Immobilienpreise Im Süden Berlins steigen die Bodenpreise - trotz BER-Lärms

Foto: Amin Akhtar

Wenn der BER eröffnet, wird der Fluglärm über ihren Häusern massiv zunehmen. Dagegen protestieren Anwohner im Süden Berlins. Sie fürchten eine Entwertung ihrer Immobilien - dabei steigen die im Wert.

Die Sorge in den Bezirken am südlichen Berliner Stadtrand ist groß. Wenn der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) eröffnet, wird es laut. Im Park, im eigenen Garten oder auf dem Balkon ist es dann wegen des Fluglärms nicht mehr auszuhalten, die Lebensqualität sinkt, so die Furcht. Eigenheimbesitzer erwarten zudem, dass der Wert ihrer Wohnung oder ihres Hauses einbricht. Zum 200. Mal gehen am 29. April die Bürger von Friedrichshagen dafür auf die Straße. Immobilienexperten verweisen aber auf aktuelle Zahlen und zeigen: Die Bodenpreise in betroffenen Regionen sind in den vergangenen Jahren um bis zu 33 Prozent gestiegen.

Berliner Bürgerinitiativen sagen nach Öffnung des BER auch für Hauptstadtbezirke eine starke Lärmbelästigung voraus. Die "Friedrichshagener Bürgerinitiative" in Treptow-Köpenick etwa erwartet nahe dem traditionellen Erholungsgebiet rund um den Müggelsee bei Ostwind langfristig 200 Flugbewegungen pro Tag. Laut Deutscher Flugsicherung fliegen bei Westwind durchschnittlich 180 Maschinen pro Tag auf Brandenburger Seite in weniger als 1500 Metern Höhe kilometerlang an der Grenze zu Neukölln, Lichtenrade und Steglitz-Zehlendorf.

Fluglärm schreckt Käufer nicht ab

Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte in Berlin hat sich die Preis-Entwicklung in den Stadtrandbereichen der Stadtviertel angesehen. Das unabhängige Gremium aus Architekten, Maklern und Finanzexperten ist beim Senator für Stadtentwicklung und Umwelt angesiedelt. Ergebnis: Wie in ganz Berlin steigt auch im Süden der Grundstückswert – trotz Nähe zum BER. In Marienfelde beispielsweise kostete ein Quadratmeter im Jahr 2012 noch 200 Euro, inzwischen liegt der Preis bei 230 Euro. In Lichtenrade ging der Preis von 190 auf 230 Euro hinauf. In Köpenick gab es einen Anstieg von 120 auf 160 Euro. In Rudow zahlte man 2012 pro Quadratmeter 160 Euro. 2015 sind es 200 Euro.

Warum kaufen die Menschen unbeirrt in einer Region, die sich nach Eröffnung des Großflughafens zum Nachteil wandeln könnte? "Das ist schon merkwürdig. Aber Fluglärm ist eben kein akutes Thema mehr", sagt Thomas Sandner, der die Geschäftsstelle des Gutachterausschusses leitet.

Für Käufer seien die südlichen Regionen sogar höchst attraktiv, sagt Markus Gruhn, Landesvorsitzender des Rings Deutscher Makler in Berlin Brandenburg. "In Bezirken wie Mitte, Charlottenburg und Wilmersdorf sind die Preise überhitzt. Jetzt weicht man auf Eigentum in den sogenannten B-Lagen aus." Chef-Gutachter Sandner meint, dass Menschen in jenen Berliner Gegenden, die von Lärm betroffen sein könnten, sich nicht um den Wert ihres Eigentums sorgen müssen. "Es wird Abwanderung und Zuzug geben", sagt er. "Die Menschen, die der Flughafen stört, gehen fort. Und andere, die etwa durch den Airport einen neuen Arbeitsplatz gefunden haben, werden dort hinziehen."

Angst vor Veränderungen

Wer aber am Stadtrand nie Pläne hatte, noch einmal aus dem vertrauten Heim fortzuziehen, blickt den Veränderungen mit Angst entgegen. Seniorin Emely Heinz wollte den Großflugflughafen vor ihrer Haustür von vornherein verhindern. Seit Anfang der 90er-Jahre schrieb sie dem Regierenden Bürgermeister, der Bundeskanzlerin, zwei Brandenburger Ministerpräsidenten. Es hat nicht geholfen. Das Haus, das sie in Treptow-Köpenick vor 30 Jahren mit ihrem Mann, einem Ingenieur, baute, sollte einmal die sichere Altersvorsorge ihrer Kinder werden. Doch was ist ihr Besitz noch wert, wenn landende Flugzeuge den Flughafen Berlin Brandenburg ansteuern werden, fragt sie. "Es ist zum Heulen", sagt Emely Heinz.

Schon zu DDR-Zeiten flogen die Maschinen vor der Landung über ihr Haus und das 800 Quadratmeter große Grundstück im südöstlichen Rahnsdorf. "Da ließen die Piloten aus der Luft immer Treibstoff ab. Auf unserem Teich blieb dann immer ein dicker Ölfilm zurück", sagt Emely Heinz. "Die Geräuschbelastung war schlimm, dabei flogen damals weit weniger Maschinen als zukünftig."

Mit Anwohnern sammelte die ehemalige Physiotherapeutin 136.000 Unterschriften gegen den Lärm über der idyllischen Müggelsee-Region. "Wir sind von Tür zu Tür gegangen und haben geklingelt." Befreundete Bürger haben immer noch nicht aufgegeben. Sie demonstrieren weiterhin in Friedrichshagen gegen den Flughafen.

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