23.02.13

Lärm-Umfrage

Wo der Verkehrslärm die Berliner am meisten stört

3000 Menschen schilderten bei der Aktion "Leises Berlin" ihre Lärmprobleme. Ganz vorne liegen Straßen in Kreuzberg und Treptow-Köpenick.

Von Jens Anker
Foto: Glanze

Laute Straßen: Ab 60 Dezibel gilt Verkehrslärm als Gesundheitsschädigend
Laute Straßen: Ab 60 Dezibel gilt Verkehrslärm als Gesundheitsschädigend

Rasende Motorräder in Wohngebieten, ächzende Lastwagen auf Kopfsteinpflaster oder Blechkolonnen in Seitenstraßen – Lärm in der Stadt macht krank. Das soll sich ändern: Alle Berliner waren in den vergangenen Wochen aufgerufen, gesundheitsgefährdende Lärmquellen zu benennen, Lösungsvorschläge zu unterbreiten oder sich an der Diskussion zu beteiligen. 3000 Berliner machten an der Aktion "Leises Berlin" ("leises.berlin.de") des Senats mit. Die Vorschläge werden jetzt von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ausgewertet und sollen in den Lärmaktionsplan einfließen, der noch in diesem Jahr vorgestellt werden soll.

200.000 Berliner leiden unter Verkehrslärm

"Jeder sollte die Gelegenheit bekommen, sein Problem öffentlich darzustellen", sagt Staatssekretär Christian Gaebler (SPD), der das Lärmforum für die Stadtentwicklungsverwaltung organisiert hat. "Es ist unser Ziel, die Anzahl der Leute, die besonders von Verkehrslärm belastet sind, deutlich zu reduzieren." Rund 200.000 Berliner leiden nachts unter einem Verkehrslärm von 60 Dezibel oder mehr, was als Schwellenwert zur Gesundheitsschädigung gilt. Tagsüber gelten 70 Dezibel oder mehr als schädlich.

Künftig sollen weniger als 100.000 Berliner davon betroffen sein, ist das erklärte Ziel des Senats. Um das zu erreichen, lädt die Verwaltung die Autoren der 20 am meisten diskutierten Vorschläge zu einem Lärmforum ein, bei dem sie ihr Problem Fachleuten vorstellen und mit ihnen besprechen können. Aber auch alle anderen Vorschläge sollen beantwortet werden. Die Bürgerbeteiligung war im Januar gestartet worden. "Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden", sagte Gaebler. Das Internet sei offenbar nicht nur das richtige Medium, sondern als Forum auch gewünscht. "Die beiden Lärmwerkstätten, die wir durchgeführt haben, waren nicht so gut besucht", sagte Gaebler.

Anwohner fordern Sperrung der Friesenstraße in Kreuzberg

Am meisten diskutiert wurde in den vergangenen Wochen der Verkehrslärm in der Friesenstraße in Kreuzberg. Zunehmend werde die Straße von Autos durchfahren, die dem Mehringdamm ausweichen wollen, so die vorherrschende Kritik. Kaum jemand halte sich an die Tempo-30-Vorgabe. Durch das denkmalgeschützte Kopfsteinpflaster werde der Lärm verstärkt, beklagen die Anwohner. Sie fordern deshalb, dass die Durchfahrt gesperrt wird, um den Verkehr zu reduzieren. 199 Berliner unterstützen im Internet die Idee, 86 lehnten sie ab.

Die zweitmeisten Bewertungen provozierte der Vorschlag, die Geschwindigkeit in der Schulzendorfer bis hin zur Parchwitzer Straße in Treptow-Köpenick zu reduzieren. Lärm entstehe durch schwere Lastwagen und den Linienbus 263. "Unsere bisherigen Korrespondenzen seit mehr als 18 Monaten bei der zuständigen Straßenverkehrsunterbehörde wie auch dem Baustadtrat führten zu keinem Ergebnis", schreiben Anwohner in ihrer Beschwerde. Die Behörde trete ihnen "arrogant" und "ignorant" gegenüber. 261 Berliner teilen diese Meinung, acht nicht.

Über besonders lauten Güterverkehr beschwerten sich Anwohner der Storkower und Grellstraße in Prenzlauer Berg. Hier schlugen die Anwohner vor, nach Möglichkeiten zu suchen, die Schienen so umzurüsten, dass sie den Geräuschpegel senken. Auch damit wird sich der Senat befassen. "Durch die Diskussionen im Internet", sagt Gaebler, "bekommt man ein erstes Gefühl dafür, was für oder gegen eine geforderte Maßnahme spricht."

Beschwerden gegen Raser

Viele Beschwerden richteten sich allgemein gegen das unnötig laute Fahren von Motorrädern, Autos und Lastwagen vor allem in den Nachtstunden. Mehrere Berliner beschwerten sich über nächtliche illegale Autorennen in der Gitschiner Straße in Kreuzberg oder der Turmstraße in Moabit. Die Anwohner fordern ein konsequentes Vorgehen gegen Raser und nicht schallgedämpfte Motoren. Zahlreiche Beschwerden richten sich auch gegen den Fluglärm in Tegel und rund um den noch nicht eröffneten Flughafen BER in Schönefeld.

Insgesamt 20.000 Berliner besuchten die Internetseite zum Lärmschutz in den vergangenen Wochen oder schrieben der Verwaltung per Post. Zu den Vorschlägen wurden fast 2000 Kommentare verfasst und 9000 Bewertungen vorgenommen.

Der Lärmaktionsplan geht auf einen Beschluss der EU zurück und wird seitdem alle fünf Jahre vorgelegt. Die letzte Verkehrslärmanalyse hatte für Berlin dringenden Handlungsbedarf gezeigt. Die Experten der Stadtentwicklungsverwaltung ermittelten, dass tagsüber an 50 Prozent des Straßenlandes 65 Dezibel oder mehr gemessen wurden, nachts sogar in drei Vierteln des Stadtgebietes Lärmbelästigung durch den Straßenverkehr herrscht. "Hauptverursacher der Lärmbelastungen ist der Kfz-Verkehr", heißt es dazu in der Emissionsanalyse der Senatsverwaltung.

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