Virus

Ebola-Verdacht in Berlin - Patientin hat Malaria

In einem Arbeitsamt in Prenzlauer Berg gab es am Dienstag Ebola-Alarm. Das Job-Center wurde von der Polizei abgesperrt. Der Verdacht bestätigte sich am späten Abend allerdings nicht.

Foto: Adam Berry / Getty Images

Ausnahmezustand im Jobcenter Pankow an der Storkower Straße: Um 10.46 Uhr geht ein Notruf bei der Feuerwehr ein. Eine Frau ist in der zweiten Etage des Gebäudes zusammengebrochen. Sie klagt über Übelkeit und Fieber und berichtet, dass sie kürzlich in Afrika gewesen sei. Wenig später bestätigt die Polizei: Es besteht der Verdacht auf Ebola. Stundenlang sind Besucher und Mitarbeiter des Jobcenters stark verunsichert. Zu diesem Zeitpunkt sind zwischen 600 und 800 Menschen im Gebäude.

Erst am späten Nachmittag kommt die erste Entwarnung. "Die Charité-Experten gehen zum jetzigen Zeitpunkt nicht davon aus, dass es sich um Ebola handelt", heißt es in einem Statement der Klinik. Die Patientin habe sich nicht in einer der betroffenen Regionen aufgehalten.

Patientin geht es den Umständen entsprechend gut

Am späten Abend dann das endgültige Ergebnis der Blutanalyse: Malaria. "Alle Tests zum Nachweis auf Ebola waren bei der heute in die Charité - Universitätsmedizin Berlin eingelieferten Patientin negativ", teilte die Charité mit. Man habe stattdessen mikroskopisch eine Malaria-Infektion festgestellt und eine entsprechende Therapie eingeleitet. "Der Patientin geht es den Umständen entsprechend gut", sagte Norbert Suttorp, Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie der Charité.

Obwohl der Fehlalarm einen Großeinsatz der Polizei auslöste und Hunderte Menschen in Angst und Schrecken versetzt hatte, ist Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) zufrieden. "Die Alarmkette hat funktioniert", sagte er in der rbb-"Abendschau".

40 Polizisten sperren das Gebäude ab

Mehr als 40 Bereitschaftspolizisten hatten am Vormittag das Gebiet abgesperrt, niemand durfte das Jobcenter betreten oder verlassen. Die erkrankte 30 Jahre alte Frau wurde in einem Rettungswagen versorgt und von einem Amtsarzt untersucht. Schutzmasken wurden verteilt.

Wenig später fuhr der Rettungswagen mit Polizeieskorte zum Campus Virchow-Klinikum der Charité in Wedding, wo die Frau stationär aufgenommen und in die Infektionsabteilung gebracht wurde. Ein spezieller Rettungswagen, der mit Isolierbereichen auch für Ebola-Infizierte gerüstet sei, kam nicht zum Einsatz. Das Klinikgelände, auf dem es eine Isolierstation für Seuchenfälle gibt, wurde abgeriegelt. Wie ein Feuerwehrsprecher sagte, wurden auch zwei Mitarbeiter des Jobcenters und vier Einsatzkräfte, die mit der Frau Kontakt hatten, ins Krankenhaus gebracht.

Ein komisches Gefühl

Eine 46 Jahre alte Berlinerin, die am Dienstagvormittag in das Center ging, berichtet: Sie habe das Gebäude gerade wieder verlassen wollen – da seien die Türen geschlossen worden. Die Menschen hätten nicht gewusst, was los gewesen sei und auf den Treppen gewartet.

Erst als es unruhig wurde und einige lautstark Auskunft verlangten, habe jemand die Wartenden informiert: Es sei eine Vorsichtsmaßnahme, wahrscheinlich habe ein Besucher eine Infektionskrankheit. Ein komisches Gefühl sei das gewesen, aber Angst habe sie nicht gehabt, erzählt die Frau.

Nach und nach durften die ersten Mitarbeiter und Besucher aus der ersten Etage in den frühen Mittagsstunden das Jobcenter verlassen. Lediglich die Menschen im zweiten Stockwerk, wo die Erkrankte zusammengebrochen war, mussten noch bleiben. Im Infektionsschutzgesetz ist festgelegt, dass der Amtsarzt des Bezirks sofort tätig werden und den Fall weiterhin betreuen muss.

