Kommentar

Ebola - Die fast vergessene Katastrophe

Ein Ebola-Verdachstfall aus Sierra Leone ist nach Berlin geflogen worden. Das Testergebnis steht noch aus. Joachim Fahrun über die Krankheit, Helden und unsere Verantwortung.

Fast hätten wir Ebola verdrängt. Unter all den Geisterschiffen mit Flüchtlingen, den Flugzeugabstürzen und Kriegen in der Ukraine und in Syrien war die todbringende Seuche in den vergangenen Wochen aus dem Blickfeld verschwunden. Aber in Westafrika sterben weiter ungezählte Menschen an der hochansteckenden Krankheit. Und einer der neuzeitlichen Helden, die sich mitten im Infektionsherd um die Opfer kümmern, liegt nun in der Berliner Charité.

Die Identität der Person aus Südkorea wird geheim gehalten, um Sensationslust zu bremsen und eventuelle Stigmatisierung im Heimatland zu vermeiden. Für Berlin und seine weltberühmte Universitätsklinik ist es selbstverständlich, der Weltgesundheitsorganisation gegen die Epidemie zu helfen. Wer wenn nicht die selbst ernannte Gesundheitsstadt Berlin sollte eine Seuche bekämpfen, auch wenn diese es bisher nur in Gestalt von zur Behandlung eingeflogenem Hilfspersonal nach Deutschland geschafft hat?

Im Oktober starb ein afrikanischer Uno-Mitarbeiter in Leipzig. Aber wer weiß, wann der globale Reiseverkehr den ersten unerkannten Infizierten zu uns bringt? Es hat auch in Berlin Verdachtsfälle gegeben mit entsprechender Reaktion. Aber lieber einen Fehlalarm als tödliches Nichtstun.

Wir alle könnten im Ernstfall davon profitieren, wenn Pfleger und Ärzteteams wie an der Charité genau wissen und erproben, wie sie mit Ebola-Patienten umzugehen haben. Dass auch in modernen Kliniken Fehler möglich sind, zeigen die Ansteckungsfälle aus den USA und Spanien. Und nicht zuletzt die unbekannte Person aus Südkorea ist ein Beispiel dafür, was alles passieren kann. Trotz Schutzhandschuhen kam es zum Kontakt mit der Nadel einer Spritze und so womöglich zur Infizierung.

Der Kampf gegen Ebola gehört zwar nicht unbedingt wieder in die Schlagzeilen, aber nach oben auf die globale Agenda. Vor wenigen Wochen erst klagten Hilfsorganisationen, dass sie aus den reichen Ländern keine ausreichende Unterstützung für die Arbeit in klimatisch und hygienisch schwieriger Umgebung erhalten.

Grundsätzlich muss die Staatengemeinschaft klären, wie sie mit Krankheiten umgeht, deren Bekämpfung den Pharmaunternehmen keine Gewinne versprechen. Das Ebola-Virus ist seit 1976 bekannt. Wirksame Medikamente oder Impfstoffe gibt es nicht. So zynisch das klingt: Diese werden wohl nur ernsthaft erforscht, wenn die Seuche den wohlhabenden Teil der Welt bedroht.

Zur Startseite