Lehrplan Berliner Schüler bekommen neue Unterrichtsfächer

Foto: Patrick Pleul / picture-alliance / ZB

Berliner Kinder bekommen ein neues Schulfach: Aus Geschichte, Geografie und Sozialwissenschaft werden künftig Gesellschaftswissenschaften. Erstmals gilt der neue Lehrplan auch in Brandenburg.

Kinder und Jugendliche in Berlin und Brandenburg müssen sich auf Änderungen einstellen – und haben bald neue Schulfächer. Vom Schuljahr 2016/17 an sollen die Schüler nach einem neuen Rahmenlehrplan unterrichtet werden, der am Freitag von den Bildungsministerien beider Länder veröffentlicht wurde. Dieser legt fest, was die Schüler wissen sollen und orientiert sich an von den Kultusministern festgelegten Standards.

Zu den wichtigen Neuerungen gehört, dass Sprach- und Medienbildung künftig in jedem Unterrichtsfach stattfinden. Beide Kompetenzen seien Voraussetzung dafür, dass die Kinder sowohl die Schule als auch eine Ausbildung erfolgreich abschließen können, hieß es. Auch die erzieherische Aufgabe der Lehrer wird gestärkt. So sind zwölf Themenfelder festgelegt, die alle Pädagogen in ihren Unterricht einbeziehen sollen. Dazu gehören etwa Demokratieerziehung, Europabildung, Berufs- und Studienorientierung, Gesundheitsprävention, interkulturelle Bildung oder Verbraucherbildung.

Ziel ist es, einen engen Bezug zur Lebenswelt der Kinder herzustellen, ihnen Grundlagen für das Miteinander in der Gesellschaft und für ihre Lebensgestaltung zu vermitteln. Viele Eltern schaffen es inzwischen nicht mehr, ihre Kinder diesbezüglich zu unterstützen. Neu ist auch, dass der Rahmenlehrplan erstmals für die Klassenstufen eins bis zehn sowie für Kinder mit dem Förderschwerpunkt Lernen gilt. Das soll sicherstellen, dass alle Schüler auf einer gemeinsamen Grundlage lernen und noch individueller gefördert werden können. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) spricht von einem "Plan aus einem Guss", der Dopplungen von Themen verhindern und so zur "Entschlackung" der Fachlehrpläne beitragen soll.

Außerdem sollen die Schüler künftig weniger Stoff lernen müssen. Stattdessen sollen sie Kompetenzen erwerben, die ihnen dabei helfen, sich Wissen selbst anzueignen. Gab es bislang 68 Fachlehrpläne, wird es jetzt nur noch 28 Fachpläne geben sowie weitere zwölf für den Erwerb der verschiedenen Sprachen.

Für die fünften und sechsten Klassen wird außerdem das Fach Gesellschaftswissenschaften neu eingeführt: Darin sind Geschichte, Geografie und Politische Bildung gebündelt – der klassische Geschichtsunterricht als eigenständiges Unterrichtsfach entfällt für diese Altersgruppe. Von Klasse sieben bis zehn gibt es dann aber wieder das Fach Geschichte.

Für die Lehrer in Berlin und Brandenburg wird der Unterricht künftig leichter. Im neuen Rahmenlehrplan ist systematischer und verbindlicher aufgelistet, was die Schüler in den beiden Bundesländern lernen sollen. Außerdem enthält er viele Aufgabenbeispiele, auf die die Pädagogen zurückgreifen können. Zwei Jahre lang haben 140 Fachleute, darunter 114 Lehrer, an dem neuen Planwerk gearbeitet. Seit Freitag ist der Lehrplan auch im Internet einsehbar. Bis 27. März kann jeder seine Meinung dazu äußern. "Wir freuen uns über alle guten Ideen zur Weiterentwicklung des Entwurfs", sagte die Berliner Bildungssenatorin Scheeres am Freitag.

Mehr Infos unter: www.bildungsserver.berlin-brandenburg.de/anhoerungsportal.html

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