24.02.13

Alkoholmissbrauch

Getrunken wird zu Hause, gepöbelt wird in Mitte

Einer von zwei alkoholisierten Jugendlichen ist einer Straftat verdächtig. Besonders oft aufgegriffen werden sie in den Innenstadtbezirken.

Von Jens Anker
Foto: picture-alliance/ dpa

Die Zahl der Komasäufer ist zwar insgesamt gesunken, doch besonders junge Mädchen konsumieren immer noch sehr viel Alkohol
Die Zahl der Komasäufer ist zwar insgesamt gesunken, doch besonders junge Mädchen konsumieren immer noch sehr viel Alkohol

Jeder zweite Jugendliche, der von der Polizei betrunken aufgegriffen wird, ist gleichzeitig einer Straftat verdächtig. Insgesamt griffen die Beamten im vergangenen Jahr 1264 alkoholisierte Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren auf, 685 davon verdächtigten die Polizisten, eine Straftat begangen zu haben. Besonders in den Innenstadtbezirken Mitte(180), Pankow (144) und Charlottenburg-Wilmersdorf (135) fielen die Jugendlichen den Beamten auf. Bei den Wohnorten der Aufgegriffenen lagen Pankow (136), Marzahn-Hellersdorf (126) und Reinickendorf (124) vorn. 115 Aufgegriffene kamen von auswärts. Das geht aus der Antwort der Gesundheitsverwaltung auf eine Anfrage der SPD zurück.

"Sich das Hirn wegzusaufen ist keine Entschuldigung dafür, Straftaten zu begehen", sagte der Abgeordnete Joschka Langenbrinck (SPD), der die Anfrage gestellt hat. "Es darf keine falsche Geduld mit Tätern geben, die Strafe muss auf dem Fuße folgen." Da die Gesundheitsverwaltung die Daten zum ersten Mal in Strafverdächtige und Unverdächtige aufteilte, kann kein Vergleich zu 2011 gezogen werden. Jeweils rund ein Viertel der aufgegriffenen Jugendlichen waren Mädchen. Anders sieht es dagegen bei den Kindern zwischen elf und 13 Jahren aus. Hier stellen Mädchen klar die Mehrheit. 53 von 71alkoholisierten Kindern waren weiblich.

Weniger Komasäufer

Erfreulich ist, dass die Zahl der jugendlichen Komasäufer in Berlin erstmals seit 2004 deutlich gesunken ist. 337 junge Berliner zwischen zehn und 19 Jahren wurden mit dieser Diagnose in eine Notfallambulanz eingeliefert, im Jahr zuvor waren es noch 397. Die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts bestätigen den Trend, der sich schon zuvor abzeichnete: Berlin hatte mit 140 Fällen pro 100.000 Einwohner weniger als halb so viele Fälle wie im Bundesdurchschnitt (325 pro 100.000). Einen besonders starken Rückgang gab es bei den 15- bis 19-Jährigen, also in der Hauptrisikogruppe. Allerdings verschiebt sich hier das Verhältnis der Geschlechter. Während die Zahl der männlichen Komasäufer in den vergangenen beiden Jahren stark abnimmt, bleibt er bei den Mädchen konstant.

Präventionsveranstaltungen in der Schule

Nach Angaben des Senats finden auch in diesem Schuljahr eine Reihe von Präventionsveranstaltungen in den Schulen statt. "Im Rahmenlehrplan des Faches Biologie finden sich Empfehlungen für den Jahrgang 7/8 zum Thema Süchte und legale Drogen und im Jahrgang 9/10 im Zusammenhang mit dem Thema Ernährung", heißt es in der Antwort der Gesundheitsstaatssekretärin Emine Demirbüken-Wegner (CDU). Außerdem gebe es an jeder Schule einen Kontaktlehrer für Suchtprophylaxe.

Darüber hinaus gibt es in den Bezirken verschiedene Veranstaltungen zur Suchtprävention, so in Charlottenburg-Wilmersdorf "Fit ohne Sprit" und in Neukölln "Hip-Hop gegen Komasaufen". Pankow startete im vergangenen Jahr das Projekt "Na klar sind wir in Pankow cool, auch ohne Drogen und Alkohol". "Das ist eine gute Entwicklung, aber wir dürfen uns nicht zurücklehnen, sondern müssen mit unserer erfolgreichen Aufklärungs- und Präventionsarbeit weitermachen", sagte Joschka Langenbrinck.

Während die Zahl der jugendlichen Rauschtrinker abnimmt, blieb dagegen die Zahl der Erwachsenen konstant, die wegen einer Alkoholvergiftung oder -sucht stationär behandelt werden mussten. Jeweils rund 1500 Berliner wurden in den vergangenen Jahren wegen einer Alkoholvergiftung stationär behandelt, jeweils rund 10.000 lassen sich jährlich wegen chronischen Missbrauchs oder eines Abhängigkeitssyndroms im Krankenhaus behandeln. Hier ist nach Angaben der Gesundheitsverwaltung eine Trendwende nicht in Sicht.

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