28.02.13

Ermittlungen

Berliner betrügen Anleger um 50 Millionen Euro

Die Angeklagten sollen ihren Kunden versprochen haben, ihr Geld um ein vielfaches zu vermehren. Dieses floss jedoch in die eigenen Taschen.

Von Hans H. Nibbrig
Foto: picture alliance / dpa Themendie

Ein Investor soll den Kunden versprochen haben, eine Anlage von 50 Millionen US-Dollar in kurzer Zeit in 500 Millionen zu verwandeln
Ein Investor soll den Kunden versprochen haben, eine Anlage von 50 Millionen US-Dollar in kurzer Zeit in 500 Millionen zu verwandeln

Frank F. ist Rechtsanwalt, Michael H. Mediziner und Werner-Holger J. Bankkaufmann. Eines haben diese Männer ungeachtet ihrer unterschiedlichen Berufe gemeinsam. Seit Mittwoch sitzen sie in Moabit auf der Anklagebank. Komplettiert wird die Gruppe dabei von Gudrun H., der Ehefrau des Mediziners. Für die Staatsanwaltschaft ist das Quartett allerdings keine Gruppe, sondern eine Bande. Gewerbs- und bandenmäßiger Betrug, Fälschung und Geldwäsche lautet die Anklage gegen die vier Berliner.

Innerhalb von knapp vier Jahren sollen die zwischen 51 und 57 Jahre alten Angeklagten als angebliche Vermittler von Finanzgeschäften aller Art interessierte Anleger um insgesamt 50 Millionen Euro betrogen haben. Begangen wurden die Taten nach Überzeugung der Anklagebehörde zwischen 2005 und 2008. Nach langen aufwendigen Ermittlungen erhob die Staatsanwaltschaft im Juli vergangenen Jahres Anklage. Jetzt muss eine Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht entscheiden, was dran ist an den Vorwürfen.

Sollten sie zutreffen, ist das, was die Angeklagten ihren Kunden versprachen, nichts anderes als eine wundersame Geldvermehrung. Für eine vergleichsweise bescheidene Einlage zwischen einer und drei Millionen Euro sollen die Angeklagten den Anlegern nicht nur Kreditlinien von bis zu 100 Millionen Euro in Aussicht gestellt haben. Sie sicherten ihnen laut Anklage auch die Teilnahme am sogenannten Interbankenhandel zu, einer überaus lukrativen Form des Wertpapierhandels, die üblicherweise Banken vorbehalten ist und Einzelpersonen verschlossen bleibt.

Gefälschte Zertifikate

Von solch fantastischen Gewinnaussichten geradezu geblendet, nahmen mehrere Einzelpersonen und Gesellschaften das Angebot an. Acht Einzelfälle hat die Staatsanwaltschaft zusammengetragen. Und die Kunden waren nach Überzeugung der Ermittler so spendabel, dass diese eher geringe Zahl von Geschädigten ausreichte, um an ihnen 50 Millionen Euro zu verdienen.

Dafür sorgte vor allem ein Investor, dem versprochen worden sein soll, eine Anlage von 50 Millionen US-Dollar in kurzer Zeit in 500 Millionen zu verwandeln. Der interessierte Kunde nahm das Angebot dankend an und investierte umgerechnet 36 Millionen Euro. Das Geld soll wie alle Einlagen in die Taschen der Angeklagten geflossen sein.

Für die Begehung ihrer Taten sollen die Angeklagten ein kompliziertes Geflecht von in- und ausländischen Gesellschaften geschaffen haben, deren Zentrale ein mondänes Büro im Europacenter war. Sie legten Papiere von Banken in der Schweiz, in Argentinien und in diversen exotischen Steuerparadiesen vor. Diese Zertifikate sollten den Kunden zeigen, das Geschäft ist seriös, das Geld sicher. Laut Staatsanwaltschaft waren die Papiere allerdings durchweg Fälschungen. Dem Gericht und allen Verfahrensbeteiligten steht ein komplizierter Prozess bevor, das Urteil wird frühestens im Mai erwartet.

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