Sanierung Berlin hat zu wenige Spielplätze - trotz Millionenprogramm

Foto: Amin Akhtar

Die Sanierung der Berliner Spielplätze läuft auf Hochtouren. Bis Jahresende müssen zehn Millionen Euro verbaut sein. Doch das kann nur den Mangel lindern - die Stadt hat viel zu wenige Spielplätze.

Ungewöhnlich viele Spielplätze in Berlin sind zurzeit gesperrt – vielleicht so viele wie noch nie zur selben Zeit. Kinder und Eltern stehen vor Bauzäunen und müssen umkehren. Doch das ist ausnahmsweise kein Grund zur Kritik. Auf den Flächen herrscht nämlich Hochbetrieb. Überall reparieren Handwerker Wippen und Schaukeln. Bauarbeiter stellen neue Klettergeräte auf, setzen Zäune instand und tauschen den Sand aus. Es ist die Zeit des Endspurts, denn bis zum Jahresende müssen zehn Millionen Euro ausgegeben sein.

Das Geld hatte Bildungs- und Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) den zwölf Bezirken im Frühjahr in einem Sonderprogramm zur Verfügung gestellt. Bis Ende Dezember werden damit mehr als 100 Spielplätze repariert, einige sogar neu angelegt. 2015 können noch einmal zehn Millionen Euro ausgegeben werden.

Doch es ist nur eine leichte Linderung des Mangels. Berlin hat weit weniger Spielplätze als erforderlich. Und zu wenig Geld, um die vorhandenen Flächen und Geräte instand zu halten. Bei nur 62 Prozent liegt der durchschnittliche Ausstattungsgrad mit öffentlichen Spielflächen in der Stadt. In einigen Bezirken ist er sogar deutlich niedriger.

Einer Statistik der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zufolge lag er Ende 2013 in Charlottenburg-Wilmersdorf bei 50 Prozent und bei nur 43 in Prozent in Marzahn-Hellersdorf. Außerdem sind viele Flächen wegen defekter Spielgeräte gesperrt. Die Berliner Morgenpost hat bei den Bezirken nachgefragt: Aus zehn von zwölf Bezirken gab es Rückmeldungen zum Stand der Sanierung mit Mitteln des Sonderprogramms.

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Die Situation in den Bezirken

In Pankow werden 2014 dank des Senatsprogramms 20 Spielplätze erneuert, darunter am Mauerpark, am Kollwitzplatz, am Schlosspark in Niederschönhausen, am Wasserturmplatz und im Park am Weißen See. "Das wird man merken", sagt Stadtentwicklungsstadtrat Jens-Holger-Kirchner (Grüne). "Der Pflegezustand der Spielplätze wird deutlich verbessert. Etliche Geräte werden ausgetauscht." Aber Geld allein helfe nicht. Denn, so der Grünen-Politiker: "Es müssen Ausschreibungen vorbereitet und Firmen beauftragt werden, die Bauarbeiten müssen begleitet und abgerechnet werden. Dazu braucht man Zeit und Personal." Sonderprogramme seien hilfreich und zeigten kurzfristig Wirkung. "Aber besser wäre es, wenn man die Bezirke dauerhaft mit mehr Geld ausstatten würde." In Pankow würden die Spielplätze wegen der wachsenden Bevölkerung immer intensiver genutzt.

In Steglitz-Zehlendorf können sich Kinder und Eltern auf 16 erneuerte Spielplätze freuen. Die Spielgeräte seien bestellt, der Aufbau könne beginnen, sagte Stadträtin Christa Markl-Vieto (Grüne). "Eigentlich reicht das Geld nie aus", sagt die Stadträtin allerdings. Der Sanierungsstau sei zu groß. Auch sie kritisiert die Senatspolitik. "Man nimmt uns Personal und Sachmittel weg und gibt uns stattdessen Sonderprogramme. Was wir nicht bekommen, sind zusätzliche Mitarbeiter, um neben der alltäglichen Arbeit diese Sonderprogramme zu bedienen." Viele Spielplätze und Kitas seien in einem maroden Zustand. "Deshalb freue ich mich über jeden Euro, den ich kriege. Wir haben uns sehr ins Zeug gelegt, um die Mittel aus dem Programm umzusetzen." Viel günstiger wäre es jedoch, wenn der Bezirk das Geld in der regulären Finanzausstattung bekommen würde. "Jetzt müssen wir in kurzer Zeit die Aufträge vergeben, und es gibt nicht viele Unternehmen, die dafür infrage kommen. Das heißt, wir sind in einem unglaublichen Wettkampf. Denn innerhalb von vier bis fünf Monaten suchen alle Bezirke die gleichen Firmen." Besonders froh sei sie über die Sanierung des stark genutzten Spielplatzes im Yehudi-Menuhin-Park: "Wir waren kurz davor, das eine oder andere Gerät zu sperren."

Zwölf Spielplätze lässt Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) sanieren, darunter an der Holzmarktstraße, am Magdeburger Platz, im Volkspark Rehberge, am Sparrplatz und an der Ostender Straße. Für die Hälfte der Flächen seien die Aufträge bereits an Firmen vergeben, sagt er. Weitere Aufträge sollen im Oktober vergeben werden. Insgesamt eine Million Euro hat der Bezirk 2014 aus dem Sonderprogramm zur Verfügung gestellt.

