Neue Pläne

Nach Containern kommen Traglufthallen für Flüchtlinge

Auf einem Sportplatz im Poststadion in Mitte werden zwei Hallen zur Unterbringung von Flüchtlingen errichtet. Erst kurz zuvor war der Bau von sechs Containerdörfern in Berlin angekündigt worden.

Foto: DAVIDS/Darmer

Nach den Containerunterkünften für Flüchtlinge kommen jetzt auch Traglufthallen auf Sportplätzen zum Einsatz, um den Ansturm der Asylsuchenden bewältigen zu können. Als erster Bezirk hat Mitte eine Verfügung vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) erhalten, einen Sportplatz im Poststadion dafür zur Verfügung zu stellen, bestätigte Sozialstadtrat Stephan von Dassel (Grüne) am Dienstag.

Anfang des Jahres war bereits eine Traglufthalle für die Kältehilfe am Innsbrucker Platz errichtet worden. Die Nutzung von Sportplätzen ist allerdings neu. "Unser Ziel war und ist, jedem Flüchtling, der sich in ein reguläres und faires Asylverfahren begibt, ein menschenwürdiges Dach über dem Kopf zu geben", sagte Lageso-Präsident Franz Allert am Dienstag. "Dies haben wir auch bisher geschafft – es ist eine enorme Anstrengung und erfordert sehr viel Kraft."

Die Unterbringung auf Sportanlagen hat laut Gesundheitsamt den Vorteil, dass sanitäre Anlagen bereits vorhanden sind und nicht neu gebaut werden müssen. "Um besonderen Härten entgegenzutreten und sofortige Hilfe zu bieten, wurde nun entschieden, dass im Poststadion an der Lehrter Straße in Mitte zwei Traglufthallen errichtet werden, die eine Notunterkunft für insgesamt bis zu 200 Menschen bieten und vorrangig besonders schutzwürdigen Personenkreisen zugewiesen werden, wenn reguläre Unterkünfte nicht zur Verfügung stehen", sagte Allert. "Es soll dadurch vermieden werden, dass diese Menschen, die sich nicht selbständig ein Quartier suchen können, obdachlos bleiben." Die Hallen sollen in den kommenden Wochen errichtet werden.

Sportklub BAK unterstützt das Vorhaben

Der Berliner Athletik Klub (BAK), der die Anlage rund um das Poststadion hauptsächlich nutzt, wusste bislang nichts von der Zweckentfremdung einer ihrer Plätze, unterstützt das Vorhaben aber. Bereits im vergangenen Jahr habe der Verein sich in der Kältehilfe engagiert. "Wir unterstützen das, klar", sagte BAK-Sprecher Ralf Achenbach. "Wir müssen nur sehen, dass unseren Jugendlichen nicht alle Trainingsmöglichkeiten genommen werden." Die Anlage verfügt über insgesamt fünf Kunstrasenplätze.

Der Einsatz von Traglufthallen ist nach Ansicht der Gesundheitsverwaltung nötig, um allen in Berlin ankommenden Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf bieten zu können. Die Flüchtlingszahlen haben in diesem Jahr stark zugenommen. Berlin rechnet in diesem Jahr mit 12.000 neuen Asylsuchenden, allein im Oktober werden es nach Schätzungen des Lageso 1500 sein. Die Bezirke suchen derzeit nach Flächen und landeseigenen Gebäuden, um weitere Unterkünfte zu errichten.

Erstaunen über Standorte für Containerdörfer

Die Wahl der Standorte für die sechs ersten Containerdörfer haben am Dienstag jedoch Erstaunen hervorgerufen. In Lichterfelde sollen gleich zwei der sechs neuen Containerdörfer für Flüchtlinge auf landeseigenen Grundstücken errichtet werden. Der vorgesehene Standort am Osteweg mit 340 Plätzen habe ihn überrascht, bekannte Steglitz-Zehlendorfs Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU). Das zweite Grundstück am Ostpreußendamm habe der Bezirk hingegen selbst angeboten. Er erkenne an, dass Steglitz-Zehlendorf weitere Flüchtlinge unterbringen müsse, sagte Kopp der Berliner Morgenpost. Bislang leben im Südwest-Bezirk 310 Asylbewerber, bis zu 1000 sollen es werden. Mit den beiden Containerdörfern gäbe es 950 Plätze im Bezirk.

"Wir versuchen, das Beste aus der Situation zu machen", sagte Kopp. Im Mai sei ein Willkommensbündnis im Bezirk initiiert worden. Zum ersten Treffen seien mehr als 300 Menschen erschienen, die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren wollen. Dieses Bündnis wolle er nun einsetzen. Was den Bezirksbürgermeister vor allem wundert ist, dass der Liegenschaftsfonds des Landes Berlin noch vor wenigen Wochen andere Pläne für das Areal am Osteweg hatte. Dort sollten 75 Prozent Wohnungen und 25 Prozent Studenten-Apartements errichtet werden. Erst Ende September habe der Bezirk dafür einen positiven Bauvorbescheid erteilt.

Bezirke wünschen sich mehr Absprache

Auch in Lichtenberg trifft die Auswahl des Lageso für ein Containerdorf in Falkenberg auf wenig Gegenliebe. "Wir waren davon überrascht", sagte Bezirksbürgermeister Andreas Geisel (SPD). Im Ortsteil Falkenberg lebten 500 Menschen. Ob es sinnvoll sei, 480 Flüchtlinge dort unterzubringen, sei dahingestellt. "Das ändert aber nichts daran, dass wir weitere Flüchtlinge aufnehmen", sagte der Politiker am Dienstag. Bei der Standortfrage wünsche er sich aber mehr Absprache mit dem Bezirk.

Insgesamt sollen in den kommenden Monaten sechs Containerdörfer entstehen. Nach Angaben des Chefs eines freien Trägers könnten die Container über zehn Jahre abgeschrieben werden, die Lebensdauer liege zwischen 15 und 20 Jahren. Um solche Aufwendungen zu refinanzieren, müsste das Land einem Betreiber 20 Euro pro Platz und Tag bezahlen. Seriöse Betreiber von Unterkünften warnen aber auch davor, zu viele Menschen auf einem Standort unterzubringen. 300 Personen gelten als eine vernünftige Größe.

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