Statistik

Schwere körperliche Gewalt an Berliner Schulen nimmt zu

Die Gewalt an Berliner Schulen ist deutlich gestiegen. Vor allem Grund- und Sekundarschulen melden Vorfälle. Mehr Sozialarbeiter an den Schulen sollen das Problem in den Griff bekommen.

Foto: Oliver Berg / picture-alliance/ dpa

Prügeln, treten, gewaltsam Schuhe oder Jacken abziehen – an den Berliner Schulen haben Fälle schwerer körperlicher Gewalt zugenommen. Im vergangenen Schuljahr wurden der Bildungsverwaltung 511 Taten gemeldet, 68 mehr als im Jahr zuvor. Auch Bedrohungen unter Schülern sind an der Tagesordnung. 2013/14 wurden 340 solcher Vorfälle dokumentiert, 29 mehr als im Schuljahr 2012/13.

Die Zahlen stammen aus der jüngsten Studie zur Gewaltstatistik der Bildungsverwaltung, die der Berliner Morgenpost vorliegt. Insgesamt meldeten die Schulen im vergangenen Schuljahr 2792 Gewaltvorfälle, darunter auch Beleidigungen, Drohungen, Mobbing und Suchtmittelkonsum. Die meisten Meldungen kamen von Grund- und Sekundarschulen.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) führt die Zunahme von Gewaltvorfällen aber auch auf ein sensibleres Meldeverhalten der Schulen zurück. Berücksichtigt werden müsse zudem, dass die Schülerzahlen gestiegen sind, sagt Scheeres. "Ungeachtet dessen müssen wir die Krisen- und Gewaltprävention weiter ausbauen." Ein friedliches Schulklima sei Voraussetzung für erfolgreiches Lernen.

Schulen brauchen mehr Sozialarbeiter

Der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Norman Heise, fordert, jede Schule mit Schulsozialarbeitern auszustatten. Notwendig sei zudem, dass Lehrer und Sozialarbeiter besser zusammenarbeiten. Auch Herbert Scheithauer, Professor am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Freien Universität (FU), plädiert dafür, dass jede Schule einen Sozialarbeiter haben sollte, auch die Berliner Gymnasien. "Wir müssen uns von der Idee verabschieden, dass es böse und gute Schulen gibt", sagt er. An jeder Schule könne es Probleme geben. Daher sei es wichtig, dass Sozialarbeiter und Lehrer noch stärker zusammenarbeiten.

Den Anstieg der Gewaltvorfälle erklärt er ebenfalls mit einer höheren Sensibilität und einem geänderten Meldeverhalten. "Durch mehr Aufklärung und Präventionsprogramme wird mehr Gewalt wahrgenommen." Was früher als Schulhofrangelei durchgegangen ist, könne heute schon als Vorfall gemeldet werden. Der FU-Professor hat bereits mehrere Projekte zur Gewaltprävention an Schulen mitentwickelt. Eins davon ist das Projekt "Fairplayer" – ein Programm gegen Mobbing an Schulen.

Es richtet sich zum einen an Schulklassen und Jugendgruppen, es können sich aber auch Lehrer und Sozialarbeiter fortbilden lassen. Auch die Senatsbildungsverwaltung bietet zweijährige Fortbildungen an. "Jede Schule ist in Krisenmanagement geschult", sagt Beate Stoffers, Sprecherin von Bildungssenatorin Scheeres. Diese Teams seien von Schulpsychologen für Gewaltprävention und Krisenintervention beraten worden.

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