17.09.09

Gutachten

Asbest im ganzen ICC - Sanierung erheblich teurer

Das 30 Jahre alte Internationale Congress Centrum (ICC) soll saniert werden. Ein neues Gutachten stellt Asbest und künstliche Mineralfasern im gesamten Gebäude fest. Die Kosten für die Sanierung dürften erheblich steigen. Nun werden Stimmen laut, das Vorhaben noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Von Sabine Flatau
Foto: picture-alliance/ dpa/dpa-Zentralbild
Berliner ICC
Asbesthaltig: Sanierung des ICC teurer als bisher angenommen

Das Internationale Congress Centrum (ICC) enthält erheblich mehr Schadstoffe als angenommen. Ein aktuelles Gutachten habe gezeigt, dass sich im gesamten Gebäude Asbest und künstliche Mineralfasern befinden, sagte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) gestern auf der Sitzung des Bauausschusses im Abgeordnetenhaus. Bisher waren nach Einschätzung des ICC-Betreibers, der Messe Berlin GmbH, lediglich Asbestvorkommen im Dach bekannt.


Das 30 Jahre alte Congress Centrum soll saniert werden. Die bisherige Kostenschätzung geht von 182 Millionen Euro aus. Davon waren etwa sechs Millionen Euro für die Asbestsanierung im Dach veranschlagt. Nach den neuen Schadstofffunden würden sich der Aufwand und die Kosten erheblich erhöhen, so die Senatorin. Eine genaue Summe könne noch nicht genannt werden. Eine weitere Kostensteigerung ist zu erwarten, weil beim ICC die neuesten Standards der energetischen Sanierung angewendet werden sollen.

Die Fraktion der Linken will das teure Vorhaben in Anbetracht der Finanzlage Berlins genauer unter die Lupe nehmen. "Wir wollen eine zuverlässige Einschätzung der Ausgaben haben", sagt Uwe Doering, parlamentarischer Geschäftsführer. "Es darf nicht zu einer Kostenexplosion kommen." Deshalb sei der Titel ICC bei der ersten Lesung des Bauhaushaltes im Ausschuss angehalten worden. Er soll in zweiter Lesung im Oktober diskutiert werden. Doering zufolge sind für die Jahre 2010 und 2011 insgesamt 15 Millionen Euro vorgesehen.

Das neue Schadstoffgutachten für das ICC ist in Auftrag gegeben worden, weil die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Baudienststelle für Sanierung und Umbau des ICC sein wird. "Wir wollten wissen, woran wir sind, bevor wir mit den Arbeiten anfangen", sagt Junge-Reyer. Nach den Erkenntnissen des Gutachtens, das seit dem Frühsommer 2009 vorliegt, sind Asbest und künstliche Mineralfasern zum Beispiel hinter Wandpaneelen und Säulen eingeschlossen. Sie sind für Gäste und Mitarbeiter ungefährlich und werden von Schadstoffmessungen in der Luft nicht erfasst. Doch dort, wo Umbauarbeiten erfolgen, wo Wände aufgerissen und Leitungen verlegt oder ausgetauscht würden, müsste zunächst eine Schadstoffbeseitigung erfolgen. Alle betroffenen Stellen im Gebäude sind auf einer Karte erfasst worden.

Arbeiten bei laufendem Betrieb

Bis Ende 2009 soll die Messe Berlin GmbH ein sogenanntes Bedarfsprogramm erstellen. Es enthält die aus Sicht der Gesellschaft erforderlichen Umbauten und Erneuerungen. Räume in mittlerer Größe seien erforderlich, sagt die Senatorin. Die Arbeiten sollen bei laufendem Betrieb erfolgen. Mit Blick auf die neuen Schadstofffunde sei die Messe Berlin GmbH aufgefordert, Prioritäten bei ihren Umbauwünschen zu setzen. Die Arbeiten könnten 2012 beginnen.

Junge-Reyer zufolge soll die Aluminium-Fassade des ICC bleiben. "Nicht der Denkmalschutz, sondern der Respekt vor dem Gebäude gebietet das." Noch ist unklar, ob die Deutschlandhalle abgerissen wird, um einen Ausweichstandort für das ICC zu errichten. Die Messe GmbH hatte dies beantragt, doch die Untere Denkmalschutzbehörde von Charlottenburg-Wilmersdorf lehnte ab. Dagegen habe die Messe jetzt Widerspruch eingelegt, sagte Junge-Reyer. Eine Entscheidung stehe noch aus.

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