05.03.13

Hauptstadtwetter

Die Sonne ist endlich wieder da - Augen zu und genießen!

Der Frühlingsanfang treibt die Berliner auf die Straßen. Die Berliner Morgenpost hat sie gefragt, was sie in den nächsten Tagen tun wollen.

Foto: Amin Akhtar

Träumen an der Spree: „Die Vorfreude auf den Sommer ist bei dem Wetter groß. Besonders freue ich mich auf das Grillen im Görlitzer Park und auf lange Nächte in Kreuzberg“, sagt der Schauspiel-Student Maxim Miossec
Träumen an der Spree: "Die Vorfreude auf den Sommer ist bei dem Wetter groß. Besonders freue ich mich auf das Grillen im Görlitzer Park und auf lange Nächte in Kreuzberg", sagt der Schauspiel-Student Maxim Miossec

Eva-Maria Zoll lächelt und sagt, sie sei doch sehr glücklich darüber, dass irgendjemand da ganz oben den ganz großen Lichtschalter angemacht hat. Die 27-Jährige meint damit die Sonne, die um 12 Uhr mittags den Platz vorm Hackeschen Mark in Mitte erstrahlen lässt. Menschen sitzen vor den Cafés, lächeln, lachen, plaudern in der Mittagspause.

"Endlich hat das Durch-die-Matsch-Straßen-Laufen ein Ende", sagt die junge Frau aus Prenzlauer Berg. Und, mehr noch, sagt Eva-Maria Zoll und setzt ein breites Lächeln auf: "Alles ist jetzt besser, schöner und freundlicher. Man hat einfach ein absolut beschwingtes Lebensgefühl."

Von dieser beschwingenden Wirkung sind auch Ärzte überzeugt. Der Körper produziert bei Sonneneinstrahlung vermehrt Serotonin, ein sogenanntes Schlüsselhormon, das die Produktion von Glückshormonen wie Endorphin ankurbelt.

Eine Wirkung, die auch bei dem Verzehr von großen Mengen Schokolade auftritt, erklärt Thomas Aßmann vom Deutschen Hausärzteverband. "Aber die Schokolade macht sich auf den Hüften nicht so gut", sagt der Fachmann. Er rät: Bestenfalls schon an den ersten Tagen so viel Sonne tanken wie möglich. Denn auch schon wenige Strahlen bringen den Glückshormon-Haushalt in Gang.

Bei Sonnen schein geht alles leichter

Zu beobachten ist das am Montagmittag auf den Grünflächen der Hauptstadt, in den Parks und Cafés. Was geht den Berlinern durch den Kopf, während sie den ersten Kaffee in der Sonne trinken? Denkt der Berliner womöglich ein klein wenig anders? Sieht die Welt vielleicht – unter dem betörenden Einfluss des erhöhten Serotonin-Spiegels – ein bisschen netter aus?

Auf den Holzstühlen vor einem Café am Hackeschen Quartier sitzt Willi Ibbeken. Wenn er in der Sonne die Augen schließt, erscheinen ihm die Aufgaben um ihn herum, die Konzepte, Pläne, Tabellen, die der Praktikant bei einer großen Unternehmensberatung derzeit erstellt, als könne er sie im Handumdrehen erledigen.

"Ich fühle mich viel produktiver und kreativer", sagt der Student der Medienwissenschaft aus Charlottenburg. "Im Winter fühlt man sich schnell mal blockiert, jetzt werden die Gedanken wieder freier und unbeschwerter. Das merkt man auch sofort bei den Mitarbeitern. Alle sind plötzlich einfach viel besser drauf", sagt der 22-Jährige. Er will noch ein paar Minuten in der Sonne sitzen bleiben, um "sich noch ein wenig aufzutanken".

Berlin, das ist kein Schwermut, sondern Möglichkeit

In Sichtweite zum Berliner Dom sitzt Maxim Miossec auf dem Rasen vor der Spree. Er hat die Augen geschlossen, große Kopfhörer um den Hals und sagt, dass es zumindest gefühlt so sei, als würde die Sonne alle schweren Gedanken verschwinden lassen. "Ich bin derzeit auf Wohnungssuche. Keine einfache Sache in Berlin, die die Stimmung steigert", sagt der Schauspiel-Student. Jetzt aber, sagt Miossec, überwiegt die Vorfreude.

Berlin, das ist für ihn kein Schwermut, sondern Möglichkeit – Grillen im Görlitzer Park, Bier trinken draußen auf der Oranienstraße. Wenn er die Augen in der Sonne schließt, dann denkt er an Baden im See und lange Nächte unter freiem Himmel. "Und auch was die Wohnung betrifft, bleibe ich optimistisch", sagt der Student.

Nicht weit von ihm entfernt spaziert Margie Mijares, 22, durch das Viertel am Hackeschen Markt. Die Mexikanerin nutzt die Mittagszeit, um sich auf einer Bank niederzulassen und einen kleinen Snack auszupacken. "Jetzt ist es zwar immer noch kalt, aber die Helligkeit macht den Tag viel schöner", befindet Mijares.

"Ich denke daran, wie ich mit meiner Freundin entlang der Spree spaziere"

Die Mittelamerikanerin ist nur eine Woche in Berlin, studiert sonst in Oslo. In Skandinavien habe sie mit der ständigen Dunkelheit zu kämpfen. Jetzt hier, in der Sonne der deutschen Hauptstadt, fühlt sie sich auch ein wenig zu Hause. "Ich vermisse die mexikanische Sonne, aber das schöne Wetter hier erinnert auch an meine Heimat."

Vor der Spree sitzen Benjamin Lorentz und Oliver Schneider auf einer Bank. Wenn er die Augen schließt, sagt Lorentz, dann denke er momentan positiv in die Zukunft. "Ich fange in diesem Semester an mit dem Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen", sagt der 24-Jährige. "Das ist natürlich eine sehr gute Perspektive für mich persönlich, ein Lichtblick sozusagen, weil der Arbeitsmarkt so gut aussieht", sagt der Student aus Köpenick.

Weniger beruflicher als privater Natur sind die Gedanken, die Oliver Schneider durch den Kopf gehen, wenn er die Augen schließt: "Ich denke daran, wie ich mit meiner Freundin entlang der Spree spaziere."

Quelle: les/jcz
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