23.02.13

Hipster-Wettkampf

Mit Jutebeutel und Mateeis - Hipster messen sich im Schnee

Beim Hipster-Winter-Cup im Club "Kosmonaut" duellieren sich Berlins Szenegänger in Disziplinen wie Jute-Skilaufen und Instagram-Fotopuzzeln.

Von Hannah Beier
Foto: dpa

Mission Gold: Die Olympiade der Hipster fand im Jahr 2011 zum ersten Mal statt. Sie will die Szene liebevoll auf den Arm nehmen
Mission Gold: Die Olympiade der Hipster fand im Jahr 2011 zum ersten Mal statt. Sie will die Szene liebevoll auf den Arm nehmen

"Unsere Mission heißt Gold", gaben sich die "Mettigel" siegessicher. Vorbereitet habe man sich mit einem gemeinsamen Spieleabend. "Das fördert den Teamgeist." Die "Mettigel" hatten im vergangenen Jahr Silber bei den Sommerspielen erkämpft. Der Winter-Cup knüpft an die Hipster-Olympiade an, die im Sommer 2012 zum zweiten Mal stattfand. Rund 6000 Schaulustige zog es damals zum Postbahnhof. Bei eisigen Temperaturen lockte es am Sonnabend nur rund 100 Besucher ins Freie.

Mateeis-Wettlutschen, DJ-Battle und Instagram-Fotopuzzeln

Bei Musik, offenem Feuer in ausgedienten Ölfässern und kaltem Flaschenbier kam aber trotz der Kälte gute Stimmung auf. Das lag auch an den szenigen Disziplinen wie etwa Mateeis-Wettlutschen, einem DJ-Battle, dem Instagram-Fotopuzzeln und einem Triangel-Shooting. Eine Mischung aus Sport, Geschicklichkeit und Kreativität. So gab es beispielsweise die Jute-Skistaffel. Hier diente der für einen Hipster obligatorische Jutebeutel als Staffelstab, den die Teammitglieder auf Skiern möglichst schnell ins Ziel bringen mussten. Beim Spiel "Der Hipster-Preis ist heiß" galt es, den Gesamtwert verschiedener Hipster-Accessoires wie Hornbrille, Grobstrickpulli und Analogkamera möglichst genau zu schätzen. Das Mateeis-Wettlutschen spielte auf das Lieblingsgetränk eines typischen Berliner Hipsters an. Hier musste das It-Getränk Club Mate in gefrorener Form mit einem möglichst coolen Gesichtsausdruck gelutscht werden – der sexieste Eiswürfel-Lutscher siegte.

"Mate-Eiswürfel lutschen sehe ich als große Herausforderung", sagte Janina Möcks. "Wir sehen eher in den Sportwettbewerben unsere Chancen. Unser Team ist sportbegeistert und fit." Mit einem Handicap ging das Team "The Kids want Mate" an den Start. Fiona und Denise waren nur zu zweit. "Uns hat ein Kerl versetzt", sagten sie. "In letzter Minute hat er abgesagt." Gleich beim ersten Wettkampf am Nachmittag, der Jute-Skistaffel, kamen die beiden jungen Frauen ins Straucheln. Gemeinsam auf einem Paar Ski fanden sie nicht den Rhythmus und landeten auf dem vereisten Boden. Beifall gab es aber dennoch vom Publikum. "Wir sind mit Spaß dabei und werden in den kreativen Wettbewerben Punkte holen", sagte das Frauenteam.

Einordnung auf der Berliner Hipster-Skala

Bis zu fünf Teammitglieder kämpften um Siege und Anerkennung. Alle mussten sich bei der Anmeldung selbst auf einer Hipster-Skala einordnen. Diese reichte von Vollzeit-Hipster über Freizeit-Hipster bis zu Ein-echter-Hipster-bezeichnet-sich-selbst-nicht-als-Hipster.

"Der Hipster-Winter-Cup ist für Leute, die auch mal über sich selbst lachen können", sagte Alexander Bernikas, einer der Veranstalter. "Natürlich gibt es immer welche, die keine Ironie verstehen, aber die müssen ja nicht kommen." Todernst nehmen solle man das Event also nicht, es lieber als einen ironischen Fingerzeig auf die derzeitige "Szene" Berlins sehen.

Erste Hipster-Olympiade im Sommer 2011

Die Idee für die Veranstaltungen hatten Alexander und Christian Bernikas vor etwa drei Jahren in einem Café in Mitte. Die Diskussion über den uniformen Look der sogenannten Hipster war damals schon in den Kiezen Berlins entbrannt.

"Jeder möchte sich abgrenzen und möglichst individuell sein. Aus diesem Wettkampf, der täglich auf der Straße stattfindet, wollten wir eine offizielle Disziplin machen", so Alexander Bernikas. Und so fand im Sommer 2011 zum ersten Mal eine Hipster-Olympiade statt, damals in Form einer Demonstration gegen Gentrifizierung mit rund 700 Teilnehmern.

Kreativmarkt und Fashion-Show als Ergänzung

Im Sommer 2012 traten dann zwölf Teams beispielsweise beim Jutebeutel-Sackhüpfen, Röhrenjeans-Tauziehen oder Hornbrillen-Weitwurf gegeneinander an. Das bunte Spektakel lockte mehrere Tausend Zuschauer an. Natürlich gab es auch Preise, aber es ging am Sonnabend auch um Ruhm und Ehre. Vor allem gehe es ihnen um den Spaß, so die zwei Brüder. Sie machen die Veranstaltungen für Leute, die sich selbst nicht zu ernst und den Hipster-Winter-Cup mit Humor nehmen. Den Titel Hipster-Winter-Cup-Gewinner 2013 zu tragen sei aber auch einiges wert, so die Initiatoren des Spaßwettbewerbs.

"Ich glaube, dass es viel ausmacht, wirklich ein Team zu sein. Am wichtigsten ist der Zusammenhalt, dann kann man kollektiv überzeugen", gaben die Organisatoren mit auf den Weg. "Außerdem darf es ruhig etwas trashig sein." Rund zwei Monate planten die beiden Brüder das Event, einige Ideen sind aber auch erst kurzfristig entstanden. Neben den sportlich-kreativen Wettkämpfen die im Freien stattfanden, gab es einen Kreativmarkt und eine Fashion-Show. Ab 22.00 Uhr soll dann im Club die Party beginnen.

Für den Sommer ist erneut eine Hipster-Olympiade geplant.

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