26.02.13

Internet-Versorgung

An Berlins Stadtrand schwächelt das Netz

Übertragungsraten von 50 Megabit pro Sekunde, davon können viele Berliner nur träumen. Nicht einmal für normales DSL-Tempo reicht es oft.

Von Joachim Fahrun
Foto: picture alliance / dpa Themendie

In einigen Haushalten wird noch nicht mal das als Standard geltende ADSL mit einem Tempo von 16 Megabit beim Download von Daten erreicht
In einigen Haushalten wird noch nicht mal das als Standard geltende ADSL mit einem Tempo von 16 Megabit beim Download von Daten erreicht

Wer sich in Blankenfelde, Müggelheim oder anderen Ortsteilen des Berliner Ostens einen Film aus dem World Wide Web laden möchte oder als Unternehmen umfangreiche Datenpakete verschicken muss, kann lange warten. Superschnelles Internet mit Übertragungsraten von mindestens 50 Megabit pro Sekunde gibt es in vielen Ecken des Stadtgebiets wie auch in zahlreichen ländlichen Regionen Deutschlands so gut wie überhaupt nicht.

Und auch das mittlerweile als Standard geltende ADSL mit einem Tempo von 16 Megabit beim Download von Daten erreicht auch in Berlin nicht in jeder Region alle Haushalte. Vor allem in den als Wachstumsregionen der Stadt definierten äußeren Bereichen Pankows wie Blankenfelde oder Karow steht das normale ADSL noch nicht einmal jedem zweiten Bürger zur Verfügung.

Ziel des Bundestags bleibt unerreicht

Die Daten der Kabelnetzbetreiber, die die Senatswirtschaftsverwaltung auf Anfrage des Piraten-Abgeordneten Gerwald Claus-Brunner zusammengestellt hat, zeigen für die Innenstadt jedoch eine vergleichsweise dichte Versorgung mit schnellen Netz-Verbindungen. Allerdings weist die Breitband-Versorgung eben auch einige Lücken auf, vor allem dort, wo die Bebauung locker und die Distanzen groß sind.

Vom Ziel, das der Bundestag ausgerufen hat, nämlich bis 2014 75 Prozent aller Haushalte Übertragungsgeschwindigkeiten von 50 Megabit pro Sekunde und mehr bereitzustellen, sind aber neben den Sorgenkindern in den östlichen Siedlungsgebieten auch andere Stadtteile unterschiedlich weit entfernt: Kladow und Gatow im Bezirk Spandau, Rummelsburg in Lichtenberg und auch Lübars, Heiligensee und das Märkische Viertel in Reinickendorf.

Verantwortlich für die Netzanbindung sind die Netzbetreiber. Die Deutsche Telekom erreicht mit ihren Kupfer- und Glasfaserkabeln fast alle Berliner Haushalte. Darüber kann entweder ADSL oder das schnelle VDSL laufen. Auf diesem Netz spielt sich auch der Wettbewerb ab, weil nach Angaben der Senatsverwaltung auch die Telekom-Wettbewerber Arcor, Versatel und Telefónica diese Infrastruktur nutzen. Daneben versuchen auch in Berlin die TV-Kabelnetzbetreiber, die in Berlin 1,2 Millionen Haushalte zu erreichen.

Förderung nicht möglich

Für den Senat bestünden "keine Möglichkeiten", einen Einfluss auf das Angebots-Portfolio der Netzbetreiber und Dienste-Anbieter zu nehmen, schreibt der Staatssekretär von Wirtschaftssenatorin Cornela Yzer (CDU), Guido Beermann, dem Piraten Brunner. Eine finanzielle Förderung des Breitband-Ausbaus sei in Berlin anders als in einigen Flächenländern wegen der Wettbewerbs- und Beihilferegeln der Europäischen Union nicht möglich. Denn insgesamt gehört Berlin zu den gut versorgten Gebieten.

Die Grünen sehen das angesichts der Versorgungslücken kritisch. Der Senat müsse sich dafür einsetzen, dass Berlin fördertechnisch in zwei Regionen geteilt wird, damit am Stadtrand wie bisher schon auf dem Land der Staat schnelle Leitungen fördern könne, sagte IT-Experte Stefan Gelbhaar.

Das sieht auch die Berliner Wirtschaft im Grundsatz so. "Wir stehen in Berlin recht gut da, das ist erfreulich", sagte Leif Erichsen, Sprecher der Industrie- und Handelskammer. Als Hauptstadt der Internet-Startups müsse Berlin auch mit gutem Beispiel vorangehen. Tatsächlich sind die attraktiven Geschäftszonen der Innenstadt wie etwa Alt-Mitte, Charlottenburg oder Prenzlauer Berg zu mehr als 90 Prozent mit schnellen Netzen mit mehr als 50 Megabit pro Sekunde erschlossen.

"Ein paar weiße Flecken"

Dennoch bezeichnet es der IHK-Sprecher als "ärgerlich", dass es im Stadtgebiet doch noch "ein paar weiße Flecken" gebe. Der Einfluss der öffentlichen Hand sei aber sehr begrenzt, sagt auch Erichsen. Dabei müsse gerade Berlin sehen, dass die Stadt auch diese Infrastruktur weiterentwickle. "Wir könne nur an die Unternehmen appellieren, zukunftssichere Investitionen zu tätigen", sagte der IHK-Sprecher.

Unternehmen der regionalen Software-Branche berichten aber immer noch von Problemen, die auch in eigentlich gut versorgten Gebieten auftreten. "Es gibt viele Einzelfälle, wo es trotz gefühlt modernster Technologie für eine zeitgemäße Versorgung nicht ausreicht", sagt Claudia Burkhardt von der DNS:NET Internet Service GmbH. Ihre Firma arbeitet mit Immobilienentwicklern und Bauherren zusammen, damit diese bei ihren Projekten von Anfang an die nötige Infrastruktur vorsehen. Man sollte auf jeden Fall nach VDSL oder Glasfaser-Kabeln schauen, ehe man einen Geschäftsraum miete, rät sie.

Pirat Claus-Brunner denkt vor allem an die Gewerbebetriebe in den Außenbezirken. "Ohne schnelles Internet ist heute jede Firma aufgeschmissen", so der Abgeordnete. Der Senat mache nicht genügend Druck auf die Netzbetreiber. Man könne nicht einfach sagen, in den Außenbezirken wohne ja niemand. "Es liegt ja auch überall eine Wasserleitung", sagte Brunner. Jeder Bürger müsse mit vergleichbarer Infrastruktur ausgestattet sein.

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