Demografie

Bald jeder dritte Berliner hat einen Migrationshintergrund

Berlin wird immer internationaler. Bald jeder dritte Hauptstädter hat seine Wurzeln im Ausland. In manchen Wohnlagen sind die Migranten sogar in der Mehrheit.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Berlin war schon immer eine Stadt der Einwanderer. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert ließen Schlesier, Masuren und Pommern die preußische Hauptstadt zur Millionen-Metropole anschwellen. Zuvor hatten Hugenotten aus Frankreich ihre Spuren hinterlassen. Nach dem zweiten Weltkrieg kamen Südeuropäer, Türken und Vietnamesen als Gastarbeiter in die Stadt. Inzwischen suchen Menschen aus vielen EU-Staaten, aber auch aus Osteuropa und vom Balkan ihr Glück in Berlin.

Die Zuwanderung macht Berlin bunter. Bald jeder dritte Einwohner, fast eine Million von 3,5 Millionen Menschen hat einen Migrationshintergrund. Das heißt, mindestens ein Elternteil ist in einem anderen Staat geboren. Und bei Kindern und Jugendlichen liegt der Anteil der Migranten-Nachkommen weit höher. Insgesamt ist der Migranten-Anteil in Berlin damit deutlich höher als im Bundesdurchschnitt. In Deutschland haben nach den letzten verfügbaren Daten 16,3 Millionen Menschen (20Prozent) Wurzeln im Ausland.

Deutliche Zunahme

Die Zahl der deutschen Berliner mit Migrationsgeschichte wächst, wenn auch weniger stark als die der Berliner mit nicht-deutschem Pass. 423.000Deutsch-Türken, Deutsch-Arabern, Deutsch-Vietnamesen oder Kindern aus binationalen Partnerschaften stehen 550.000 Ausländer gegenüber. Die Änderung der Staatsangehörigkeitsregeln, die hier geborenen Kindern von Ausländern in vielen Fällen die Staatsbürgerschaft zuerkennt, schlägt sich in der Statistik nieder. Migranten und ihre Nachkommen prägen ganze Bezirke. In Mitte hat fast jeder Zweite (47,2 Prozent) der 351.000Einwohner einen ausländischen Hintergrund. In Neukölln sind es 41,6 Prozent, in Friedrichshain-Kreuzberg 38,4 Prozent.

Auch Charlottenburg-Wilmersdorf zählt mehr als ein Drittel (35,9 Prozent) Migranten. Bei den östlichen Bezirken liegt Lichtenberg mit 17 Prozent vorne, am wenigsten durch Menschen mit Wurzeln außerhalb Deutschlands geprägt ist Treptow-Köpenick mit 8,7 Prozent. Schaut man tiefer in die einzelnen Stadtteile hinein, so findet man in Neukölln, Kreuzberg und Wedding auch Gebiete, in denen deutlich mehr als jeder zweite Bewohner ein Migrant ist. Dabei sind Berlins Migranten keineswegs alle sozial schwach. Als Indikator für den ökonomischen Standard der Familien liefert das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg auch die Qualität der Wohnlagen, in denen die Menschen leben.

Zwar sind Ausländer und Deutsche mit Migrationshintergrund in den preiswerteren Kiezen stärker vertreten als in den teureren Vierteln der Stadt. In einfachen Wohnlagen liegt der Anteil der Migranten bei 36,3 Prozent, etwas mehr als die Hälfte davon sind Ausländer. Aber auch in den guten Wohnlagen stammt jeder Vierte der 570.000 in solchen Zonen lebenden Berliner aus dem Ausland. 25,6 Prozent haben dort einen Migrationshintergrund. Diese Zahl teilt sich in 14,8Prozent Ausländer und 10,8 Prozent deutsche Staatsbürger mit ausländischer Herkunft.

Die Zukunft gehört den Migranten

Die Zukunft gehört ohnehin den Berliner Migranten. Unter den Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren haben laut den Zahlen des Statistik-Amtes 44,7 Prozent ausländische Wurzeln. Vielerorts stellen sie in Schulen und Kitas längst die Mehrheit. In Teilen Neuköllns und Weddings stammen mehr als drei von vier Kindern aus nicht ursprünglich deutschen Familien. Aber das Thema beschränkt sich bei Weitem nicht auf die sogenannten sozialen Brennpunkte.

Fast flächendeckend weist die Landkarte im inneren Bereich des ehemaligen Westteils der Stadt, aber auch in großen Gebieten in Spandau und Reinickendorf Werte von mehr als 50 Prozent Kindern mit Migrationshintergrund aus. Im Südwesten, Norden und Westen sowie in Teilen Lichtenbergs und Marzahns stammt mehr als jedes vierte Kind aus Zuwandererfamilien.

Insgesamt hat die Zuwanderung nach Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zählte im ersten Quartal 2014 250.000 neue Aufenthaltsgenehmigungen, im ganzen Jahr 2013 waren es 884.000. Gleichzeitig verließen zwischen Januar und März knapp 105.000 Ausländer das Land, sodass ein Wanderungsgewinn von 145.000 bleibt.

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