22.02.2013, 16:45

Prozessauftakt Berliner soll drei Männer aus Habgier getötet haben


Angeklagt: Dirk P. (l) verdeckt im Kriminalgericht mit einem Hefter sein Gesicht

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Angeklagt: Dirk P. (l) verdeckt im Kriminalgericht mit einem Hefter sein Gesicht Foto: Jörg Carstensen / dpa

Von Hans H. Nibbrig

Der als „K.-o.-Tropfen-Mörder“ bekannt gewordenen Dirk P. soll drei Männer aus der Schwulenszene getötet haben. Zwei weitere Opfer überlebten.

Begleitet von einem gewaltigen Medieninteresse hat in Berlin-Moabit der Prozess gegen den als "K.-o.-Tropfen-Mörder" bekannt gewordenen Dirk P. begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 38-Jährigen drei Morde und weitere zwei Mordversuche vor, begangen zwischen dem 26. April und dem 15. Mai 2012.

Alle Opfer kamen aus der Schwulenszene. Der Angeklagte soll allerdings schlicht aus Habgier getötet haben, um an Bargeld, Kreditkarten und Wertsachen seiner Opfer zu gelangen.

Seinen in zahlreichen Medienberichten verwendeten Namen erhielt der Angeklagte, weil er seine Opfer nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft mit einer Überdosis der Drogen "Liquid Ecstasy" – auch bekannt als K.-o.-Tropfen – vergiftete.

Die in hoher Dosis absolut tödliche Substanz soll P. im Internet beschafft, in kleine Schnapsflaschen gefüllt und den Männern in ihre Getränke gemischt haben. Seine Opfer lernte der mutmaßliche Mörder in einschlägigen Szenekneipen in verschiedenen Berliner Bezirken kennen.

Die zuständige Schwurgerichtskammer hat ein Dutzend Verhandlungstage angesetzt, das Urteil ist für den 26. April 2013 geplant. Ob sich dieser Zeitplan einhalten lässt, darf bereits nach dem ersten Verhandlungstag am Freitag bezweifelt werden.

Experten prüfen Verhandlungsfähigkeit

Die wegen eines Lautsprecherdefektes mit knapp einer Stunde Verspätung begonnene Verhandlung war nach etwa 20 Minuten schon wieder zu Ende. Eine kurzfristige Auswechslung eines Schöffen nutzte die Verteidigung, um eine Unterbrechung zwecks Überprüfung der rechtmäßigen Gerichtsbesetzung zu beantragen. Außerdem sollen Rechtsmediziner die Verhandlungsfähigkeit von Dirk P. untersuchen.

Denn nach Angaben von Prozessbeteiligten soll der 38-Jährige in der Untersuchungshaft mehrere Suizidversuche unternommen haben. Am ersten Verhandlungstag nahm er mit einem dick bandagierten rechten Arm auf der Anklagebank Platz. Gerichtssprecher Tobias Kähne wollte sich dazu nicht äußern. Auffällig war allerdings, dass neben P. gleich drei Justizbedienstete in der Kabine aus schusssicherem Glas saßen. Derartige Sicherheitsvorkehrungen sind selbst bei Schwerstkriminellen die Ausnahme.

Neben dem Angeklagten und seinen beiden Verteidigern sowie der Vertreterin der Staatsanwaltschaft nehmen noch zwei Sachverständige und vier Nebenkläger mit ihren Anwälten an der Verhandlung teil. Als Nebenkläger fungieren zwei Überlebende der mutmaßlichen Mordanschläge und Angehörige zweier Getöteter.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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