Senatschef

Müller fordert von Siemens mehr Engagement für Berlin

Bis zu 800 Jobs will Siemens in diesem Jahr im Berliner Gasturbinenwerk abbauen. Bei einem Besuch fordert der Regierende Bürgermeister von dem Konzern ein klares Bekenntnis zur Stadt.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat von Siemens mehr Engagement für den Standort Berlin gefordert. Von anderen großen Berliner Unternehmen wie BMW, Mercedes oder der Deutschen Bahn gebe es klare Ansagen über Investitionen in Berliner Werke und neue Arbeitsplätze, so Müller.

"Solche Aussagen habe ich von Siemens noch nicht gehört", sagte der Regierende bei einem Besuch im Siemens-Gasturbinenwerk, wo der Konzern in diesem Jahr bis zu 800 Jobs abbauen will. Über 500 dieser Arbeitsplätze wird die Geschäftsleitung jetzt mit den Betriebsräten verhandeln, 300 Stellen sind bereits gestrichen. Noch arbeiten 3800 Menschen an dem 110 Jahre alten Standort, davon 1000 in der Fertigung.

Die Frage Müllers, ob es dabei betriebsbedingte Kündigungen geben könne, beantwortete das Management beim Treffen mit Müller sowie Betriebsräten und IG-Metallern nicht eindeutig.

Willi Meixner, der Chef der Siemens-Division Power & Gas, die 16 Milliarden Euro mit Gas- und Dampfturbinen sowie Generatoren verschiedener Größe umsetzt, schilderte die Marktlage. Die Energiewende sorge für einen Rückgang der Nachfrage nach großen Gasturbinen in Europa, die Preise seien um 30 Prozent gefallen, Kunden im Ausland würden eine stärkere lokale Wertschöpfung verlangen und nicht nur eine Lieferung aus Deutschland.

Berlin werde aber die Kernkompetenz für Gasturbinen erhalten und Leitwerk im Konzern bleiben. Man habe ein neues Forschungsteam aufgebaut, entwickle die Technik des 3-D-Drucks weiter, um schneller Prototypen herstellen zu können.

Betriebsratschef: "Das Werk brummt"

Der Betriebsratschef der Huttenstrasse, Günter Augustat, verwies auf die gute Auslastung: "Das Werk brummt", sagte der Arbeitnehmervertreter und zeigte kein Verständnis für die "brachialen Maßnahmen" des Unternehmens. Allein ein Großauftrag aus Ägypten über 24 Turbinen sichere die Arbeit über die nächsten zwei Jahre.

Die Betriebsräte wüssten, dass Siemens die Produktionskosten nicht aus den Augen verlieren dürfe, sagte Augustat. Aber die geplante Verlagerung einzelner Tätigkeiten wie die Turbinenschaufelmechanik nach Ungarn oder der Rotormechanik aus dem Werksbereichs Berlin berge auch Risiken für die Produktion. Das Werk sei deswegen so leistungsstark, weil es noch 35 Prozent einer Turbine selber fertige und nicht nur einzelne Komponenten zusammenfüge. Kosten und Durchlaufzeiten seien schon erheblich gesunken. Mitarbeiter aus Berlin hätten die anderen Standorte "schlau gemacht", klagte der Betriebsratschef. Wenn die Arbeit aber erst einmal weg sei aus Berlin, komme sie nie mehr wieder.

Der Siemens-Konzern-Bevollmächtigte in Berlin, Udo Niehage, verwies auf die "Siemens-Kultur", Strukturen im Einvernehmen mit den Arbeitnehmern zu verändern. Entsprechend werden sich im Gasturbinenwerk in den nächsten Wochen Projektteams des Managements und des Betriebsrates zusammensetzen, um die anstehenden Fragen zu besprechen.

Den Eindruck, dass Siemens in Berlin weniger tue als andere Konzerne, wollte der Pressesprecher dann doch nicht so stehen lassen. Man sei der größte industrielle Arbeitgeber der Stadt und werde der größte Produktionsstandort des Konzerns bleiben. Und jedes Jahr investiere man 300 Millionen Euro in der Stadt.

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