Gewalt in Berlin Massenschlägerei bei Hochzeitsfeier - Polizisten angegriffen

Foto: ABIX

Schon wieder müssen Berliner Polizisten Streitigkeiten eines Familienclans schlichten – und werden selbst Opfer. In einem Festsaal in Tempelhof artete eine Hochzeit zu einer Massenschlägerei aus.

Bei dem Gedanken an eine Hochzeitsfeier in einem festlich geschmückten Saal würde man solche Bilder eher nicht erwarten: Ein angegriffener Polizeibeamter, der schwer verletzt zusammenbricht, nachdem ihm sein Gegenüber mit einem Stuhl auf den Kopf geschlagen hat, und der mit Verdacht auf Gehirnerschütterung in ein Krankenhaus eingeliefert wird. Und weitere Polizisten, die von den zuvor noch feiernden Gästen bespuckt und verbal übel beleidigt werden. Flaschen und Gläser fliegen ihnen entgegen. So geschehen in der Nacht zu Montag an der Ullsteinstraße in Tempelhof.

Wieder ein Fall in Berlin, bei dem zahlreiche Polizisten wegen massiven gewalttätigen Streitigkeiten unter Migranten einschreiten müssen und dabei ihre Gesundheit gefährden. Erst am Donnerstag voriger Woche waren auf einem Spielplatz in Moabit zwei Polizisten verletzt worden, als Streitigkeiten in einer familiären Massenschlägerei mündeten. Weil ein von Beamten festgesetzter Mann aus einem Polizeiwagen geholt werden sollte, mussten am Ende 90 Polizisten für Ruhe unter den 70 Beteiligten zweier sich feindlich gegenüberstehenden Familien sorgen. Nur einen Tag später mussten am Freitagabend zwei Dutzend Beamte in Neukölln einen Streit von 50 Erwachsenen schlichten. In Tempelhof nun hatten besorgte Hochzeitsgäste die Polizei gegen 3.15 Uhr gerufen. Die Beamten waren daraufhin gekommen, um zu helfen und zu schlichten. Doch plötzlich mussten sie sich zahlreicher Angriffe erwehren.

Der Auslöser des Einsatzes war eigentlich recht banal. Zwei Männer waren in einen handfesten Streit geraten und begannen, sich zu schlagen. In kürzester Zeit entschlossen sich daraufhin etliche andere Gäste, in dem Streit mitzumischen. Der Zwist der sich schlagenden Gruppen verlagerte sich auch vor den Festsaal. Dort gingen 15 Männer auf dem Parkplatz mit Fäusten aufeinander los.

Doch kaum waren die ersten Einsatzkräfte der Polizei an der Ullsteinstraße eingetroffen, geschah etwas Überraschendes. Plötzlich machten die ehemaligen Streithähne gemeinsame Sache gegen die Polizei. Beim Anblick der Uniformierten hatte sich der aus Bosnien-Herzegowina stammende Familienclan scheinbar vertragen – und sich auf die Beamten als Gegner geeinigt. Erst nachdem mehr als 50 Polizeibeamte den Familienmitgliedern gegenüber standen, konnte die Lage unter Kontrolle gebracht werden.

Sieben Festnahmen

Die Bilanz des nächtlichen Einsatzes: Sieben Männer werden vorläufig festgenommen. Gegen sie wird nun wegen gefährlicher Körperverletzung, Widerstands und Landfriedensbruchs ermittelt, wie die Polizei am Montag mitteilte. Nach Alkoholtest und Feststellung der Personalien sind sie mittlerweile wieder auf freiem Fuß. Vier bei der Schlägerei verletzte Hochzeitsgäste und ein Polizist mussten von Rettungskräften der Feuerwehr ambulant behandelt werden. Unklar ist bislang noch der Hintergrund der Auseinandersetzung, der erst zu dem Polizeieinsatz geführt hatte.

"Offenbar fühlten sich einige Beteiligte des Streits in der Menge als vermeintlich anonym", sagte Polizeisprecher Stefan Redlich am Montag zu dem Verhalten der Angreifer. Angriffe auf Beamte könnten nicht akzeptiert werden. Von daher sei die Polizei gezwungen, im Bedarfsfall schnell genügend Beamte zur Verstärkung einzusetzen. Einen Trend zu einer Zunahme von Einsätzen auf Grund von Streitigkeiten zwischen Großfamilien sehe er nicht, sagte Redlich mit Bezug auf die jüngsten Einsätze auf Spielplätzen.

Steve Feldmann, Sprecher der Berliner Polizeigewerkschaft (GdP), warnte dagegen: Hintergrund seien nicht die "Buddelkastenkonflikte" des Nachwuchses verfeindeter Großfamilien. "Sie sind doch bloß willkommener Anlass für die beteiligten Erwachsenen der arabischen Großfamilien, die eigenen Streitigkeiten auszufechten. Und hier geht es um handfeste, schwergewichtige Interessen, mit denen diese Familien ihren Lebensstandard finanzieren."

Mit Äxten und Baseballschlägern

Nicht nur in Berlin muss die Polizei massiv einschreiten, wenn Streitigkeiten größerer Gruppen handgreiflich ausgetragen werden. In Hamburg waren am vergangenen Wochenende sogar 39 Funkstreifen in Einsatz, als sich Angehörige zweier arabischer Clans bekämpften. Im Stadtteil Hamm hatten Zeugen am Sonnabendnachmittag eine Schlägerei auf offener Straße mit mehreren Personen gemeldet. Die erste Funkstreife sah gegen 14.20 Uhr am Hammer Deich vor einem Autohandel 40 Männer, die teilweise mit Äxten, Messern und Baseballschlägern bewaffnet gewesen seien, so eine Polizeisprecherin. Sechs Männer wurden verletzt. Sie erlitten Prellungen, Schnittverletzungen, Rippenbrücke und Kopfverletzungen. Einem 33-jährigen Libanesen war ein Messer in den Kopf gerammt worden. Zwölf Beteiligte im Alter von 18 bis 53 Jahren wurden festgenommen.

Auslöser der Auseinandersetzung waren nach Morgenpost-Informationen die Revierstreitigkeiten zweier arabischer Clans um die Vorherrschaft im Export von Gebrauchtwagen.

+++ Bereits in der vergangenen Woche war es zweimal zu Massenschlägereien in Berlin gekommen - beide Male auf Spielplätzen. +++

+++ In Berlin werden Polizisten immer häufiger Opfer von Angriffen. Ein Beamter berichtet aus seinem Alltag. +++

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