständige Deutsche Flugsicherung teilweise mit veralteten Karten, auf denen nicht alle neuen Wohnsiedlungen eingetragen sind. Die 46 potenziell betroffenen Berliner Bezirke und Brandenburger Kommunen sollen möglichst schnell konkrete Aussagen zur derzeitigen und künftigen Belastung durch Überflüge erhalten. "Ich hoffe, dass diese Unterlagen zum 8. November vorliegen", sagte Bretschneider. An dem Tag tagt die Fluglärm-Kommission.

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