Berlin-Boom

Berliner Unternehmen wachsen weiter und investieren

Der Berlin-Boom hält auch im ersten Halbjahr 2014 an. Viele Firmen in der Stadt wachsen weiter, jeder dritte Job entsteht in der Industrie. Berlin Partner hat jetzt einen zweiten Geschäftsführer.

Foto: Massimo Rodari

Der anhaltende Berlin-Boom spiegelt sich in der Wirtschaftsbilanz der Stadt wider. In den ersten sechs Monaten wurden 2400 Arbeitsplätze geschaffen, gleichzeitig sicherten Unternehmen Investitionen in Höhe von 270 Millionen Euro zu. "Der positive Trend hält an", sagte die Geschäftsführerin von Berlin Partner, Melanie Bähr, zur Halbjahresbilanz der Berliner Wirtschaftsfördergesellschaft. Im ersten Halbjahr sei damit fast die Investitionssumme des gesamten Jahres 2012 erreicht. Im Vergleich zum ersten Halbjahr des Vorjahres verzeichnen die Wirtschaftsförderer ein Plus von 106 Millionen Euro.

Pro Arbeitsplatz investiere jedes neue Unternehmen damit rund 240.000 Euro in der Stadt. "Das ist ein Zeichen für besondere Nachhaltigkeit des Engagements", sagte Bähr. Besonders positiv zu bewerten sei, dass jeder dritte Arbeitsplatz in der Industrie entstehe und drei von vier Euro in der Industrie investiert werden, sagte Bähr.

In der Zukunft kommt es nach Auffassung der Wirtschaftsförderer darauf an, vor allem neue Unternehmen für die Stadt zu gewinnen. "Es wird nicht möglich sein, Dax-Unternehmen dazu zu bewegen, ihren Firmensitz nach Berlin zu verlegen", sagte der zweite Geschäftsführer von Berlin Partner, Stefan Franzke. Franzke trat sein Amt am 1. Juli an. Zusammen mit Melanie Bähr soll der Niedersachse künftig Berlin nach außen vertreten und neue Unternehmen in die Stadt holen. Es komme darauf an, die Chancen der neu entstehenden Technologien zu erkennen, sagte Franzke.

Vor allem Berlins Spitzenposition in Forschung und Entwicklung ist dabei für die Anwerbung neuer Unternehmen von Bedeutung. So hat eines der weltgrößten Unternehmen aus China zugesagt, ein Forschungszentrum in Berlin zu gründen. Um wen es sich dabei genau handelt, wollten Bähr und Franzke mit Rücksicht auf die Interessen des Investors noch nicht verraten. Das soll zu einem späteren Zeitraum geschehen.

Intelligente Sensorsysteme

Als weiteres positives Beispiel nannten die Geschäftsführer die Firma Hella Aglaia, die intelligente Sensorsystem entwickelt. Sie schuf zehn hoch qualifizierte Arbeitsplätze und investiert 8,3 Millionen Euro in Berlin.

Aber auch die Gründerszene hat sich mittlerweile laut Berlin Partner einen Ruf in der Welt erarbeitet. Anfang September reist Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) zusammen mit einer Delegation und 15 Start-up-Gründern nach New York, um die Wirtschaftsmetropolen New York und Berlin besser zu vernetzen, aber auch um Risikokapital für Investitionen in der Hauptstadt zu werben.

Zusammenschluss von 200 Unternehmen

Mit dem Amtsantritt von Franzke ist der organisatorische Umbau von Berlin Partner abgeschlossen. In den vergangenen beiden Jahren fusionierte das Unternehmen mit der Technologiestiftung Berlin, außerdem wurde der zweite Geschäftsführerposten neu geschaffen. Insgesamt beschäftigt Berlin Partner derzeit 200 Mitarbeiter. Das Unternehmen ist ein Zusammenschluss des Landes und von mehr als 200 Unternehmen und soll den Wirtschaftsstandort weltweit vermarkten. Zudem verantwortet es das Marketing für die Hauptstadt wie die "Be-Berlin"-Kampagne.

Seit Jahren wächst die Berliner Wirtschaft – wenn auch auf niedrigem Niveau – stärker als der Bundesdurchschnitt. Laut Statistischem Landesamt verzeichnete Berlin einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 1,2 Prozent. Damit belegte das Land Berlin den Spitzenplatz unter allen 16 Bundesländern. Auch bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit erzielt die Hauptstadt weiter Fortschritte.

