Verkehrssicherheit Warnwesten sollen Pflicht für Radfahrer werden

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Die Deutsche Polizeigewerkschaft will in Berlin reflektierende Warnwesten für Fahrradfahrer einführen. Das stößt eine neue Diskussion über mehr Sicherheit im Straßenverkehr an.

Viele Fahrradfahrer sind bei Dunkelheit ohne Licht unterwegs, gefährden sich und andere Verkehrsteilnehmer. Besonders in den Wintermonaten, wenn es schon früh dunkel wird, werden viele Radfahrer leicht übersehen. Die Deutsche Polizeigewerkschaft Berlin (DPolG) fordert nun, dass Fahrradfahrer von Einbruch der Dunkelheit an eine reflektierende Warnweste tragen müssen.

"Mit Warnwesten sind Radfahrer in der Dunkelheit besser zu erkennen", sagte Bodo Pfalzgraf, Landesvorsitzender der DPolG, der Berliner Morgenpost. "Daher sollte es in der Dämmerung und nachts eine Pflicht zum Tragen von Warnwesten geben." Die Forderung entstand bei einer Fachtagung der Funkwagenfahrer gemeinsam in Gesprächen mit den Beamten der Verkehrsüberwachung. Berlins Radfahrer würden vor allem in den Abendstunden ohne Licht durch die Stadt rasen, heißt es. "Die Ausreden sind meistens die gleichen. Die Leuchte ist eben erst kaputt gegangen", berichtete Pfalzgraf von den Erfahrungen der Beamten. "Besonders dreist ist die Ausrede, es passiere doch sowieso nichts."

Die Interessenvertretung der Radfahrer, der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), sieht die Gewerkschaftsforderung kritisch. "Wer das Fahrradfahren sicherer machen will, muss sich um sichere Radspuren kümmern und durch Öffentlichkeitsarbeit für ein gutes Verkehrsklima sorgen. Das zeigen internationale Vergleiche wie zum Beispiel mit Kopenhagen oder den Niederlanden", sagte Stephanie Krone, Pressesprecherin des ADFC. "Wer sich als Radfahrer auf den Straßen willkommen und respektiert fühlt, hält sich auch besser an die Regeln. Die Beleuchtungspflicht für Fahrräder reicht aus, um die Sichtbarkeit und Wahrnehmbarkeit von Radfahrern sicherzustellen."

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Die Polizeigewerkschaft will mit ihrer Forderung eine politische Diskussion anstoßen. "Wir werden intensiv für unsere Idee, Menschenleben zu erhalten, werben", sagte Pfalzgraf. Unterstützung erfährt die Gewerkschaftsforderung von der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus. "Ja, ohne Einschränkungen ja. Ich bin ganz klar für eine Warnwesten-Pflicht für Fahrradfahrer ab Eintritt der Dunkelheit", sagte der Verkehrsexperte der CDU, Oliver Friederici. "Das ist sehr viel Sicherheit für wenig Geld." Radfahrer, die bei Dunkelheit nicht gesehen werden, würden oft genug Fußgänger und Autofahrer erschrecken und in Gefahr bringen. "Ich bin ein glühender Verfechter dieser Idee."

Grüne sind skeptisch

Die Fraktion der Grünen im Abgeordnetenhaus glaubt, dass der Vorschlag im Alltag schwer umsetzbar sein wird. "Der Vorschlag der Polizeigewerkschaft ist sicher gut gemeint, aber nicht praktikabel", sagte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Stefan Gelbhaar, und verwies auf Leihfahrradsysteme. "Dann müsste jeder Radfahrer zu jeder Zeit eine Warnweste mit sich rumtragen." Immer nur neue Forderungen brächten seiner Ansicht nach nichts. "Besser ist eine funktionierende Beleuchtung am Fahrrad und ausreichende Kontrollen."

Bei der Verkehrssicherheit sollten nicht nur die Radfahrer in die Pflicht genommen werden, sagte er, und fordert eine bessere Infrastruktur für Radfahrer. Besonders auf Kreuzungen würden sehr viele Unfälle passieren. "Da gibt es noch jede Menge zu tun." Auch der verkehrspolitische Sprecher der SPD, Ole Kreins, setzt auf Freiwilligkeit. "Man sollte über das Tragen der Warnwesten auf freiwilliger Basis nachdenken und aufklären", sagte er. "Das Tragen zur Pflicht zu machen, sehe ich in Berlin eher skeptisch."

Der ADAC setzt auf mehr Aufklärung, auffallende Kleidung, reflektierende Materialien und Freiwilligkeit anstelle einer "bürokratischen Warnwestenpflicht". "Warnwesten sorgen bei Fahrradfahrern für deutlich bessere Sichtbarkeit in der Dunkelheit. Gerade in Berlin tragen schon jetzt viele Fahrradfahrer freiwillig Warnwesten und sind damit sicherer unterwegs", sagte Volker Krane, ADAC-Vorstandsmitglied Verkehr in Berlin-Brandenburg. "Beleuchtung und Sichtbarkeit sind für alle Verkehrsteilnehmer gleichermaßen wichtig."

Der ADFC führt noch ein weiteres Argument an und plädiert für mehr Kontrollen. Das habe das Beispiel der Stadt Münster gezeigt. Dort, so ADFC-Sprecherin Stephanie Krone, konnte durch Kontrollen die Lichteinschaltquote von 40 Prozent (2007) auf 97 Prozent (Dezember 2014) erhöht werden.

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