Verkehr Berlin bremst beim Ausbau der Elektromobilität

Foto: Daimler

Bei der Umsetzung des vom Bund initiierten Programms „Schaufenster Elektromobilität“ ist erst ein Bruchteil des Fördergeldes abgerufen worden. Dabei sind Dutzende Projekte in Vorbereitung.

Die Förderung der Elektromobilität in Berlin ist in Verzug. Bei der Umsetzung des von der Bundesregierung initiierten Programms "Schaufenster Elektromobilität" wurde erst ein Bruchteil der zur Verfügung stehenden Gelder verbraucht. Die bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung vorgesehenen Mittel von drei Millionen Euro sind erst zu fünf Prozent abgerufen worden (150.000 Euro). Bei der Wirtschaftsverwaltung sieht es etwas besser aus: Hier sind 850.000 Euro bereits verbraucht. In diesem Jahr stehen jedoch noch eine Million Euro zur Verfügung.

Berlin wurde 2012 von der Bundesregierung zu einer von vier Schaufensterregionen für Elektromobilität ernannt. Dafür stehen Fördermittel in Höhe von 36 Millionen Euro vom Bund, 20 Millionen Euro vom Land und 34 Millionen Euro von Unternehmen zur Verfügung. Als Schaufenster der Elektromobilität soll die Hauptstadtregion zu einem Vorbild für die Entwicklung, Erprobung und Anwendung neuer Technologien werden.

Die Berliner Agentur für Elektromobilität bestätigt die zögerliche Mittelabfrage, macht dafür aber den Bund verantwortlich. "Wir sind neun bis zwölf Monate ins Hintertreffen geraten, weil der Bund das Schaufensterprojekt verspätet gestartet hat", sagte Conrad Hammer, Projektleiter der Agentur. Außerdem habe sich die Verkehrsverwaltung dafür entschieden, die Ausschreibung für den Bau neuer Stromladesäulen in einem komplizierten Verfahren durchzuführen, so dass der Zuschlag voraussichtlich erst Ende dieses Jahres erfolgen werde. "Elektromobilität ist kein Spurt, sondern ein Marathon", so Hammer.

Strombetriebener öffentlicher Nahverkehr

Die Agentur betreut derzeit rund 80 Projekte, 50 weitere sind in Vorbereitung. Darunter sind Vorhaben für einen strombetriebenen öffentlichen Nahverkehr, Sonderregeln für Elektroautos und ein Konzept für die flächendeckende Versorgung der E-Autos mit Strom. Inzwischen ist der Senat von einigen der ursprünglich ehrgeizigen Ziele abgerückt: So sollen nicht mehr 700 neue Ladestationen für Elektrofahrzeuge entstehen, sondern nur noch 350.

Die Einrichtung einer elektrischen Buslinie verzögert sich ebenfalls. Zunächst war geplant, die Strecke, auf der die Busse an den Endhaltestellen aufgeladen werden, am Stadtrand einzurichten. Um die Schaufensterwirkung zu erhöhen, soll sie nun in der Innenstadt entstehen. Geplant ist, dass ab Mitte 2015 die Linie 204 zwischen Südkreuz und Zoologischer Garten elektrisch fährt.

Die Grünen kritisierten das Vorgehen des Senates. "Ich merke davon nicht viel im Straßenbild", sagte die Wirtschaftsexpertin der Fraktion, Nicole Ludwig. Aus ihrer Sicht geht der Senat das Projekt falsch an. So könne sich etwa ein bestimmtes Berliner Unternehmen nicht für das Aufstellen von Ladestationen bewerben, obwohl es ein einfaches Konzept verfolge: Die Firma hat eine Methode entwickelt, wie E-Fahrzeuge an jeder Straßenlaterne aufgeladen werden können. Doch das ist bei der Ausschreibung nicht vorgesehen. "Man sollte die Ausschreibung so formulieren, dass technische Neuerungen nicht ausgeschlossen werden", kritisierte Ludwig.

Bleiben Sie informiert:
Die Berliner Morgenpost in sozialen Netzwerken.
Folgen Sie uns auf Twitter