Tempelhofer Feld Wowereit kritisiert Egoismus der Tempelhof-Initiative

Foto: Krauthoefer

Am Sonntag stimmen die Berliner über die Zukunft des Tempelhofer Feldes ab. Berlins Regierender Bürgermeister verteidigt die Randbebauung. Mit seiner Person habe der Volksentscheid nichts zu tun.

In wenigen Tagen fällt die Entscheidung darüber, ob das Tempelhofer Feld eine große Freifläche bleibt oder ob an den Rändern neue Wohnungen und Gewerberäume entstehen. Für den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und seine Partei, die sich massiv für die Randbebauung einsetzt, geht es um viel. "Es gibt am Sonntag zwei klare Alternativen: für den Schutz der weitaus größten Fläche bei behutsamer Randbebauung oder für ein komplettes Bauverbot auf dem gesamten Tempelhofer Feld", sagte Wowereit der Berliner Morgenpost.

Der Regierende Bürgermeister wirft der Initiative, die das ehemalige Flughafengelände frei halten möchte, Egoismus vor. "Auf Wohnungsbau in der Stadt zu verzichten, das können sich nur Reiche leisten", sagte der SPD-Politiker. "Reiche kaufen ein Penthouse am Alexanderplatz, Arme sollen an den Stadtrand oder gleich nach Brandenburg ziehen", erklärte er. Weil er dies nicht wolle, kämpfe er für die Randbebauung am Tempelhofer Feld. Wowereit versprach gleichzeitig, dass die "riesige Freifläche in der Mitte", also 230 Hektar, gesetzlich geschützt würden.

>>>Das vollständige Wowereit-Interview im Wortlaut finden Sie hier<<<

Am kommenden Sonntag – parallel zur Europawahl – stimmen die Berliner über den Volksentscheid ab. Die Initiative wirbt in diesen Tagen nochmals mit Flyern für ihr Anliegen – unterstützt von den Grünen und den Linken. Auf der anderen Seite stehen SPD und CDU sowie ein breites Bündnis aus Gewerkschaften, Industrie- und Handelskammer, Wohnungsunternehmen sowie dem Landessportbund, der sich für neue Sportflächen auf dem Tempelhofer Feld einsetzt.

Interaktive Grafik - So soll das Tempelhofer Feld bebaut werden

Die Berliner müssen bei dem Volksentscheid erstmals über zwei Gesetzentwürfe entscheiden – den der Initiative und den des Abgeordnetenhauses. Dies hatte in den letzten Wochen viel Kritik ausgelöst, weil man so auch zweimal mit "Ja" oder zweimal mit "Nein" votieren kann. "Es gibt Berichterstattung und viele Informationsmaterialien, die erklären, um was es geht", verteidigte der Regierende Bürgermeister die gewählte Abstimmungsform. "Aber eine gewisse Verwirrung kann bei einer solchen Konstellation nicht ausgeschlossen werden", gab Wowereit zu.

Nach der jüngsten Umfrage im Auftrag der Berliner Morgenpost und der RBB-"Abendschau" sind 54 Prozent der Berliner dafür, das Tempelhofer Feld so zu erhalten, wie es derzeit ist. Nur 39 Prozent der Berliner wünschen sich dort neue Wohnungen.

Von Rücktritt will Wowereit nicht wissen

Gleichzeitig ist die Unzufriedenheit mit Wowereit stark angestiegen: 71 Prozent der Berliner sind mit seiner Arbeit unzufrieden. Der Regierende Bürgermeister will den Volksentscheid aber nicht als eine Abstimmung über sich selbst und den Senat verstanden wissen. "Das hat mit mir als Person nichts zu tun, es geht um eine Sachfrage", sagte Wowereit. Von einem Rücktritt will er nichts wissen. Auch die Oppositionspolitiker würden ja nicht zurücktreten, wenn sich die Linie des Senats und des Abgeordnetenhauses am Sonntag durchsetzen würde.

Heftig umstritten ist auch die geplante Zentral- und Landesbibliothek, für die sich Wowereit persönlich stark einsetzt. Auf die Frage, ob er sich damit ein Denkmal setzen wolle, sagte er: "Es geht um eine urdemokratische Idee: Bildung für alle." Die Berliner Bibliotheken seien überfüllt, deshalb brauche man eine leistungsfähige zentrale Bibliothek und daneben die Bezirksbüchereien, betonte der Regierende Bürgermeister.

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