22.02.13

S-Bahnhof

Ursache für Kabelbrand am Berliner Ostkreuz noch ungeklärt

Sowohl ein technischer Defekt als auch ein Anschlag wären denkbar. Viele Fahrgäste traf der stundenlange Ausfall unvorbereitet.

Von J. Anker, P. Oldenburger, H. Beier und E. Benalia
Foto: Steffen Pletl

Ein Kabelbrand hat den S-Bahn Verkehr im Osten Berlins lahm gelegt. Fahrgäste müssen mit erheblichen Behinderungen im Verkehr rechnen.

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Auch 24 Stunden nach dem Brand einer Kabelbrücke in der Nähe des Ostkreuzes in Berlin-Rummelsburg ist die Ursache für das Feuer unklar. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen, S-Bahn-Nutzer der Linie S5, S7 und S75 mussten bis zum Freitagnachmittag gravierende Einschränkungen hinnehmen.

Und dies ausgerechnet an dem Tag, an dem die für den Sommer drohende neue Fahrpreiserhöhung im öffentlichen Nahverkehr das Stadtgespräch waren. Während über einen möglicherweise aus linksextremistischen Kreisen verübten Brandanschlag spekuliert wurde, hieß es bei der Polizei, sowohl ein technischer Defekt als auch fahrlässige oder vorsätzliche Brandstiftung lägen im Bereich des Möglichen.

Viele Kunden traf der stundenlange Ausfall am Freitagmorgen unvorbereitet. "Diese Ecke hier ist ja berühmt für Chaos. Es werden auch keine Informationen durchgesagt, ich weiß nicht, wie ich jetzt weiterfahren muss", sagte Antje Solmsdorf (60) aus Charlottenburg, die der S-Bahn-Ausfall am Ostkreuz überraschte. "Wenigstens Personal könnte vor Ort sein, das einem weiterhilft."

Fahrgäste sollten auf U5 und Ringbahn ausweichen

Am Donnerstagabend gegen 17.30 Uhr war eine über die Bahntrasse führende Kabelbrücke in Höhe der Nöldnerstraße 9 in Brand geraten und hatte unter anderem auch Signalleitungen der S-Bahn zerstört. An der betroffenen Brücke finden Bauarbeiten statt. Pendelverkehr zwischen den Bahnhöfen Ostkreuz und Nöldnerplatz sowie der Einsatz von bis zu 18 Bussen im Schienenersatzverkehr waren die Folge.

Die Bahn konnte ihren Kunden lediglich ein Ausweichen auf die U5 und die S-Bahn-Linien der Ringbahn empfehlen. Doch nicht alle Fahrgäste erreichte diese Empfehlung. Katrin Dinter (30) aus Spandau wollte zu ihren Eltern nach Wartenberg und musste dafür am Ostkreuz umsteigen. "Das ist wirklich eine ganz schöne Tortur mit dem Kinderwagen", sagte die junge Mutter. Der Anschlusszug fuhr vom anderen Bahnsteig – einen Aufzug oder eine Rolltreppe gab es nicht. "Das sind doch wirklich keine Zustände hier."

Die von zehn Technikern ausgeführte Kabelreparaturen zogen sich bis zum Nachmittag hin. Nach Auskunft der Bahn waren mehrere Kabelstränge durchtrennt und mussten in mühsamer Kleinarbeit wieder zusammengefügt werden. Die Bahn empfahl den Fahrgästen, auf die U5 und die Ringbahn umzusteigen. Ab 14.40 Uhr fuhren die ersten Züge wieder im Fünf-Minuten-Takt. S5 und S75 fuhren zunächst noch alle 20 Minuten. Der Takt sollte im Verlauf des Abends verdichtet werden.

Gezielte Anschläge im Mai 2011

In der Vergangenheit hatte es in Berlin und im Umland immer wieder gezielte Anschläge auf Bahneinrichtungen gegeben. Der gravierendste Fall hatte sich am 23. Mai 2011 ereignet, als eine Kabelbrücke am Markgrafendamm in Friedrichshain den Verkehr auf einem halben Dutzend S-Bahn-Linien und des Regional- und Fernverkehrs zusammenbrechen ließ. Damals hatten sich Linksextreme in Bekennerschreiben damit gebrüstet, mit Sabotagehandlungen "mit Hilfe von Brandbeschleunigern und elektronischen Zeitgebern" habe man "die Hauptstadt Berlin in den Pausenmodus" versetzt. Die Verursacher des Anschlages konnten von der Polizei nicht ermittelt werden.