Berlin gut vorbereitet

"Seit der Ebola-Epidemie in Westafrika schulen wir unsere Notärzte auch für Noteinsätze bei Verdachtsfällen. Wir gehen da sehr niedrigschwellig heran, die Information von Fieber in Kombination mit Afrika reicht im Moment schon aus", sagte ein leitender Notarzt der Feuerwehr. Symptome wie Kopfschmerzen, Durchfall und Gliederschmerzen könnten tausend Ursachen haben. "Deshalb gilt bei Ebola auch immer erst der Verdacht auf einen Verdacht." Oft sei es dann doch Malaria, sagte er. Auch im aktuellen Fall bestätigte sich das.

Berlin sei gut auf solche Situationen vorbereitet, heißt es aus der Senatsgesundheitsverwaltung. Alle Berliner Gesundheitsämter handelten nach dem Infektionsschutzgesetz und dem Berliner Generischen Plan für biologische Gefahrenlagen. Mit diesem Plan halten die Akteure des Öffentlichen Gesundheitsdienstes einen berlinspezifischen Leitfaden in den Händen, wie sie bei Ausbrüchen von schweren Infektionskrankheiten vorzugehen haben. Dieser Leitfaden gebe ein einheitliches Handeln nach Qualitätsstandards vor.

Ebola-Virus in Afrika weiter auf dem Vormarsch

Das Ebola-Virus ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Westafrika weiterhin auf dem Vormarsch. Allein in den drei Tagen vom 14. bis einschließlich 16. August starben 84 weitere Menschen an dem tödlichen Erreger, zudem wurden 113 neue Infektionsfälle gemeldet, wie die WHO am Dienstag im schweizerischen Genf mitteilte.

Nach WHO-Zählung stiegt die Zahl der Opfer in Liberia, Sierra Leone, Guinea und Nigeria auf insgesamt 1229 Tote und 2240 Infizierte.

Die UN-Organisation berichtete von zunehmenden Bemühungen der Gesundheitsdienste in den betroffenen Ländern, die Epidemie einzudämmen. Durch die Quarantäne-Auflagen in den Ebola-Regionen sei aber die Ernährung der dortigen Bevölkerung nicht gesichert. Eine regelmäßige Versorgung mit Lebensmitteln, Wasser und Hygieneartikeln zu garantieren, sei ein wichtiger Schritt, um den Menschen unnötige Wege zu ersparen, erklärte die WHO.

Eine Einschleppung nach Europa gilt aber als eher unwahrscheinlich. In Deutschland haben sich bisher alle Verdachtsfälle nicht bestätigt. Der Seuchenschutz ist in Deutschland mit Notfallplänen und Isolierstationen weit besser organisiert als in Westafrika.

Auch in Belgien bestätigte sich ein Ebola-Verdacht nicht. Ein 13 Jahre alter Jugendlicher aus Guinea, der seit Sonntag wegen hohen Fiebers in einem Krankenhaus in Ostende behandelt wird, sei an Malaria erkrankt. Das berichtete die belgische Nachrichtenagentur Belga. Eine Ebola-Infektion sei ausgeschlossen, die Isolierung des Jungen im Krankenhaus AZ Damiaan werde noch am Dienstag aufgehoben.

Geflohene Ebola-Patienten wieder da

In Liberia sind die 17 aus einer Isolierstation in der Hauptstadt Monrovia geflohenen Ebola-Patienten gefunden worden. "Sie wurden aufgespürt und haben sich schließlich selbst gestellt", sagte Informationsminister Lewis Brown dem britischen Sender BBC am Dienstag. Ihre Flucht hatte die Angst vor einer beschleunigten Ausbreitung des tödlichen Virus weiter geschürt.

Die Kranken waren am Sonnabend geflohen, als eine aufgebrachte Menge die Isolierstation stürmte, die nahe einem großen Slum liegt. Offenbar protestierten die Menschen dagegen, dass die Patienten an diesem Ort untergebracht worden waren.

Nach anderen Angaben waren sie voller Misstrauen gegen die Behörden und bezweifelten, dass es Ebola wirklich gibt. Die 17 befinden sich nach Regierungsangaben nun in einem am Wochenende neu eröffneten Trakt des Kennedy-Gesundheitszentrums in Monrovia. Gegen das Ebola-Virus gibt es noch kein zugelassenes Heilmittel und keine Schutzimpfung.

Kenia als Hochrisiko-Gebiet eingestuft

Kamerun schloss seine Grenzen zum Nachbarland Nigeria. Mehrere Fluglinien hatten ihre Flüge nach Guinea, Sierra Leone und Liberia bereits eingestellt. Die WHO empfiehlt, alle Menschen beim Verlassen der Ebola-Länder auf unerklärliches Fieber oder andere verdächtige Symptome zu kontrollieren. Kenia wurde wegen seiner Rolle als Drehkreuz im Luftverkehr als Hochrisiko-Gebiet eingestuft.

Foto: Steffen Pletl

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