Kriminalität

Geldtransporter vor Apple Store am Kudamm überfallen

Sirenengeheul am Kurfürstendamm: Maskierte und bewaffnete Täter haben einen Geldtransporter am Apple Store überfallen. Sie flüchteten mit ihrer Beute. Ihren Fluchtwagen zündeten sie später an.

Am Freitagvormittag hatte der Apple Store am Kurfürstendamm noch in gewohnt pompöser Weise den Verkaufsstart des neuen iPhone 6 zelebriert, nachdem Hunderte Kunden zuvor stundenlang vor dem Eingang auf die Ladenöffnung gewartet hatten. Einen Tag später ging es vor dem Store erneut spektakulär zu und zumindest ein Teil der Einnahmen durch den Verkauf des heißbegehrten Gerätes wechselte schon wieder den Besitzer. Ohne sich im Mindesten an den zahlreichen Passanten und Einkaufswilligen zu stören, die zu der Zeit noch auf dem Prachtboulevard unterwegs waren, überfielen zwei bewaffnete und maskierte Männer am späten Sonnabendnachmittag einen direkt vor dem Store wartenden Geldtransporter.

Die Täter erbeuteten zwei der insgesamt sechs Geldkassetten aus dem gelben VW-Nutzfahrzeug der Firma Prosegur, in denen sich die Tageseinnahmen des Stores befunden haben sollen. Zudem konnten sie noch einem der Mitarbeiter des Geldtransportunternehmens seine Schusswaffe entwenden. Anschließend rannten die Männer ohne Rücksicht auf den Verkehr über die Fahrbahn des Kurfürstendammes zu ihrem auf der anderen Straßenseite abgestellten Fluchtfahrzeug und fuhren davon.

Laut Zeugen saß ein Komplize im Fluchtwagen

Zeugen wollen angeblich gesehen haben, dass in dem Fluchtfahrzeug bereits ein Fahrer mit laufendem Motor auf seine Komplizen wartete, die Polizei konnte dies zunächst nicht bestätigen. Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler verließen die Täter das Fluchtfahrzeug nur kurze Zeit später an der Bundesallee in Wilmersdorf und setzten es in Brand, offenbar, um mögliche Spuren zu verwischen. Trotz einer sofort eingeleiteten polizeilichen Großfahndung fehlt von ihnen bislang jede Spur.

Wieviel Geld die Räuber erbeuteten, ist noch unklar. Die Polizei äußert sich zur Höhe einer Beute grundsätzlich nicht und auch die Betroffenen schweigen - das verlangen ihre Versicherungen. Insidern zufolge soll in eine der üblicherweise verwendeten Geldkassetten ein Betrag im hohen fünfstelligen Bereich passen, wenn es sich um große Scheine handelt. Sind viele kleine Scheine darunter, liegt die Summe entsprechend niedriger.

Hunderte von Passanten wurden unmittelbare Zeugen des Geschehens. Viele von ihnen verfolgten den Überfall starr vor Schreck, einige glaubten zunächst, sie seien mitten in die Dreharbeiten für einen Krimi geraten. Nachdem sie ihren ersten Schrecken überwunden hatten, begannen etliche Zeugen, insbesondere Touristen damit, dass weitere Geschehen am Tatort zu fotografieren und zu filmen. Bereits kurz nach der Alarmierung der Polizei trafen Beamte eines Raubkommissariates des Landeskriminalamtes und Experten der Spurensicherung am inzwischen weiträumig abgesperrten Tatort ein.

Polizei wertet Handyvideos von Passanten aus

Die Ermittler begannen unverzüglich mit der Befragung der unverletzt gebliebenen Geldboten und der zahlreichen Zeugen. Zugleich wurden Personen, die das Geschehen fotografiert und gefilmt hatten, gebeten, ihre Aufnahme den Beamten zur Verfügung zu stellen. Wirklich hilfreiche Hinweise auf die Täter gab es aufgrund der Maskierung der Männer zunächst allerdings nicht.

Die Polizei geht davon aus, dass es sich bei den Tätern um "absolute Profis" handelte. "So schnell und kaltblütig handelt kein Gelegenheitskrimineller", sagte ein Ermittler. Geprüft werden soll im Zuge der Ermittlungen auch, ob die Täter von Dritten vorab über den günstigsten Ort und Zeitpunkt für einen Überfall informiert wurden.

Der Apple Store am Kurfürstendamm wird seit seiner Eröffnung stets gut bewacht. Sicherheitsmitarbeiter sichern ständig vor allem den Eingangsbereich des Geschäfts, in dem die gesamte Palette hochpreisiger Apple-Geräte ausgestellt und verkauft wird.

Apple Store wurde schon einmal spektakulär ausgeraubt

Es ist nicht das erste Mal, dass der Apple Store am Kurfürstendamm Opfer von Kriminellen wird. Kurz vor Weihnachten waren mehrere Männer mit einem Auto in das Apple-Geschäft gerast – und hatten Smartphones, Laptops, Tablet-Computer und andere Geräte gestohlen. Im Januar hatten dann Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Berliner und der sächsischen Polizei sieben Tatverdächtige der "Blitzeinbruch-Bande" bei einem Coup in Dresden gefasst.

Anfang September überfielen zwei Bewaffnete am helllichten Tag einen Juwelierladen auf dem Kudamm. Sie versprühten Reizgas im Verkaufsraum, bedrohten die drei Angestellten und eine Kundin und zerschlugen dann mehrere Vitrinen. Anschließend flüchteten sie zunächst zu Fuß und später möglicherweise auch per Fahrrad.

Foto: schroeder

Zur Startseite