Ende vergangenen Jahres rutschte die Zahl der Arbeitslosen erstmals seit der Wiedervereinigung unter 200.000. Im Bundesländerranking gab Berlin damit die rote Laterne an Mecklenburg-Vorpommern ab.

Umbauphase abgeschlossen

Stefan Franzke wirkte noch ein wenig unsicher auf seinem ersten öffentlichen Auftritt als neuer Geschäftsführer von Berlin Partner, der Partnerschaft zwischen Senat und mehr als 200 Unternehmen zur Unterstützung des Wirtschaftsstandortes Berlin. Er freue sich auf die Aufgabe und die Stadt Berlin, die er jetzt aus der Binnenperspektive erlebe und nicht mehr von außen.

Franzke war zuletzt als Geschäftsführer des Innovationszentrums Niedersachsen und der Initiative Innovatives Niedersachsen tätig. Als Geschäftsführer von Innovatives Niedersachsen war er für das nationale und internationale Marketing des Bundeslandes zuständig.

Mit dem Amtsantritt endet eine fast dreijährige Umbauphase bei Berlin Partner. Ausgelöst wurde sie durch das Ausscheiden des ehemaligen Chefs von Berlin Partner, René Gurka, der wegen Unregelmäßigkeiten bei internen Abrechnungen in die Kritik geraten war. Sein Ausscheiden nahm der Senat zum Anlass, die Wirtschaftsförderung neu zu strukturieren.

Berlin Partner und die Technologiestiftung Berlin fusionierten, außerdem sollten künftig zwei Geschäftsführer das öffentlich-private Unternehmen führen. "Die Fusion ist mittlerweile abgeschlossen, wir sind sehr gut zusammengewachsen", sagte Bähr.

Geteilte Aufgaben

Ursprünglich sollte einer der beiden neuen Chefs nach außen wirken und der andere den Laden innen zusammenhalten. Doch das, so Bähr, habe sich schon in der Planung als unpraktisch erwiesen. Stattdessen wirken beide nach außen und kümmern sich um Firmenansiedlungen, vor allem aus den fünf Wirtschaftsclustern. Das sind jene Branchen, in denen für Berlin besondere Wachstums- und Ansiedlungschancen gesehen werden.

Bähr wird sich künftig vor allem um Gesundheit, Energie und Mobilität kümmern, Franzke um digitale Wirtschaft und Industrieansiedlungen. "Es ist nötig, mit den Wirtschaftsthemen nach außen zu wirken", sagte Bähr. Für einen Geschäftsführer allein sei diese Arbeit kaum zu bewältigen.

Franzke zeigte sich nach den ersten Arbeitstagen in Berlin von der Stadt begeistert. Anders als in Niedersachsen sei das Wirtschaftsleben hier nicht von den großen Dax-Unternehmen wie VW und Continental dominiert, sondern durch eine Vielfalt kleinerer Firmen.

"Die Arbeit an sich unterscheidet sich nicht zwischen einem Flächenland und einer Metropole", sagte er am Freitag. Berlin müsse die wirtschaftliche Dynamik nutzen und die Chancen der neu entstehenden Unternehmen erkennen, sagte Franzke.

Werbung im Ausland

Berlin Partner wirbt vor allem im Ausland um neue Unternehmen. Im vergangenen Jahr habe das Unternehmen weltweit an rund 330 Veranstaltungen teilgenommen, so Bähr. Besonders erfolgreich sei die Reise einer Wirtschaftsdelegation zusammen mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit nach China verlaufen, wo Berlin mit der "Be-Berlin"-Kampagne um neue Unternehmen für Berlin geworben habe.

Zum 20-jährigen Bestehen von Berlin Partner in diesem Jahr haben die Wirtschaftsförderer Berliner Unternehmen aufgerufen, ihr Engagement in der Stadt über die vergangenen 25 Jahre zu beschreiben. Im Herbst sollen die Geschichten veröffentlicht werden. Im Jahr 1994 wurde Berlin mit 21 Partnerunternehmen gegründet, heute sind 227 Berliner Unternehmen in dem Verbund tätig.

Das Unternehmen wird mehrheitlich vom Land finanziert. Die Investitionsbank Berlin stellt jährlich mehr als acht Millionen Euro zur Verfügung, die Mitgliedsunternehmen unterstützen Berlin Partner ebenfalls finanziell oder durch Sachmittel.

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