Trotz Streik

Zum Mauerfall-Jubiläum sollen mehr S-Bahnen rollen

Das Arbeitsgericht Frankfurt lässt die Lokführer vorerst weiter streiken. Doch in Berlin will die Bahn nun mehr Züge fahren lassen als am ersten Streiktag - am 9. November deutlich mehr S-Bahnen.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Die Bahn war in der Nacht vorerst mit dem Versuch gescheitert, per Gerichtsentscheid den Lokführerstreik zu beenden. Die Lokführer streiken weiter, doch die Bahn weitet am zweiten Tag des Ausstands ihr Angebot in Berlin und Brandenburg aus. Zum Jubiläum des Mauerfalls will die Berliner S-Bahn dann während des Lokführerstreiks mehr Züge fahren lassen als an den Tagen zuvor. Vor allem am Sonntagnachmittag hoffe er wegen der Feiern zum 9. November auf zusätzliche Züge, sagte der Geschäftsführer der S-Bahn Berlin GmbH, Peter Buchner, am Freitag im Inforadio des RBB. Es hätten sich mehr Lokführer zum Dienst gemeldet als beim letzten Streik. Insgesamt könne die S-Bahn etwa ein Drittel des normalen Angebots gewährleisten.

Schon am Freitag, dem zweiten Streiktag, seien etwas mehr S-Bahnen unterwegs als am Tag zuvor. Auf den Strecken, die befahren werden, könne ein stabiler zwanzig-Minuten-Takt angeboten werden. Das sind die Linien S1, S2, S3, S5, S7, S 9 und S46.

Vom S-Bahn-Verkehr abgeschnitten bleibt der Hauptbahnhof. Die Züge in Ost-West-Richtung enden am Bahnhof Friedrichstraße. Der Ring mit den Linien S41, S42, S45 und S47 sowie die Linien S25, S75, S8 werden nach wie vor nicht bedient. Auf Teilstrecken der S3, S5, S8 und S25 fahren vor allem in den Außenbezirken Busse.

Auch im Regionalbahnverkehr fallen in Brandenburg weiter zahlreiche Züge aus. Die nicht bestreikten drei Bahn-Wettbewerber Ostdeutsche Eisenbahn (ODEG), Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) und die Eisenbahngesellschaft Potsdam (EGP) fahren in Brandenburg planmäßig.

Bahn scheitert vor Gericht

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat ihre Mitglieder bis zum frühen Montagmorgen zum Streik aufgerufen. Der Bahn-Konzern hatte am Donnerstag vergeblich versucht, die Arbeitsniederlegung verbieten zu lassen. Das Frankfurter Arbeitsgericht lehnte aber einen Antrag auf eine einstweilige Verfügung ab.

Laut Gerichtsurteil verstößt der Arbeitskampf nicht gegen die Friedenspflicht und ist auch verhältnismäßig. Die Forderungen der GDL seien nicht widerrechtlich. Auch die Feierlichkeiten zum 9. November in Berlin seien durch den Streik nicht gefährdet. In einer Berufungsverhandlung am Freitag will die Bahn ihre Haltung dennoch durchsetzen. Das Landesarbeitsgericht Hessen wird voraussichtlich am Vormittag zusammentreten.

Dem Urteil waren stundenlange Verhandlungen über einen Vergleichsvorschlag der Arbeitsrichterin Ursula Schmidt vorausgegangen. Der Vergleich scheiterte letztlich daran, dass die GDL bereits in den Schlichtungsplan hineinschreiben wollte, dass es bei der Bahn verschiedene konkurrierende Tarifverträge geben könne. Das lehnte Bahn-Anwalt Thomas Ubber ab. "Wir können keine Ergebnisse der Tarifverhandlungen hier vor Gericht vorwegnehmen", sagte er.

Fronten verhärtet

Zudem bedaure man, dass die GDL den Vorschlag abgelehnt habe, der eine Streikpause bis 17. November vorgesehen hätte. In dieser Zeit hätten GDL, die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und Deutsche Bahn Gelegenheit gehabt, inhaltliche Verhandlungen vorzubereiten.

Die Lokführergewerkschaft will im Tarifkonflikt mit der Bahn den Druck erhöhen. Sie fordert für die Beschäftigten mehr Geld sowie eine kürzere Arbeitszeit und will neben den Lokführern vor allem auch das übrige Zugpersonal in Verhandlungen vertreten, für das bislang die EVG zuständig ist. Die Bahn will konkurrierende Tarifverträge einzelner Berufsgruppen verhindern.

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