Freundschaft zu den USA
Schausteller wollen Volksfest in Dahlem retten
Sonntag, 26. Juli 2009 13:16 - Von Anne KlesseZum letzten Mal findet jetzt das Deutsch-Amerikanische Volksfest in Berlin statt - zumindest auf dem angestammten Platz an der Clayallee in Dahlem. Ob es einen neuen Veranstaltungsort für das Traditionsfest geben wird, ist vollkommen unklar. Der Flughafen Tempelhof wurde bereits als Standort abgelehnt

Das 49. Mal beendet eine Tradition. Am Freitag wurde das Deutsch-Amerikanische Volksfest in Dahlem eröffnet. Wegen eines Bauvorhabens findet es zum letzten Mal auf dem Platz an der Clayallee, Ecke Hüttenweg statt - und vielleicht zum letzten Mal überhaupt in der Stadt. Wehmütig sagte Veranstalter Richard Simmons: "Bisher haben wir keinen alternativen Ort gefunden." Man habe dem Senat vorgeschlagen, das Fest im kommenden Jahr auf dem stillgelegten Flughafen Tempelhof zu veranstalten. Der Flugplatz war während der Blockade West-Berlins für die Luftbrücke genutzt worden und würde daher zur Idee des Festes, die Deutsch-Amerikanische Freundschaft zu feiern, gut passen. Doch der Vorschlag sei abgelehnt worden.
450 000 Besucher im Jahr 2008
Er bedauere, dass alle Versuche, das Fest in Berlin zu halten, "bislang gescheitert" seien, sagte auch der Bezirksbürgermeister von Steglitz-Zehlendorf, Norbert Kopp (CDU). "Wir gucken jetzt nach Alternativen." Gern würde er das Volksfest in seinem Bezirk halten. "Aber entscheidend ist, dass es überhaupt weiter bestehen kann." Im Gespräch sind offenbar zwei Alternativen, beide befinden sich in Lichterfelde: der Platz des 4. Juli und der frühere Truppenübungsplatz an der Osdorfer Straße.
Im vergangenen Jahr waren nach Veranstalterangaben 450 000 Besucher auf den Schotterplatz in Dahlem gekommen. Für die Schausteller ein zufriedenstellendes Ergebnis, auch sie wollen jetzt weiter für den Erhalt des Deutsch-Amerikanischen Volksfestes kämpfen. Man habe einen "Offenen Brief" zur Situation der fahrenden Geschäftsleute an alle Bezirksämter geschrieben, sagte der Vorsitzende des Schaustellerverbandes Berlin, Thilo-Harry Wollenschlaeger. Am Freitag sei die Antwort vom Bezirk Steglitz-Zehlendorf gekommen. "Herr Kopp schrieb uns in einem sehr netten Brief, dass wir mit Unterstützung rechnen können." Wollenschlaegers Vater Harry hatte einst die Idee zum Deutsch-Amerikanischen Volksfest, das, so Nachfolger Thilo-Harry Wollenschlaeger, "nicht nur den Menschen Vergnügen bringen soll, sondern an dem auch 1000 Arbeitsplätze hängen". Seine Worte erhalten den Beifall der paar Dutzend Gäste auf der Eröffnungsfeier. Die meisten sind offenbar selbst Schausteller oder Angehörige und Freunde, zugegen sind aber auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Uwe Benneter und sein Parteigenosse und Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky.
Robert A. Bradtke, Geschäftsträger ad interim der Botschaft der Vereinigten Staaten in Deutschland, betonte ebenfalls die Bedeutung von Fest und Festplatz: "Berlin hat sich gewandelt und entwickelt sich immer weiter", so der Botschaftsvertreter. "Aber der Truman Plaza-Festplatz und das Deutsch-Amerikanische Volksfest sind Teil der Geschichte Berlins und seiner Bürger geworden." Wieder Beifall. Dann laute Rockmusik von einer Liveband. Und damit Zeit für einen Rundgang über den Festplatz.
Die Herren rund um den US-Botschaftsvertreter und den Veranstalter lassen sich erst einmal das Bier schmecken. Amerikanisches Bier, genauer gesagt: das erste amerikanische Bier, das einst nach deutschem Reinheitsgebot gebraut wurde. Im Amerikanischen Dorf, einer Gasse auf dem Rummelplatz, die der Main Street einer amerikanischen Kleinstadt nachgebildet sein soll, gibt es neben jenem Bier alles, was das American-Food-liebende Herz begehrt: Steak, Baked Potatoes, Cheeseburger, Corn-on-the-Cob, Ribs und viel Schwerverdauliches mehr.
Ausstellung über US-Army
Über allem liegt das diesjährige Motto "Oregon and Washington - A Pacific Wonderland". Noch bis zum 16. August gibt es außer Essen und Trinken Livemusik und nebenbei auch etwas für den Geist. Mit Hilfe des Vereins Alliierte in Berlin und der amerikanischen Veteranen VFW (Veterans of Foreign Wars) wurde eine kleine Ausstellung über die US-Army in Berlin geschaffen. Außerdem locken ein "Bingo"-Zelt und Bullenreiten (ohne echte Bullen - natürlich). Nebenan verspricht das Diners Inn "Super Snacks", "Tanz und Spaß" und Livemusik.
Der Rest des Festes ist eher unamerikanisch - oder genauso amerikanisch oder deutsch wie jeder andere Jahrmarkt hierzulande auch: mit Autoscooter, Losbude, Wildwasserbahn, Ponyreiten, Bratwurst, Liebesäpfeln, Zuckerwatte und selbstverständlich auch mit deutschem Bier.
Das 49. Deutsch-Amerikanische Volksfest an der Clayallee, Ecke Hüttenweg in Dahlem findet noch bis 16. August statt. Es ist täglich ist ab 14 Uhr bis spät in die Nacht geöffnet. 95 Schausteller sind mit Fahrgeschäften und Imbissbuden vor Ort. Der Eintritt kostet 2 Euro.
Kinder unter 14 Jahren haben immer freien Eintritt. Montags kommen Besucher in Cowboykostüm kostenlos auf's Gelände, dienstags zahlen Biker keinen Eintritt, mittwochs ist Familientag mit halben Preisen in Fahrgeschäften, freitags Ladys Day mit 30 Prozent Ermäßigung bei Fahrgeschäften.
Unter allen Fest-Besuchern werden Preise verlost, darunter ist eine Reise nach Oregon und Washington.
Außerdem ist "Bigfoot" in der Stadt unterwegs. Wer drei Fußabdrücke von ihm findet, auf eine Gewinnkarte notiert oder eine Autogrammkarte erhält und abgibt, nimmt an der Verlosung teil.
Alle Infos unter www.deutsch-amerikanisches-volksfest.de





















