Neuer Name

Vattenfalls Netzbetreiber heißt ab April Stromnetz Berlin

Die Namensänderung geht dem Konzern, der eine „Ein-Marken-Strategie“ verfolgt, gegen den Strich - deshalb zögerte Vattenfall auch so lange.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Mitten in der Diskussion um die Konzessionsvergabe für das Berliner Stromnetz ab 2015 ändert der zum Vattenfall-Konzern gehörende Netzbetreiber seinen Namen: Aus der Vattenfall Europe Distribution Berlin GmbH wird zum April diesen Jahres die Stromnetz Berlin GmbH. "Wir setzen damit geltendes Recht um", sagte Hilmar Rendez, Chef des Netzbetreibers.

Verfahren gegen Vattenfall

Vattenfall ist aber auch getrieben von den Aufsichtsbehörden, die vorschreiben, den Netzbetrieb von Produktion und Verkauf von Strom zu trennen. Der Stromkunde sollte beide Aktivitäten deutlich auseinanderhalten können, die Konzerne nicht ihr Image als zuverlässiger Netzbetreiber als Verkaufsargument für ihren Strom nutzen können.

Eine entsprechende EU-Richtlinie wurde 2009 erlassen und inzwischen in nationales Recht umgesetzt. Bei der Bundesnetzagentur in Bonn heißt es, Vattenfall sei eigentlich seit März vergangenen Jahres verpflichtet, seinem Netzbetreiber einen anderen Namen zu geben. "Wir haben deswegen ein Verfahren gegen Vattenfall eingeleitet", sagte eine Sprecherin der Aufsichtsbehörde.

Der schwedische Staatskonzern Vattenfall tat sich schwerer als andere große Energiekonzerne, ihre Netzbetreiber in Hamburg und Berlin als neue, eigene Marke aufzustellen. Eon und RWE haben seit einigen Wochen ihre Tochterunternehmen mit eigenen Namen, Auftritten und Internet-Seiten versehen. In Stockholm hingegen verfolgt die Zentrale eine Ein-Marken-Strategie, das heißt, alle Unternehmen des Konzerns sollen den Namen Vattenfall im Namen führen.

Werbung abgemahnt

Distribution-Chef Rendez sagt, die Vorbereitung auf das so genannte Rebranding liefen schon seit mehreren Monaten. Die Kosten für das ganze Projekt liegen laut Rendez bei 400 000 Euro. Dynamik in die Sache kam aber auf, als in Hamburg die Verbraucherzentrale im vergangenen November die Werbung des Vattenfall-Netzbetreibers abmahnte. Wie auch in Berlin hatten hier quasi gleichzeitig der Netzbetreiber Anzeigen geschaltet, die sehr leicht mit der gleichzeitig verbreiteten Reklame des Stromverkäufers Vattenfall zu verwechseln waren. Daraufhin wurde die Bundesnetzagentur aktiv.

Aus Sicht von Stefan Taschner, Sprecher des Volksbegehrens für das Stromnetz in kommunale Hand, gibt sich Vattenfall mit dem neuen Namen "Berlinerischer als sie sind". In der laufenden Unterschriftensammlung werde das keine Rolle spielen, sagte Taschner: "Die Leute wollen einen Netzbetreiber, der auch Berlin gehört". Vattenfalls schwedische Zentrale will das verhindern. Ab kommender Woche schaltet sie Anzeigen, die die Arbeit ihres Netzbetreibers in Berlin lobt.

Zur Startseite
© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.