Nach dem Kabelbrückenbrand am Donnerstag sind solche Bekenntnisse laut Polizei nicht aufgetaucht. Selbst wenn, wäre dies mit Vorsicht zu genießen. "Wir hatten schon Fälle, bei denen sich Personen als Verursacher von Bränden bezichtigt hatten und später ermittelt wurde, dass ein technischer Defekt die Ursache war", so ein Beamter vom Staatsschutz.

Auch andere Kriminelle haben schon für S-Bahnchaos gesorgt. Etwa als Kabeldiebe Ende Juni 2011 den S-Bahn-Verkehr im Südosten der Stadt für Stunden lahm legten, nachdem sie zwischen den Stationen Plänterwald, Kölnische Heide und Baumschulenweg Erdungs- und Signalkabel gestohlen hatten. In der Folge fielen die Ringbahnlinien S41 und S42 sowie die Linien S8, S9, S46, S47 aus, was zu massenhaften Zugausfällen im Berufsverkehr geführt hatte.

Ungeachtet der zahlreichen Störungen, Zugausfälle und Verspätungen vor allem im S-Bahn-Netz sollen die Fahrpreise schon im Sommer wieder erhöht werden. Nach dem Willen der Verkehrsunternehmen soll etwa der AB-Einzelfahrschein vom 1. Juli 2013 an 2,60 Euro statt bisher 2,40 Euro kosten. Die Vierer-Karte soll nach dem Willen der Verkehrsunternehmen künftig 8,80 Euro statt 8,40 Euro kosten. Dagegen sollen die Preise für Stammkunden nur mäßig erhöht werden. Der Preis für die Monatskarte soll um einen Euro auf 78 Euro steigen, die Jahreskarte soll zwölf Euro mehr kosten (722 Euro). Durchschnittlich sollen die Preise um 2,8 Prozent steigen. Zuletzt waren die Fahrpreise zum 1. August 2012 erhöht worden.

Kritik an neuen Preiserhöhungen

Die von den am Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) beteiligten Unternehmen vorgeschlagene Preiserhöhung stieß am Freitag auf ein geteiltes Echo. "Irgendwann muss wegen der steigenden Energie- und Personalkosten erhöht werden, es sollte aber immer maßvoll sein", sagte der verkehrspolitische Sprecher der CDU, Oliver Friederici. Die vorgeschlagenen Erhöhungen lägen immerhin deutlich unter den Preissteigerungen bei der Deutschen Bahn. Der SPD-Abgeordnete Ole Kreins kündigte am Freitag an, nur einer Preisanhebung von bis zu zwei Prozent zustimmen zu wollen, außerdem müssten Kunden der S-Bahn auch für ausgefallene Leistungen entschädigt werden.

"Davon werde ich meine Zustimmung abhängig machen", sagte Kreins. Die Grünen lehnen eine neuerliche Preiserhöhung dagegen strikt ab. "Die angekündigten Fahrpreiserhöhungen bei BVG und S-Bahn sind dreist, wir erwarten, dass der Senat dieses Ansinnen einer Fahrpreiserhöhung strikt und unmissverständlich zurückweist", sagte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Stefan Gelbhaar. Die letzte Erhöhung liege gerade sechs Monate zurück, außerdem habe das Land wegen des verringerten S-Bahn-Angebots zehn Millionen Euro weniger an die Bahn zahlen müssen als geplant.

Die neuen Tarife müssen vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) genehmigt werden. Die Senatsverkehrsverwaltung wollte sich nicht zu dem Vorschlag äußern, auch S-Bahn und BVG verwiesen auf den VBB. "Es gibt noch keinen Beschluss, der Aufsichtsrat hat sich damit noch nicht befasst", sagte ein VBB-Sprecher am Freitag.

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