Mit 650.000 Euro aus dem Sonderprogramm hat Friedrichshain-Kreuzberg insgesamt 15 Spielplätze saniert. Dafür seien zwei Bauleiter eingestellt worden, die die Arbeiten betreuen, sagte ein Sprecher des Bezirksamtes.

Neun Kinderspielplätze werden in Neukölln saniert. Ein Teil sei bereits erledigt, sagte Stadtrat Thomas Blesing (SPD). "Aber alles wird bis Ende des Jahres fertig." Insgesamt 872.000 Euro hatte Neukölln aus dem Sonderprogramm zur Verfügung, davon wurden 512.000 Euro für Spielplätze investiert. Größtes Vorhaben mit 170.000 Euro ist der Robin-Hood-Spielplatz in Rudow. Erneuert werden die Matschanlage und die Wasserpumpe, außerdem die Spielburg und der Schneckenhügel. 120.000 Euro fließen in einen Spiel- und Bolzplatz am Theodor-Loos-Weg in der Gropiusstadt. Auf sieben weiteren Spielplätzen werden kleinere Verbesserungen im Volumen von unter 50.000 Euro vorgenommen. "Wir wenden 2014 und 2015 insgesamt fast eine Million Euro für die Spielplatzsanierung auf", sagt Blesing. "Aber dieser Bereich ist ein Fass ohne Boden. Wir haben 119 öffentliche Spielplätze. Da geht immer wieder etwas kaputt."

Drei Plätze werden 2014 in Charlottenburg-Wilmersdorf saniert. Bereits im Gange sind die Arbeiten an der Spielfläche Schlüterstraße. Im Oktober beginnen die Arbeiten auf den Flächen an der Pfalzburger Straße, ebenso am Klausenerplatz, wo sich die Sanierung bis 2015 erstreckt. Dort entsteht ein Themenspielplatz mit dem Motto "Pettersson und Findus". Und "Nasch-Ecken" mit Himbeer- und Johannisbeersträuchern entstehen. "Das wird einer der ganz besonderen Spielplätze im Bezirk", sagt Stadtrat Marc Schulte (SPD). Die komplette Erneuerung der Fläche sei nur dank des Senats-Sonderprogramms möglich. Etwa eine Million Euro müsse der Bezirk jährlich ausgeben, um alle seine Spielplätze instand zu halten. "Das schaffen wir in diesem Jahr so ungefähr."

Sechs Spielplätze lässt Spandaus Baustadtrat Carsten Röding (CDU) sanieren. Darunter ist der Spiel- und Bolzplatz am Wröhmännerpark. Er wird am 10. Oktober eröffnet. Im November werden der Spielplatz Spektegrünzug sowie die Flächen am Paula-Hirschfeld-Steig, am Elsflether Weg und am Magistratsweg neu ausgestattet. Im Südpark entsteht 2014 und 2015 ein Wasserspielplatz in einem Schilfbecken.

In Treptow-Köpenick seien fünf Spielplätze saniert und weitgehend fertig, sagte Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD). An der Bahnhofsstraße ist die Anlage "Die kleine Meerjungfrau und das hässliche Entlein" montiert worden. Das neue "Piratenschiff" am Futranplatz wird im Oktober freigegeben. Der Platz an der Siriusstraße hat nun einen Kletterfelsen. Die neuen Spielgeräte an der Löcknitzstraße und an der Schönefelder Chaussee sind bereits in Benutzung.

"Das Jahr 2014 wird ein Jahr der Reinickendorfer Spielplätze", sagt Baustadtrat Martin Lambert (CDU). "Insgesamt können wir im Bezirk fast eine Million Euro für Sanierungen und Neubau einsetzen." Flächen an der Genfer Straße und am Freiheitsweg werden für insgesamt 330.000 Euro aus dem Sonderprogramm des Senats saniert. Weitere 370.000 Euro setzt der Bezirk an eigenen Investitionsmitteln ein, 260.000 Euro können an der Letteallee aus Quartiersmitteln genutzt werden. "Wenn wir mehr Geld hätten, könnten wir mehr machen", sagt Lambert. "Aber wir nehmen alle Mittel an, die wir dafür kriegen können." Ein riesiger Investitionsstau bestehe in Reinickendorf jedoch nicht.

Marzahn-Hellersdorf hat 2014 den Bau von zwei neuen Spielplätzen am Boschpoler Platz und am Burghardweg in Biesdorf begonnen. "Die Arbeiten sind auf jeden Fall bis Ende des Jahres abgeschlossen", sagt Stadtrat Christian Gräff (CDU). Fast 480.000 Euro seien dafür verwandt worden. "Das Sonderprogramm ist gut", sagt der Stadtrat. "Aber nach wie vor reicht die Zahl der Spielplätze im Bezirk nicht aus." Vor allem nicht in den Einfamilienhaus-Gebieten, weil es dort einen starken Zuzug von Familien gebe. "Kaulsdorf hat zurzeit einen Versorgungsgrad an Spielplätzen von 47 Prozent, in Mahlsdorf sind es nur 22 Prozent." Gräff schätzt, dass pro Jahr rund eine Million Euro zusätzlich nötig wäre, um vier bis fünf neue Plätze zu bauen.

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