Kommentar

Neuer Rahmenlehrplan - Das Niveau der Schulen sinkt

Der neue Rahmenlehrplan schreibt vor, was und wie Berliner Kinder lernen sollen. Von „Entschlackung“ ist da die Rede, in der Realität heißt das: Das Niveau wird gesenkt.

Hurra, der Vorschlag für den neuen Rahmenlehrplan ist da! Was das ist? Der Rahmenlehrplan gibt vor, wie gebildet unsere Berliner Kinder aus der Schule kommen. Er schreibt vor, was gewusst werden muss. Und erläutert, wie gelernt werden soll. Natürlich ganz modern – das Lernen wird "vernetzt und vielfältig". "Zeitgemäßes Lernen" sei das, lobt die Bildungssenatorin Sandra Scheeres den Entwurf aus ihrem Hause, der zusammen mit dem Land Brandenburg entwickelt wurde. Ein einheitlicher Rahmenlehrplan von der ersten bis zur 10. Klasse, eine kleine Revolution.

Und konkret? So soll beispielsweise der reine Geschichtsunterricht in der fünften und sechsten Klasse wegfallen. Stattdessen wird das Fach "Gesellschaftswissenschaften" eingeführt, eine Mischung aus Geografie, Politischer Bildung und besagter Geschichte. "Entschlackung" steht als Oberbegriff über dem Rahmenlehrplan. Als seien die Berliner und Brandenburger Schüler prallsatt von Wissen und müssten nun dringend auf Diät gesetzt werden.

Die Realität ist eine andere. Bei der letzten Pisa-Studie vor zwei Jahren stellte sich heraus, dass ein 15-jähriger Schüler aus Sachsen in Mathematik rund zwei Jahre Vorsprung vor seinem gleichaltrigen Mitschüler aus Berlin hat. Und beim diesjährigen Bildungsmonitor belegte Berlin den letzten Platz, Brandenburg schaffte es nur auf Rang 15. Die Probleme unserer Stadt sind bekannt: viele Kinder aus bildungsfernen Milieus, seien es nun Deutsche oder Ausländer; zu wenig Lehrer; eine hohe Schulabbrecherquote.

Die Antwort des neuen Rahmenlehrplans ist schlicht: Das Niveau wird gesenkt. Statt Fächer gibt es plötzlich immer öfter "Lernbereiche", statt Büffeln konkreter Formeln in Mathematik geht es nun um einen "sprachsensiblen" Unterricht, der "die persönlichen, soziokulturellen und ethnischen Hintergründe" der Schüler einbindet. Dafür soll noch Zeit sein? Im Handwerk beschweren sich die Meister zunehmend, dass Auszubildende keine Fläche mehr ausrechnen können. Und an der Universität verzweifeln die Professoren an Studenten, die nicht mehr wissen, wann der Erste Weltkrieg war.

Früher waren wir eine Bildungsnation. Es ist richtig, die Welt ist vielfältiger geworden, Berlin auch. Aber unsere Stärke war das Wissen. Es wäre gut, wenn unsere Lehrpläne weniger hochtrabend und "zeitgemäß" wären. Und den Lehrern stattdessen den Rücken bei ihrer eigentlichen Aufgabe stärken würden: unseren Kindern etwas beizubringen.

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