27.02.13

Verkehr

An der Heerstraße müssen Autofahrer Geduld haben

Wegen der Arbeiten an der Stößenseebrücke kann an der Heerstraße nur eine Fahrspur genutzt werden. Autofahren wird zur Geduldsprobe.

Von Christine Eichelmann
Foto: Glanze

Morgenpost-Redakteurin Christine Eichelmann hat den Selbstversuch gewagt
Morgenpost-Redakteurin Christine Eichelmann hat den Selbstversuch gewagt

Mittwochmorgen, 9 Uhr, Spandau: Beim Einbiegen von der Wilhelm- auf die Heerstraße ist von Stau nichts zu sehen. Der Verkehr ist sogar weniger dicht als sonst um diese Zeit. Keine Lkw-Kolonnen, keine neunmalklugen Zeitgenossen, die sich von der Gatower Straße über die Nebenfahrbahn am Stau vorbeimogeln, um wenige Hundert Meter weiter wieder auf die Heerstraße zu drängeln. Statt dessen: freie Fahrt.

Offenbar haben viele Autofahrer auf die Stauwarnungen reagiert und beschlossen, den Engpass an der Stößenseebrücke weiträumig zu umfahren oder gleich auf S- oder U-Bahn umzusteigen. Vor der Freybrücke aber wird der Verkehr dann doch dichter. Bald darauf kommt er sogar ganz zum Stehen. Wo genau das Nadelöhr liegt, ist noch nicht zu erkennen. Die Anzeigen des Verkehrsleitsystems, das sonst Autofahrern auf der Heerstraße die richtige Spur und die optimale Geschwindigkeit weist, sind mit schwarzen Kunststoffbahnen verklebt. Ich bin genervt.

70.000 Autos pro Tag

Seit Jahren hängt das Damoklesschwert einer Sanierung über allen Spandauern und den Brandenburgern, die mit dem Auto aus dem Westen in die Hauptstadt hineinfahren. 70.000 Fahrzeuge rollen tagtäglich über die Heerstraße zwischen Stadtgrenze und dem Theodor-Heuss-Platz in Charlottenburg. Die Bundesstraße 5 gehört damit zu den verkehrsreichsten Straßen Berlins. Doch spätestens seit Anfang 2008 die Geschwindigkeit auf der maroden Freybrücke auf Tempo 30 reduziert wurde und eine auf mindestens eineinhalb Jahre terminierte Sanierung des Bauwerks angekündigt wurde, geht die Angst vor dem Dauerstau um. Nicht ohne Grund, wie ich an diesem Morgen erlebe.

Man kann es nicht anders sagen: Jetzt ist das Verkehrschaos da – und das, obwohl die Bauarbeiten an der Freybrücke erst im Herbst 2013 richtig beginnen sollen. Die Baufahrzeuge und Männer in orange-farbenen Anzügen wenige Hundert Meter weiter stadteinwärts an der Stößenseebrücke sind schon am Dienstag angerückt. Denn auch diese Gewässerüberführung – ebenso wie die Freybrücke in den Jahren 1908/09 erbaut – zeigt sichtbare Ermüdungserscheinungen. Die Lager an den Brückenfüßen müssen ausgetauscht werden. Von der Fahrbahn aus ist davon zwar nichts zu sehen. Die Folgen aber machen sich nun schon mehrere Kilometer vorher bemerkbar. Ich komme nur noch im Stop-and-go-Modus voran.

Bis zur Pichelsdorfer Straße reicht die Autoschlange in Richtung City. An anderen Tagen brauche ich von dort bis zum Theodor-Heuss-Platz zwischen einer Viertelstunde und zwanzig Minuten. Der üblichen Rückstau vor dem Kreisverkehr in Charlottenburg ist bereits eingerechnet.

Eine halbe Stunde im Stau

Nun aber tut sich schon in Pichelsdorf kaum noch etwas. Direkt an der Stößenseebrücke ist die Fahrbahn von drei Spuren auf eine verengt. Im gleich doppelten Reißverschlussverfahren müssen sich die Autos von links und von rechts in die mittlere Spur einfädeln. So soll offenbar die Belastung auf dem Baukörper der Stößenseebrücke während der Reparaturen verringert werden.

Die Folge: Nur im Schneckentempo kann mal die eine, mal eine andere Kolonne einige Meter vorrücken. Manche Autofahrer ergreifen die Flucht und wenden, um den Umweg über die Schulenburgbrücke und den Spandauer Damm zu nehmen. Im Nachhinein höre ich, dass der Verkehr dort trotz allem zügig floss. Die Umfahrung der kritischen Stelle bis zum Wiedereinfädeln auf der Heerstraße in Höhe des gleichnamigen S-Bahnhofs beansprucht etwa eine Viertelstunde. Was sich allerdings, sobald die Umfahrung populärer geworden ist, ändern dürfte.

Ich bleibe auf meinem gewohnten Weg und brauche für den Stau etwa eine halbe Stunde. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung weiß um die Problematik auf dieser Haupteinfallstraße in die Innenstadt. "Die Arbeiten waren aber unaufschiebbar", sagt Sprecherin Petra Rohland auf Nachfrage. Weil die Stößenseebrücke aus Stahl gefertigt ist, muss die Auflage auf den Brückenpfeilern Schwingungen zulassen. "Das ist nicht mehr gegeben. Die Lager, das sagen alle Fachleute, sind inzwischen fest." Das beeinträchtige die Verkehrssicherheit.

Auf die ohnehin anstehenden Arbeiten an der Freybrücke zu warten, um beide Stauphasen zeitlich zusammenzulegen, sei deshalb keine Alternative gewesen. "Die einzige Möglichkeit wäre, dass man die Stößenseebrücke für zwei Wochen komplett sperrt. Dann wären die Arbeiten schneller zu schaffen", so die Sprecherin. Das sei angesichts des Verkehrsaufkommens nicht machbar. Schon die Anhebung von jeweils zwei Lagern zur gleichen Zeit, wie es jetzt während der Reparatur praktiziert wird, sei unüblich und nur dem Zeitdruck geschuldet, um die Staufalle schnell auflösen zu können.

Am späten Vormittag normalisiert sich die Lage wieder. Für ein paar Stunden, denn am Nachmittag, pünktlich zum Beginn des Berufsverkehrs, sind die Staus wieder da – nur in der anderen Richtung.

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