30.07.10

Fort Hahneberg

Preußens letzter Festungsneubau bröckelt

In Quentin Tarantino "Inglourious Basterds" war das Fort Hahneberg noch eine stattliche Kulise. Doch mittlerweile sind die Schäden an der Festung im äußersten Westen Berlins so groß, dass sie nun für Besucher geschlossen ist.

Von Helga Labenski
Foto: Sergej Glanze
Fort Hahneberg
Fort Hahneberg - Führungen gibt es vorerst nicht mehr

Es ist die letzte in Preußen erbaute Festung: Das Fort Hahneberg im Spandauer Ortsteil Staaken wirkt bis heute so ursprünglich, dass Quentin Tarantino die Militäranlage als Kulisse für seinen Film "Inglourious Basterds" wählte. Doch inzwischen wäre die Festungsruine kaum noch geeignet, Hauptdarsteller Brad Pitt als Kämpfer gegen die Nazis überzeugend in Szene zu setzen. Die denkmalgeschützten Gemäuer des 1888 fertiggestellten Forts sind komplett mit Metallgittern umzäunt. Das Hauptportal und der Hofausgang der Kehlkaserne wurden mit Bretterverschlägen eingehaust.

Weil nach einem Gutachten in dem historischen Gebäude erhebliche Gefahren für Besucher bestehen, hat das Bezirksamt die baufällige Anlage für Besucher gesperrt. Führungen wären danach nur noch auf den äußeren Wällen möglich. Die Arbeits- und Schutzgemeinschaft (ASG) Fort Hahneberg, die die Festung pflegt und für Veranstaltungen nutzen darf, hält Besichtungen aus der Ferne aber für nicht mehr attraktiv. Sie hat deshalb, zunächst bis Ende August, alle Führungen für Berliner und Touristen abgesagt.

Das Berliner Ingenieurbüro Laschinski hatte im Auftrag des Bezirksamtes die Standsicherheit der Militäranlage überprüft. Jahrzehntelang war sie auf dem Sperrgebiet an der Grenze dem Verfall preisgegeben. Der Statiker warnt insbesondere vor herabstürzenden Ziegeln und Metallteilen. Im rechten Flügel der Kaserne und den Nischen der Wallmauern bestehe sogar Einsturzgefahr.

Schon Ende März, nach einer Bilanz der Winterschäden, hatte das Bezirksamt das Betreten der Gebäude untersagt. Bis Mai sollten ursprünglich wieder erste Teilbereiche freigegeben werden. Aber auch das historische Festungsmanöver des Vereins im Juni durfte nur noch auf dem kleinen Vorplatz der Kehlkaserne stattfinden. Nach einem Gespräch zwischen ASG Fort Hahneberg und dem Bezirksamt steht nun fest, dass mit einer baldigen Freigabe der denkmalgeschützten Bauten nicht zu rechnen ist. "Das Fort ist gesperrt, und das wird wohl vorläufig auch so bleiben", sagt Patrick Sellerie, Sprecher von Bau- und Umweltstadtrat Carsten-Michael Röding (CDU). Derzeit werde geprüft, welche Kosten eine schrittweise Sicherung verursachen würde. Für Sellerie ist jedoch klar: Weder die ASG Fort Hahneberg noch das benachbarte Obenstufenzentrum Bau, dessen Schüler, seit Jahren am Fort kostenlos Sanierungsarbeiten leisten, könnten die nun festgestellten Schäden allein beseitigen. Weil in Spandau derzeit eine Haushaltssperre gilt – der Bezirk hatte 2009 ein Defizit von mehr elf Millionen Euro angehäuft – wären größere Investitionen in das Fort aber derzeit nicht möglich. Einziges Zugeständnis des Bezirksamtes an die Arbeitsgemeinschaft Fort Hahneberg: Besucher dürfen einige Meter in den Hauptgang der Militärbaus gehen.

Enttäuscht hat die ASG nicht nur die Führungen vorläufig abgesagt. Auch das traditionelle Sommerfest im August fällt aus. "Die Leute wollen die Kasematten und Gewölbe sehen. An Bäumen sind sie nicht interessiert", begründet der Vorsitzende der ASG Fort Hahnberg, Erik Semler, die Entscheidung. Für den Verein mit rund 35 Mitgliedern, der sich überwiegend aus Erlösen seiner Veranstaltungen finanziert, bedeute die Abriegelung der Gebäude erhebliche Einnahmenausfälle, sagt Semler. Allein beim eingeschränkten Festungsmanöver seien die 2000 Euro Ausgaben nur zur Hälfte durch Eintrittsgeld gedeckt worden, so die ASG.

Biotope werden gepflegt

Unter der Federführung von Stadtrat Rödings Natur- und Grünflächenamt war das 5,5 Hektar große Fortgelände nahe der Heerstraße für 2,4 Millionen Euro erst vor drei Jahren neu erschlossen worden. Der alte Hohlweg, der den Zugang zu der historischen Anlage bildete, wurde freigelegt, Biotope wurden gepflegt, Lehrpfade angelegt und eine Aussichtsplattform gebaut. Das Geld kam aus dem von der Europäischen Union unterstützten Umwelt-Entlastungsprogramm des Senats. Denn das baufällige Gemäuer und das umliegende Gelände sind ein Refugium für seltene Pflanzen und Tiere, darunter allein elf Fledermausarten. Während 40-jährigen Verfalls auf dem Berliner Mauerstreifen, der auch den Spandauer Ortsteil Staaken in zwei Teile spaltete, hatte die Natur die Festung erobert. Die Europäische Union hat Fort Hahneberg als Flora-Fauna-Habitat geschützt.

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