Todesfall

Kleinkind stirbt an Masern - Der Junge war nicht geimpft

In Berlin ist ein an Masern erkranktes Kleinkind im Krankenhaus gestorben. Das teilte Gesundheitssenator Mario Czaja mit. Eine Obduktion soll die genauen Todesumstände des Jungen klären.

In Berlin ist ein Kleinkind an Masern gestorben. Der 18 Monate alte Junge stammt aus Reinickendorf. Er habe am 12. Februar zunächst Fieber, später maserntypischen Hautausschlag bekommen und sei schließlich ins Krankenhaus gekommen, teilte Berlins Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) am Montag mit.

Das Kind starb am 18. Februar im Virchow-Klinikum in Wedding. Die Charité wies allerdings darauf hin, dass die Untersuchung des Falls gerichtsmedizinisch noch nicht abgeschlossen sei. "Die genaue Todesursache, insbesondere ob die Masernerkrankung für den Tod verantwortlich war, wird derzeit noch untersucht", teilte das Klinikum mit.

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Das Kleinkind ist wohl das erste Todesopfer einer bisher beispiellosen Masernwelle in Berlin, die Ende 2014 begonnen hat. Seither wurden in der Stadt 574 Fälle der meldepflichtigen Krankheit registriert. Das ist die höchste Zahl seit Inkrafttreten des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2001. Allein in diesem Jahr sind 453 Masernfälle in Berlin gemeldet worden.

"Das Kind war gegen alles geimpft, nur nicht gegen Masern"

Die Kontaktpersonen des Kleinkindes sollen nach Angaben der Gesundheitsverwaltung inzwischen ausfindig gemacht worden sein. Dass der Todesfall erst am Montag öffentlich bekannt wurde, sei Teil des üblichen Verfahrens, sagte der Senator. Czaja appellierte erneut an die Berliner, sich impfen zu lassen. "Das Kind war gegen alles geimpft, nur nicht gegen Masern", sagte er. Vorerkrankungen sollen nicht vorgelegen haben.

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Auch auf Bundesebene hat der Tod des Reinickendorfer Kindes die Diskussion um eine Impfpflicht erneut befeuert. Die Bundesregierung schließt eine Impfpflicht nicht mehr aus. "Wenn Maßnahmen wie die Impfberatung etwa beim Kita-Eintritt nicht greifen, müssen wir über weitere Möglichkeiten sprechen", sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums am Montag in Berlin.

Vor Bekanntwerden des Todesfalls hatte es im Ministerium noch geheißen, die von Gesundheitspolitikern der großen Koalition diskutierte Verpflichtung zur Masernimpfung sei "vorerst kein Thema". Wie Czaja riet auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe(CDU) dringend, empfohlene Impfungen nachzuholen. Gröhe will im Präventionsgesetz festlegen, dass Eltern künftig vor der Eingewöhnung ihres Kleinkindes in einer Kindertagesstätte einen Nachweis über eine ärztliche Impfberatung vorweisen müssen.

"Eine große Impfwelle in Gang zu setzen"

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte eine konzertierte Aktion von Gesundheitspolitikern aller Parteien und den Ärzteverbänden, "um eine große Impfwelle in Gang zu setzen". Wenn dies nicht gelinge, müsse eine Impfpflicht für Kleinkinder der nächste Schritt sein. Vertreter der Opposition im Bundestag lehnen eine Pflicht jedoch ab. "Impfskeptiker bringt man nicht durch Zwang zum Umdenken, sondern durch umfassende, unabhängige Beratung", sagte Katja Dörner, Fraktionsvize der Grünen im Bundestag.

Kinderärzte halten eine Impfpflicht für unrealistisch. "Eine generelle Impfpflicht wird sich wegen der Widerstände in der Bevölkerung nicht durchsetzen lassen", sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann. Die Bundesgeschäftsführerin des Kinderschutzbundes, Paula Honkanen-Schoberth, sagte, der Todesfall in Berlin zeige, wie gefährlich die Folgen einer Impfverweigerung sein können. Bevor aber über eine Pflicht diskutiert werden könne, müsse geklärt werden, welches Ausmaß eine Masernepidemie in Deutschland habe.

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