26.02.13

Resistente Erreger

Wieder Keime an Berliner Charité - Intensivstation betroffen

Sechs Patienten sind auf der Station am Campus Virchow erkrankt, ein Mensch ist verstorben. Der Bezirk Mitte überprüft nun die Hygiene.

Von Regina Köhler
Foto: dpa

Eingangsportal des Rudolf-Virchow-Krankenhauses: Erneut aggressive Keime an der Charité entdeckt
Eingangsportal des Rudolf-Virchow-Krankenhauses: Erneut aggressive Keime an der Charité entdeckt

Auf einer Intensivstation der Berliner Charité am Campus Virchow ist der multiresistente Erreger KPC ausgebrochen. Von den acht Patienten der Station sind aktuell sechs erkrankt. Bei vier Patienten wurde eine Infektion nachgewiesen, einer von ihnen starb Anfang Februar. Bei den beiden anderen Patienten wurde der Erreger des Typs "Klebsiella pneunomiae Carbapenamase" im Darm festgestellt, sie zeigen aber bisher keine Krankheitssymptome. Zwei andere Patienten, die ebenfalls auf der Station liegen, sind bislang nicht von dem Erreger befallen.

Wie der ärztliche Direktor der Charité, Ulrich Frei, mitteilte, sei der Ausbruch der gefährlichen Keime am 15. Februar beim zuständigen Gesundheitsamt gemeldet worden. Frei gab außerdem bekannt, dass bereits im vergangenen Jahr identische Keime bei fünf Patienten nachgewiesen wurden – allerdings verteilt über einen Zeitraum von vier Monaten. Diese seien auch jeweils gemeldet worden. Einer der Patienten sei im September gestorben, so Frei. Die betroffene Intensivstation ist spezialisiert darauf, schwerstkranke Patienten aus anderen Krankenhäusern zu übernehmen. Diese hätten aufgrund schwerer Grunderkrankungen Lungen- oder Mehrorganversagen, so Frei.

Charité muss auf Medikament aus den 70er-Jahren zurückgreifen

"Wir berichten von dem Ausbruch der KPC-Bakterien deshalb, weil es sich um einen besonderen Keim handelt, der nur äußerst eingeschränkt behandelbar ist", sagte der ärztliche Direktor. Die KPC-Bakterien würden besondere Enzyme bilden, die bewirkten, dass etliche Antibiotika unwirksam seien. Dazu gehören auch die Antibiotika, die meist auf Intensivstationen eingesetzt werden. Die Ärzte auf der betroffenen Station müssten jetzt auf ein Medikament aus den 70er-Jahren zurückgreifen, das viele Nebenwirkungen habe, erklärte Frei.

Charité-Chef Karl Max Einhäupl betonte, dass sein Haus um eine bessere Kommunikation bemüht sei, als das in der Vergangenheit der Fall war. Die Charité war im November vergangenen Jahres in die Schlagzeilen geraten, weil sie zu spät über den Ausbruch einer Serratien-Infektion auf den Frühchenstationen des Klinikums informierte. Damals war der Darmkeim bei 22 Babys ermittelt worden, seit der Ausbruch am 8. Oktober festgestellt worden war. Erst im November aber wurden diese Fälle öffentlich.

Bezirk überprüft die Hygiene

Die Charité hat bereits ein sogenanntes Ausbruchsteam eingerichtet und sofort alle Maßnahmen, wie sie im Infektionsschutz und in der Berliner Hygieneverordnung vorgesehen sind, umgesetzt. Die Station wurde geteilt, und die betroffenen Patienten wurden räumlich isoliert. Ebenso wurde das Pflegepersonal in zwei Gruppen aufgeteilt und jeweils einem der beiden Bereiche zugeordnet. Zudem wurde ein interdisziplinäres Team mit festem Ansprechpartner der Intensivmedizin gebildet, das in engem und täglichem Kontakt mit dem Amtsarzt und der Senatsverwaltung für Gesundheit steht. Alle Patienten auf der Station und deren Angehörige seien über die Keimerkrankungen informiert worden, so Frei.

Der Gesundheitsstadtrat in Mitte, Christian Hanke (SPD), sagte, dass sich das Meldeverhalten der Charité deutlich verbessert habe. Das Klinikum habe die jüngsten Fälle sofort gemeldet. Das Gesundheitsamt von Mitte sowie das Landesamt für Gesundheit und Soziales hätten jetzt ihrerseits ein Ausbruchsteam zusammengestellt, das am Mittwoch zum ersten Mal zusammenkommen werde. "Die Fachleute werden prüfen, ob die von der Charité eingeleiteten Maßnahmen ausreichend sind", sagte Hanke.

Ursprung der Keime noch unklar

Die Keime, die jetzt auf der Intensivstation ausgebrochen sind, wurden durch die Untersuchungen von multiresistenten Erregern erkannt, die auf der Station seit einem Jahr wöchentlich durchgeführt werden. Woher der Keim komme, sei noch nicht klar, hieß es. Frei sagte, dass der Keim in Berlin bislang nicht vorgekommen sei. In den vergangenen beiden Jahren habe aber ein vergleichbarer Erreger in Leipzig und Sachsen Probleme verursacht. Gegenwärtig wird geprüft, ob der Keim seit den ersten Ausbrüchen im vergangenen Jahr auf der Station "überlebt" habe oder von außen eingeschleppt worden ist. Fest stehe, dass er sich in Europa zunehmend verbreite.

Im Normalfall ist das Bakterium KPC ungefährlich, bei Personen mit geschwächtem Immunsystem oder mit akuten Infektionen kann es jedoch auch als Krankheitserreger auftreten und ein großes Risiko darstellen.

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