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Insolvenz

Karstadt Berlin schließt eine Filiale - mindestens

Jetzt ist es raus: Bundesweit müssen sechs Karstadt-Häuser schließen - eines davon steht in Berlin. Und es könnten noch mehr werden. Eine weitere Karstadt-Filiale in Berlin gilt als gefährdet. Gewerkschaften und Insolvenzverwalter verhandeln noch.

Ein Bettler sitzt vor einer Berliner Karstadt-Filiale. Von den 12 Berliner Karstadt-Häusern wird mindestens eines geschlossen.
Foto: REUTERS
Ein Bettler sitzt vor einer Berliner Karstadt-Filiale. Von den 12 Berliner Karstadt-Häusern wird mindestens eines geschlossen.

Der für die Karstadt-Warenhäuser zuständige Insolvenz-Beauftragte Rolf Weidmann hat das endgültige Aus von sechs Häusern angekündigt. Die Schließungen seien zum Jahresende geplant. Betroffen seien Häuser in Dortmund, München und Hamburg sowie Standorte in Braunschweig, Berlin und Stuttgart. Insgesamt unterhält die insolvente Warenhauskette bislang noch126 Filialen.

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Ver.di will eine Weiterbeschäftigung der Mitarbeiter in anderen Häusern der Kette fordern, sagte die stellvertretende Gewerkschaftsvorsitzende Margret Mönig-Raane. Weitere elf Karstadt-Häuser zählten weiterhin zu den sogenannten "Prüffilialen", sagte ein Ver.di-Sprecherin. Ihr Schicksal werde sich bis Mitte kommenden Monats entscheiden. Von der Schließung der sechs Häuser seien etwa 400 Mitarbeiter betroffen.

In Berlin trifft es den Standort Biesdorf. Zwölf Karstadt-Häuser gibt es in der Stadt, von denen eines nun geschlossen wird, der Multimedia-Fachmarkt an der Weißenhöher Straße. 17 Mitarbeiter beschäftigt Karstadt dort. Zumindest ein weiteres Berliner Karstadt-Haus wird den "Prüffilialen" zugerechnet: Das Karstadt-Kaufhauses am Tempelhofer Damm - es gilt als einer der schlechter laufenden Karstadt-Standorte.

In Berlin geht die Jobangst um

Die Berliner Mitarbeiter bangen nun um ihre Jobs. Die Multimedia-Filiale des Konzerns in Biesdorf werde voraussichtlich zum Jahreswechsel geschlossen, sagte der Sprecher des Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg, Thomas Schulz. Ob die 18 Beschäftigten entlassen werden oder in anderen Berliner Karstadt-Filialen untergebracht werden können, müsse nun mit den Arbeitnehmervertretern verhandelt werden.

Die Gewerkschaft Ver.di kündigte an, für möglichst viele Arbeitsplätze und Standorte in Berlin zu kämpfen. Als Grund für die Schließung gab Schulz an, dass die Multimedia-Sparte nicht mehr zur Geschäftsstrategie von Karstadt gehöre.

Interaktive Karte: Die Karstadt-Filialen in Berlin


Karstadt in Berlin auf einer größeren Karte anzeigen. Detailinformationen bekommen Sie mit einem Klick auf die Symbole. Den Kartenausschnitt können Sie mit den Plus- und Minus-Symbolen an der linken Seite vergrößern und verkleinern. Mit einem Klick auf die Karte - bei gedrückter linker Maustaste - lässt sich der Kartenausschnitt bewegen.

Ob es so kommt, entscheidet sich erst noch: Derzeit verhandeln die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di und Insolvenzverwalter Görg noch darüber, welche der "Prüffilialen" geschlossen werden. Eine Entscheidung soll Mitte Dezember fallen. In Berlin arbeiten rund 3800 Menschen in Berlin bei Karstadt, deutschlandweit sind es 26.500 Mitarbeiter.

Außer dem Karstadt-Haus in Berlin-Biesdorf werden auch die Karstadt-Häuser am Dom in München, in der Kampstraße in Dortmund, im Hamburger Elbe-Einkaufszentrum, das Schaulandt in Braunschweig sowie das WOM in Stuttgart geschlossen. Derzeit laufen die Geschäfte laut Insolvenzverwalter gut. Im Oktober 2009 soll sogar ein Gewinn übrig geblieben sein.

Das sah vor dem Insolvenzverfahren noch ganz anders aus: Karstadt hatte laut Görg in den letzten drei Rumpfgeschäftsjahren vor der Insolvenz bei einem Gesamtumsatz von rund zehn Milliarden Euro einen Vorsteuerverlust von 970 Millionen Euro eingefahren.

Für die weiteren Filialen der Warenhauskette laufen die Vorbereitungen für den Verkauf auf Hochtouren. Der Datenraum, in dem Interessenten in die Bücher des Unternehmens schauen können, „ist mittlerweile eingerichtet, so dass die Investorensuche in Kürze beginnen kann“, sagte Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg bei der Gläubigerversammlung in Essen.

Vor kaum mehr als 300 Gläubigern in der riesigen Essener Grugahalle bat Görg um den Auftrag, einen Insolvenzplan zu erstellen, mit dessen Hilfe der Betrieb des Großteils der Karstadt-Häuser weitergeführt werden könnte. Die Anwesenden vertraten die Forderungen von fast 25.000 Insolvenzgeschädigten.

Im Vergleich zur Liquidation – also der Zerschlagung, wie sie die Warenhauskette Hertie erlebte – sei die Sanierung „die beste Alternative“, sagte Görg. Sie verhindere, „dass es zu hohen Vermögensschäden durch die Zerschlagung kommt“. Nach einer Entscheidung der Gläubiger für die Sanierung könnte der Verkauf beginnen.

In seiner Rede nannte Görg drei Hauptgründe dafür, dass die Traditionskette Karstadt in die Insolvenz rutschte: Zum einen sieht er strategische Fehler – etwa, dass das Management zu lange am Universalkonzept des Alles-unter-einem-Dach festgehalten habe.

Zum anderen verweist Görg auf „operative Defizite“, wie „nicht wettbewerbsfähige Sortimente und ein teures Geschäftssystem“. Darüber hinaus habe Karstadt in seiner Firmengeschichte zahlreiche andere Firmen gerettet – etwa Neckermann, die ostdeutschen Centrum-Warenhäuser, Hertie oder Quelle - „dabei aber die Lösung der eigenen Probleme vernachlässigt“.

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Die Geschichte des Karstadt-Untergangs
BMO/dpa

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