06.04.10

250-Kilo-Blindgänger

Bombe am Bahnhof Ostkreuz entschärft

Nahe dem wichtigen Berliner Bahnhof Ostkreuz wurde am Dienstagmittag eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Die Polizei evakuierte das Gebiet. Betroffen waren neben Wohnhäusern auch Kitas, eine Schule und ein Sportplatz. Gegen 18.50 Uhr konnte das Entschärferteam Entwarnung geben.

Von Peter Oldenburger, Steffen Pletl
Foto: Steffen Pletl

Polizeifeuerwerker Matthias Rabe legte den Blindgänger frei und konnte ihn dann vor Ort entschärfen.

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Am Bahnhof Ostkreuz ist am Dienstag gegen 11.30 Uhr eine 250-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg bei Bauarbeiten entdeckt worden. Der Fund beeinträchtigte das öffentliche Leben in Teilen von Friedrichshain und Lichtenberg für Stunden stark. Wohnhäuser, eine Schule, eine Sportanlage und Kitas wurden evakuiert, S-Bahn-Linien unterbrochen oder eingeschränkt sowie zahlreiche Straßen gesperrt. Erst am Abend gegen 18.50 Uhr konnte der explosive Sprengkörper von Kriminaltechnikern erfolgreich entschärft werden. Der Blindgänger wurde noch am Abend zum Sprengplatz Grunewald gebracht.

Die S-Bahn musste den Zugverkehr auf den Ringlinien S41 und S42 zwischen Greifswalder Straße und Treptower Park von 13 Uhr an komplett unterbrechen. Davon betroffen waren auch die Linien S8 und S9 und damit Tausende S-Bahn-Nutzer. Zwischen den Stationen Frankfurter Allee und Greifswalder Straße konnte zumindest ein Pendelverkehr mit S-Bahn-Zügen aufrechterhalten werden. Besser sah es auf der Trasse in Ost-West-Richtung aus. Die Züge der Linien S3, S5, S7 und S75 fuhren am Bahnhof Ostkreuz ohne Halt durch. Regional- und Fernzüge der Deutschen Bahn waren nach Angaben von Sprecher Burkhart Ahlert nicht betroffen.

Südlich des bedeutenden Kreuzungsbahnhofs hatten Bauarbeiter den Blindgänger im Boden entdeckt und die Polizei alarmiert. Die gesamte Palette der Sicherungsmaßnahmen lief ab. Ein Entschärferteam der Kriminaltechnik rückte am Fundort an. Gleichzeitig riegelte eine Einsatzhundertschaft die Umgebung ab. Ein Sperrkreis mit einem Durchmesser von 500 Metern wurde eingerichtet und die Evakuierung von Wohnhäusern, Geschäften und öffentlichen Einrichtungen vorbereitet. Schnell war klar, dass der explosive Fund vor Ort entschärft werden muss. Ein S-Bahn-Sprecher ging davon aus, dass mit "gravierenden Einschränkungen" im Bahnverkehr bis in die frühen Abendstunden zu rechnen sei. Der Polizeifeuerwerker Matthias Rabe sprach derweil von einem seltenen Fundstück: "Es handelt sich um eine Panzersprengbombe deutscher Bauart, die später mit einem russischen Aufschlagzünder versehen wurde." Eine Detonation würde nach Angaben des Truppleiters einen Sprengkrater von zehn Metern Tiefe verursachen. 90 Minuten benötigten Rabe und seine Kollegen, bis die Bombe freigelegt und von Sand und Rost befreit war.

Die Anwohner der Häuser am nördlichen Markgrafendamm waren nach Angaben von Polizeisprecher Martin Otter als erste von insgesamt 600 Menschen von den Evakuierungen betroffen. Es folgten Anlieger der Haupt- und Neuen Bahnhofstraße, der Persius-, Corinth-, Bödikerstraße sowie der Kynaststraße. Betroffen waren rund 300 Wohnungen, 18 Geschäfte und acht Büros. Teile dieser Straßen sowie die Zufahrt zur Halbinsel Stralau waren für Kraftfahrer gesperrt. Auf die Halbinsel konnten Anwohner zeitweilig nur noch zu Fuß gelangen. Im gesamten Sperrkreis und der Umgebung kam es besonders für Autofahrer zu erheblichen Beeinträchtigungen, die sich mit dem einsetzenden Feierabendverkehr noch verstärkten.

Während etliche Anwohner missmutig auf die Maßnahmen der insgesamt 260 eingesetzten Polizeibeamten reagierten, zeigten viele Betroffene Verständnis. Eine Mutter mit Kleinkind, die ihre Wohnung am Markgrafendamm verlassen musste, meinte, von ihr aus warte sie auch gern bis nach Mitternacht auf die Rückkehr. Hauptsache die Entschärfung werde vernünftig vorbereitet und alle Betroffenen rechtzeitig in Sicherheit gebracht. An der Persiusstraße stand eine Schule samt Turnhalle als vom Bezirksamt bestimmte Zwischenunterkunft bereit. Zeitraubend erwies sich der Transport von Kranken und Gehbehinderten, doch gab es bei Bedarf sowohl Rollstühle als auch Rettungswagen für bettlägerige Personen.

Der marode Bahnhof Ostkreuz ist mit täglich 100.000 Ein-, Aus- und Umsteigern der meistgenutzte Knotenpunkt im Berliner Nahverkehr. Er wird derzeit aufwendig saniert und umgebaut. Von 2016 an sollen dort dann auch Regionalzüge halten.

Bereits im vergangenen Jahr wurde auf dem S-Bahnhof Wuhlheide eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe gefunden. Mehrere hundert Menschen mussten damals Wohnungen oder Arbeitsplätze wegen der Entschärfung der Bombe verlassen.

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