Preisentwicklung Zu hohe Heizkosten - Berliner sparen ihre Wohnungen kaputt

Foto: Frank Hoermann/SVEN SIMON / picture-alliance / Sven Simon

Wegen steigender Energiepreise heizen einige Mieter ihre Wohnungen unzureichend - und riskieren dadurch Schimmel. Insgesamt stiegen die Tarife in Berlin seit 2011 um bis zu ein Fünftel.

Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) warnt vor einem weiteren Anstieg der Energiepreise und der energetischen Standards für Wohnhäuser. Die Preise in Berlin hätten sich seit 2011 um bis zu ein Fünftel erhöht, sagte Vorstand Maren Kern am Mittwoch bei der Vorstellung des neuen BBU-Preisspiegels. In dieser Studie hat der Verband die Tarife und Preise für Energie, Wasser, Müllentsorgung und Grundsteuern in Berlin, Potsdam und 90 weiteren Städten in Brandenburg und Deutschland verglichen.

Sowohl bei der weiteren Modernisierung als auch beim immer sparsameren Verbrauchsverhalten der Mieter seien die Grenzen fast erreicht, sagte Kern. "Viel mehr geht nicht."

Etwa 90 Prozent der Wohnungen der BBU-Unternehmen seien bereits modernisiert. Eine weitere Anhebung der energetischen Standards würde zu immer teureren Investitionen führen. Doch zugleich drohe der Gebäudebestand Schaden zu nehmen. "Da, wo die Mieter besonders sparen, nämlich bei der Heizung, kommt es vielfach zu Feuchtigkeitsschäden."

In Einzelfällen gebe es sogar abenteuerliche Entwicklungen, sagte Maren Kern. Etwa, wenn Mieter die Wohnung gar nicht mehr heizen und nur die Herdplatte in der Küche nutzen, um die Wohnung warmzuhalten und die Fenster dauerhaft geschlossen bleiben. Dann bilde sich Schwitzwasser. "Es ist ein permanenter Kampf unserer Unternehmen, die Mieter dazu zu bringen, dass sie vernünftig lüften", sagte BBU-Vorstandschefin Kern.

Positive Tendenz im Vergleich zum vergangenen Jahr

Im Vergleich zur Datenerhebung von 2013 stellt der BBU jedoch eine positive Tendenz fest. Die Preissteigerung habe an Fahrt verloren, auch die regionalen Unterschiede im Land Brandenburg seien geringer geworden, sagte Kern. Fernwärme und Erdgas waren zum 1. Januar 2014 in Berlin und Brandenburg günstiger als im Vorjahr. Bei Wasser und Strom blieben die Preise im Durchschnitt weitgehend stabil, während die Müllentsorgung im Land Brandenburg sogar insgesamt günstiger wurde.

"Die diesjährige Mäßigung bei der Preisentwicklung ändert jedoch nichts daran, dass die Energiepreise in den vergangenen Jahren den Mieten und der allgemeinen Preisentwicklung davongelaufen sind", sagte Kern. "Wir rechnen mittel- und langfristig mit einem weiteren Anstieg." Energieerzeugung müsse stärker in den Fokus der Politik rücken. Vorschläge des Verbandes sind: Energie sollte dezentral im Quartier erzeugt werden. Steuerhürden für Unternehmen, die Solarstrom für die Mieter anbieten möchten, sollten beseitigt werden. Beim Wohngeld sollte es wieder einen Anteil für die Energiekosten geben. Auch einen ermäßigten Steuersatz auf die Haushaltsenergie fordert der BBU. Sie werde bislang mit 19 Prozent besteuert, die Güter des täglichen Bedarfs jedoch nur mit sieben Prozent.

Im Vergleich der Großstädte hat Berlin die mit Abstand billigste Müllentsorgung. Sie liegt bei 23,95 Euro je Kubikmeter, in Frankfurt am Main sind es 63 Euro. Für Fernwärme hat Berlin mit 81,6 Euro je Megawattstunde das zweitgünstigste Angebot, den Spitzenwert verzeichnet Leipzig mit 121,5 Euro. Berlin ist Spitzenreiter beim sogenannten Hebesatz für die Grundsteuer, der 810 Prozent beträgt. In München sind es 535 und in Düsseldorf nur 440 Prozent. Wasser ist am preiswertesten für Mieter in München (3,3 Euro je Kubikmeter), am teuersten in Potsdam (6,45 Euro je Kubikmeter). Berlin nimmt mit 4,73 Euro einen mittleren Platz ein.

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