IBB-Studie Sechs Start-ups pro Woche - Berlins Digitalwirtschaft wächst

Foto: Reto Klar

Die Informations- und Kommunikationstechnik ist laut einer Studie der Investitionsbank Berlin die am schnellsten wachsende Branche der Hauptstadt. Beschäftigungsmotor aber bleibt der Tourismus.

Die Szene der Internet-Start-ups ist in Berlin erwachsen geworden: Die digitalen Unternehmen haben sich zu einem der wichtigsten Motoren der Berliner Wirtschaft entwickelt. Die jungen Firmen und ihr Netzwerk aus Finanzinstituten, Investoren, Coaching-Centern und Inkubatoren beschäftigen nach einer bisher unveröffentlichten Studie der Investitionsbank Berlin (IBB) inzwischen 59.000 Menschen in der Stadt. Die Zahl der Arbeitsplätze im engeren Bereich der digitalen Wirtschaft hat seit 2008 um 18.000 zugenommen. Jeder achte in dieser Zeit in Berlin neu geschaffene Job entstand in der digitalen Wirtschaft.

Ein weiteres Ergebnis der IBB-Studie: In der Start-up-Szene sind nicht nur Praktikanten und Scheinselbstständige tätig. "95,5 Prozent der Beschäftigten sind sozialversicherungspflichtig angestellt", sagt IBB-Chefvolkswirt Hartmut Mertens. "Die meisten Leute, die in der Branche arbeiten, verdienen genug, um sich die Mieten leisten zu können."

Die Informations- und Kommunikationstechnik (IKT), die neben Digitalunternehmen auch klassische Medienberufe umfasst, ist die am schnellsten wachsende Branche der Stadt. Zwischen 2005 und 2012 legte die Bruttowertschöpfung um 58 Prozent zu. Kunst und Unterhaltung und das Gesundheitswesen entwickelten sich nur halb so dynamisch. Im IKT-Geschäft wird inzwischen doppelt soviel Geld umgesetzt wie im Berliner Baugewerbe und fast so viel wie in der Industrie. Eine wichtige Gruppe dieser Boombranche ist der Onlinehandel. Die Investitionsbank Berlin ermittelte, dass Zalando & Co. mittlerweile 8000 Menschen in Berlin Arbeit bieten. Seit dem Jahr 2005 hat sich die Zahl der Jobs bei den Internetversendern verzehnfacht.

IBB-Experte sieht Trend ungebrochen

Nach seiner Analyse der offiziellen Zahlen ist IBB-Experte Mertens sicher, dass die Entwicklung in Berlin weitergehen wird: "Aus der Statistik ist zu lesen, dass der Trend ungebrochen ist", sagte der Volkswirt. Diese Einschätzung wird durch eine weitere Zahl gestützt. Im Jahr 2013 wurden in Berlin in der Digitalwirtschaft 319 echte Betriebe mit mindestens einem Mitarbeiter und Handelsregistereintrag gegründet, das sind sechs pro Woche. Die Berliner Szene wächst damit fast doppelt so schnell wie die in München und Hamburg.

Quantitativ gesehen bleibt in der Hauptstadt jedoch der Tourismus und die mit ihm verbundenen Branchen wie Handel, Hotellerie, Gastronomie und Dienstleistungen der Beschäftigungsmotor. Zusammen mit der Pflege stammen 60 Prozent der zusätzlichen Jobs aus diesen Sektoren. Die Dynamik dieser Branchen macht gemeinsam mit den hochqualifizierten Arbeitsplätzen in der Informations- und Kommunikationstechnik Berlin zum Gewinner unter den deutschen Bundesländern, wenn es um neue Arbeitsplätze geht. Allerdings liegt die Erwerbslosenquote in Berlin immer noch bei 11,1 Prozent. "Die meisten dieser Arbeitsplätze werden von außen besetzt", erklärte Mertens diesen Umstand.

Boom sorgt für Haushaltsüberschuss

Seit Juni 2011 nahm die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um fast 120.000 zu. Die Chefin der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Jutta Cordt, spricht von 41.000 neuen Jobs allein in den vergangenen zwölf Monaten. Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) sieht Berlins Wirtschaft weiterhin auf der "Überholspur". Sie sei optimistisch, dass die Stadt auch in diesem Jahr wieder mit einem Wachstum von rund zwei Prozent punkten kann.

Konjunktur schlägt sich im Steueraufkommen nieder. Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) prognostiziert, am Jahresende 189 Millionen Euro mehr aus Steuern in der Kasse zu haben als geplant. Insgesamt rechnet Nußbaum für Berlin mit einem Haushaltsüberschuss von 213 Millionen Euro.

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