"Rock am Ring"

Peter Schwenkow übernimmt Festival am Nürburgring

Die Berliner Deag soll das Nachfolge-Festival von „Rock am Ring“ in der Eifel veranstalten. Damit fordert Deag-Chef Schwenkow den Erzrivalen CTS Eventim auf einem neuen Schlachtfeld heraus.

Foto: Thomas Frey / dpa

Das Berliner Unternehmen Deutsche Entertainment AG (Deag) will die Tradition des Musikfestivals "Rock am Ring" im nächsten Jahr am Nürburgring mit neuem Namen fortsetzen. "Drei Bühnen, bis zu 100 Bands, Campingmöglichkeiten, der Spaß wird exakt so weitergeführt", sagte Peter Schwenkow der Morgenpost.

Der Betreiber der Rennstrecke, der Autozulieferer Capricorn, hat Deag-Chef Schwenkow als Musikpartner gewonnen. Beide wollen das Rockfestival gemeinsam ausrichten. Capricorn sei vor einiger Zeit auf die Deag zugekommen und habe gefragt, ob sie Interesse habe, das Fest zu übernehmen, falls sich Capricorn mit dem Konzertveranstalter Lieberberg nicht einige, berichtete Peter Schwenkow, Mitbegründer und Vorstandsvorsitzender der Deag. Die Rhein-Zeitung hatte am Montag als erste von der Zusammenarbeit berichtet.

Das seit 1985 veranstaltete Festival mit dem Namen "Rock am Ring" wird letztmalig vom 5. bis 8. Juni am Nürburgring in der Eifel stattfinden. Schwenkow sagte, der neue Name und das Festival würden am Dienstagmittag am Nürburgring vorgestellt. Die Eintrittspreise für das Festival am Nürburgring sollen laut Schwenkow "mindestens stabil bleiben". Weil das Festival nur drei statt vier Tage lang werde, würden die Karten sogar günstiger. Auf drei Bühnen sollen Bands auftreten, die ähnliche Musik machen wie bislang bei Rock am Ring. "80 Prozent von dem, was dort erfolgreich ist, werden wir fortführen – und zwar mit dem Team vom Nürburgring zusammen", sagte Schwenkow.

Lieberberg gehören die Markenrechte an "Rock am Ring"

Konzertveranstalter Marek Lieberberg, der "Rock am Ring" aus der Taufe hob und zum Erfolg machte, ist noch auf der Suche nach einem Ersatzort für 2015. Im vergangenen Jahr verzeichnete "Rock am Ring" mit rund 87.000 Zuschauern einen Besucherrekord. Lieberberg gehört, wie seine Sprecherin Katharina Wenisch sagte, die eingetragene Marke "Rock am Ring". "Wir sind mit sechs möglichen Locations im Gespräch und wollen möglichst in Rheinland-Pfalz bleiben oder in Nordrhein-Westfalen", sagte Wenisch weiter. Der Lausitzring in Brandenburg käme deshalb nicht in Frage.

Nach einem Bericht der "Rheinischen Post" zieht es Lieberberg offenbar in das rund 130 Kilometer nördlich gelegene nordrhein-westfälische Mönchengladbach. Der Konzertveranstalter wolle künftig auf dem Gelände JHQ Rheindahlen, einem ehemaligen britischen Militärgelände, das Musikspektakel auf die Beine stellen.

Ein entsprechender Antrag sei bereits gestellt worden. Ob es letztlich auch dazu komme, sei noch nicht klar. Verwalter des Geländes ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in Bonn.

"Rock im Ring" ist "eine Option unter mehreren"

Die Stadt Mönchengladbach führt nach eigenen Angaben bereits seit geraumer Zeit Gespräche mit Lieberberg. Bei einem weiteren Treffen würden noch die Themen Lärm- und Naturschutz angesprochen. Rock am Ring sei "eine Option unter mehreren" für die Nutzung des JHQ-Areals, teilte Oberbürgermeister Norbert Bude (SPD) mit. Er freue sich, dass Lieberberg die Stadt als Veranstaltungsort für das Festival bevorzuge. "Für das Image der Stadt wäre dies eine tolle Sache."

Am kommenden Wochenende (5. bis 8. Juni) wird Rock am Ring noch ein letztes Mal am Nürburgring über die Bühne gehen. Zu den Top Acts zählen Metallica, Linkin Park, Kings of Leon und Iron Maiden. 2013 waren rund 87 000 Besucher und 80 Bands gekommen. An dem Zwillingsfestival Rock im Park in Nürnberg soll sich nichts ändern.

Konzertveranstalter Lieberberg verabschiedet sich vom Nürburgring nach eigenen Angaben, weil der Betreiber der Rennstrecke einen größeren Anteil am Gewinn gefordert haben soll. Medienberichten zufolge wollte er nicht mehr nur ein Drittel des Gewinns, sondern 25 Prozent mehr, also rund 42 Prozent, was Lieberberg als wirtschaftlich nicht vertretbar ablehnte.

Streit um die Waldbühne in Berlin

Capricorn hat mit der Deag einen potenten Partner gefunden. Das Unternehmen ist mit rund 1500 Konzerten pro Jahr und einem jährlichen Umsatz nach eigener Auskunft von mehr als 200 Millionen Euro einer der wichtigsten europäischen Veranstalter. 1981 hatte Schwenkow mit einem Partner die exklusiven Nutzungsrechte für die Waldbühne erworben. 28 Jahre lang betrieb er sie. 2008 schrieb die Senatssportverwaltung die Pacht aus. Als Sieger der Ausschreibung ging die CTS Eventim hervor, Marek Lieberberg gehört mit seiner Agentur zum Großkonzern. Der Vertrag mit CTS Eventim für die Waldbühne läuft Ende 2014 aus. Schwenkow fordert, dass der Senat die Waldbühne neu ausschreiben muss.

Doch darüber ist ein Rechtsstreit entstanden. Schwenkow erstritt vor Gericht eine einstweilige Verfügung, die es der Senatsverwaltung untersagte, den Pachtvertrag für die Waldbühne "ohne eine transparente und diskriminierungsfreie Ausschreibung" mit dem jetzigen Betreiber zu verlängern. Die Senatsverwaltung hat gegen den Beschluss Widerspruch eingelegt. Schwenkow sagte zur Waldbühne: "Nicht nur wir haben uns beworben, sondern noch vier weitere Veranstalter. Im Interesse der Stadt sollen sich alle um die Waldbühne bewerben können, damit der Beste gewinnen möge." Die Planungen für das Rockfestival am Nürburgring hätten unterdessen begonnen. Ob sich der Zeitraum ändert, "Rock am Ring" findet immer Anfang Juni statt, sei noch nicht entschieden.

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