Filmkritik
Kanzlerkandidat Horst Schlämmer hat Schwächen
Dienstag, 18. August 2009 22:55 - Von Peter ZanderDer Film "Horst Schlämmer – Isch kandidiere" kommt am Donnerstag in die Kinos. Morgenpost Online hat sich die Geschichte vom fiktiven Kanzlerkandidaten aus Grevenbroich, gespielt von Hape Kerkeling, vorab angesehen. Die erste halbe Stunde hat tatsächlich Witz. Doch dann hat der Humor Schnappatmung.
Im Mai 2006 hat Horst Schlämmer zum ersten Mal die Seiten gewechselt. Der Mann mit der Herrenhandtasche war eigentlich Gast bei Günter Jauchs „Wer wird Millionär?“, trickste den Moderator aber aus, setzte sich auf dessen Stuhl und begann nun, ihm die Fragen zu stellen, statt zu antworten.
Dieser Seitenwechsel ist im Grunde schon die ganze Grundkonstellation des Films „Horst Schlämmer – Isch kandidiere“, mit dem die Kerkeling-Figur nun erstmals ins Kino kommt. Als stellvertretender Chefredakteur des „Grevenbroicher Tagblatts“ muss er lauter Provinzpolitiker interviewen. Und kommt eines Tages darauf, dass die auch nur mit Wasser kochen. Ergo dreht er wieder den Spieß um – und geht selbst in die Politik. Eine Schnapsidee, ersonnen in der Stammkneipe, vor dem obligatorischen Doornkat. Aber eine, die in die Tat umgesetzt wird.
Die erste halbe Stunde dieses Films hat tatsächlich Witz. Reicht fast an den subversiven Humor von Borat & Brüno heran. Schlämmer ist nur eine fiktive Figur, aber als solche sicher der berühmteste Bürger, den Grevenbroich je hervorgebracht hat. So stellen sich die Lokalpolitiker mehr als willig mit Schlämmer vor die Kamera, um sich von ihm interviewen zu lassen. Und entlarven sich dabei selbst mit einer Offenheit, die erschüttert. Da kann man Schlämmer nur beipflichten: Was die nicht können, das kann ich auch.
Als die Schnapsidee erst mal geboren ist, wird die Humorschraube noch eine Windung weiter gedreht, als Schlämmer sich auch noch mit „seinem“ Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers trifft. Doch statt ihn zu interviewen, will er von ihm wissen, wie man eine Partei gründet. Und Rüttgers muss vor laufender Kamera missmutig mitspielen. In diesen Momenten scheint Kerkelings Schlämmer tatsächlich große Sozialsatire auf die deutsche Politlandschaft anzustreben.
Es gibt noch ein paar hübsche Momente: Wenn Bushido für Schlämmer einen Werbesong rappt – damit kann die Constantin auch schon ihren nächsten Großfilm über den Musiker bewerben. Oder wenn Schlemmer zum Kanzlerduell mit Angela Merkel antritt, die Kerkeling selbstredend auch noch spielt. Aber es ist nicht komisch, wenn man sich noch 20 Jahre nach dem Mauerfall über Sachsen lustig macht. Und mit der Idee, beim Deutschen Filmpreis Stars von Bully bis Senta Berger über Obamas Stärken zu befragen und daraus einen Werbespot über Schlämmers Qualitäten zu zimmern, dürfte Kerkeling es sich wohl auch mit dem halben deutschen Film verscherzt haben.
Merkel, Steinmeier & Co., so dachte man vorab, könnten nach diesem Film einpacken. Ihr Wahlkampf kommt gar nicht erst in das, was man eine heiße Phase nennen mag. Und Schlämmer – mit einer gefakten Pressekonferenz medial groß angeheizt – schien in diese Kerbe zu hauen. Aber sein Wahlkampf bleibt fast so mau wie der von denen, die er karikiert. Da ist der andere Film, der unsere Politik durch den Kakao zieht und überdies eine Woche früher ins Kino kam, „Die Partei“, ein Stückchen böser, abgründiger, gehässiger. Und bei dieser Partei handelt es sich sogar um eine echte, und nicht wie bei der Horst-Schlämmer-Partei HPS, nur um ein Ulkprojekt.























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