Tierversuche

Charité baut neuen Mäusebunker in Berlin-Buch

Der Senat fördert mit 60,8 Millionen Euro zwei neue Tierversuchsanlagen in Berlin, ein Labor und eine Aufzuchtsanstalt. Die Kapazitäten sollen für rund 74.000 Mäuse ausgebaut werden.

Foto: Christian Kielmann

Berlin bekommt ein weiteres Tierversuchslabor auf dem Gelände des Biotechnologie-Zentrums in Buch. Neben dem Neubau einer Versuchsanlage durch das Max Delbrück Centrum (MDC) haben die Bauarbeiten für eine weitere Tieraufzuchtanlage der Charité auf dem gleichen Gelände begonnen. Das geht aus der Antwort der Gesundheitsverwaltung auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor. Die Kosten für das Charité-Labor betragen 36,8 Millionen Euro – das sind zwölf Millionen Euro mehr, als für den Bau des MDC-Labors benötigt werden. "Damit fördert der Senat allein die neue Infrastruktur für Tierversuche mit 60,8 Millionen Euro", kritisierte die Tierschutz-Expertin der Grünen, Claudia Hämmerling.

Die Wissenschaftsverwaltung verteidigt den zweiten Neubau. "Das ist der Ersatz für das alte Gebäude in Steglitz. Beide Anlagen werden durch eine gemeinsame Verwaltung betrieben", sagte ein Sprecher. Finanziert wird der Charité-Neubau aus Mitteln des Landes. Im Gegenzug hatte der Bund einen Großteil der Finanzierung des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung (BIG) übernommen. Der Neubau der Charité soll den baufälligen "Mäusebunker" in Steglitz ersetzen.

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Das MDC verfügt bereits jetzt über eines der größten Tierversuchslabors in Deutschland. Die Kapazitäten sollen für rund 74.000 Mäuse ausgebaut werden. Am Charité-Neubau sind Haltungskapazitäten für weitere 40.000 Tiere vorgesehen. Der Ausbau der Kapazitäten überrascht, da alle Fraktionen im Abgeordnetenhaus vor zwei Jahren eine Resolution unterschrieben haben, in der als Ziel der komplette Verzicht auf Tierversuche formuliert ist. "Beim Neubau der Tierversuchsanlagen ist man nicht sachlichen, sondern Lobby-Interessen gefolgt", kritisierte Hämmerling.

Berlin ist eine Hochburg für Tierversuche

Auch ohne die beiden Neubauten ist Berlin eine Hochburg der Tierversuche. 2014 wurde vom Landesamt für Gesundheit und Soziales für 1007 Versuche die Zucht von 1,2 Millionen Tieren zu Versuchszwecken genehmigt. Darunter waren eine Million Mäuse, 124.000 Ratten, aber auch Hunde und Katzen sowie Vögel und Zierfische.

Scharfe Kritik an den Plänen formulieren die Ärzte gegen Tierversuche. "Der Trend zu immer mehr Tierversuchen ist fatal", sagte die stellvertretende Vorsitzende, Corina Gericke. "Tierversuche sind nicht nur aus ethischen Gründen abzulehnen, sondern auch, weil man so kranken Menschen nicht helfen kann." Künstlich krank gemachte Tiere seien nicht vergleichbar mit der komplexen Situation beim Menschen. "Einer Recherche unseres Verbandes zufolge werden die beiden neuen Berliner Labors mit einer Kapazität von 61.400 Mäusen und Ratten (MDC) und 40.000 Tieren (Charité) die größten Tierversuchslabors Deutschlands", sagt Gericke.

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