21.02.13

Nahverkehr

S-Bahn muss Strafe für Ausfälle und Verspätungen zahlen

Weil es im Dezember wieder Tausende Ausfälle gab, kürzt der Berliner Senat die Zahlung im Januar um 430.000 Euro. Fahrgäste gehen leer aus.

Von Thomas Fülling
Foto: dpa

Das Winterwetter war nur teilweise schuld an den im Dezember 2012 registrierten Probleme bei der S-Bahn
Das Winterwetter war nur teilweise schuld an den im Dezember 2012 registrierten Probleme bei der S-Bahn

Im Winter müssen Fahrgäste der Berliner S-Bahn besonders häufig auf ihren Zug warten. Diesen subjektiven Eindruck bestätigt eine aktuelle Statistik der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Demnach sind allein im Dezember vorigen Jahres 4411 Zugfahrten ausgefallen, in 6698 Fällen kam es zu Verspätungen.

Die Verfügbarkeitsprobleme der S-Bahn Berlin GmbH infolge der winterlichen Witterungsverhältnisse seien für den Senat "inakzeptabel", erklärte Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen. Als Konsequenz hat die Landesregierung erneut ein Strafgeld gegen die Berliner S-Bahn verhängt.

Die monatliche Überweisung an das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn sei für Januar um 430.918 Euro gekürzt worden, teilte Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung, auf Anfrage mit. Aufgrund von Minderleistungen der S-Bahn hat der Senat bereits in den Jahren 2010 bis 2012 insgesamt 97,5 Millionen Euro einbehalten, das entspricht etwa 13 Prozent der Vergütung nach dem Verkehrsvertrag.

Pünktlichkeit der S-Bahn liegt weit unter der Zielvorgabe

Überraschend: Nur ein kleiner Teil der im Dezember registrierten Probleme war unmittelbar auf das Winterwetter zurückzuführen. Nach Senatsangaben hatten Eis und Schnee nur für 60 Zugausfälle und 188 Verspätungen gesorgt. Für die allermeisten Ausfälle (3703 von insgesamt 4411) und Verspätungen (4929 von 6698) war die S-Bahn selbst verantwortlich.

Das Unternehmen bezeichnet die aktuelle Betriebsqualität in einer eigenen Stellungnahme als "nicht zufriedenstellend". Demnach seien nur 87,4 Prozent aller Züge ohne Verspätung gefahren, was deutlich unter dem im Verkehrsvertrag vereinbarten Ziel von 96 Prozent Pünktlichkeit liegt. Zugfahrten werden bei der S-Bahn erst bei einer Fahrplanabweichung von drei Minuten und mehr als unpünktlich gewertet, ausgefallene Fahrten bleiben unberücksichtigt.

Zu den Verspätungen habe insbesondere der anhaltende Mangel an Fahrzeugen sowie eine nicht ausreichende Anzahl von Triebfahrzeugführern beigetragen. Der hohe Anteil von Zugausfällen von 4,7 Pozent im Dezember sei vor allem auf Technikprobleme bei der Altbaureihe 485 zurückzuführen, so die S-Bahn weiter. Rund 50 der teilweise jahrelang abgestellten Züge waren mit großem Aufwand im Vorjahr wieder reaktiviert worden.

Eine weitere "Entschuldigungsaktion" lehnt die S-Bahn strikt ab

Sie erwiesen sich nicht nur bei der Wiederinbetriebnahme als äußerst unzuverlässig, sondern haben auch bei Schnee oft versagt. Daher habe es witterungsbedingt viele Störungen gegeben, vor allem bei den Türen. Funktionieren diese unzuverlässig, muss der Zug aus Sicherheitsgründen aus dem Verkehr gezogen werden.

Gaebler kritisiert, dass die Deutsche Bahn und S-Bahn Berlin GmbH entgegen ihrer Ankündigungen personell und technisch nicht ausreichend auf den Winter vorbereitet gewesen seien. Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) habe in einem Gespräch mit der S-Bahn-Geschäftsführung am 17. Dezember Entschädigungsleistungen für die Fahrgäste angeregt.

Die hatten von 2009 bis 2011 als Ausgleich für Ausfälle und Verspätungen Freifahrten und billigere Monatskarten im Gesamtwert von 150 Millionen Euro erhalten. Eine weitere "Entschuldigungsaktion" lehnt die S-Bahn jedoch strikt ab. Sie verweist darauf, dass sich ihre Leistung seit 2009 kontinuierlich normalisiert habe. Gemessen an den gefahrenen Kilometern werde der Vertrag zu 97,2 Prozent erfüllt.

Ticketpreise sollen steigen

Für weiteren Unmut dürfte eine mögliche Preiserhöhung bei S-Bahn und Berliner Verkehrsbetrieben sorgen – und zwar noch in diesem Jahr. Das berichtet die Zeitung "Tagesspiegel".

Demnach soll der Einzelfahrschein AB für das Stadtgebiet künftig 2,60 Euro kosten statt wie bisher 2,40 Euro. Begründet wird der Zuschlag mit der Vier-Fahrten-Karte, die es nur in Berlin gibt. Sie macht Fahrten billiger, gleichwohl soll auch hier Preis steigen: von 8,40 Euro auf 8,80 Euro. Auch Kurzstrecken werden wohl teurer, und zwar um 10 Cent pro Fahrt.

Nach Informationen der Zeitung soll sich auch der Preis für die Tageskarte in Berlin (AB) erhöhen. Er steigt von 6,50 Euro auf 6,70 Euro.

Im Unterschied dazu blieben, so die Zeitung weiter, die kreisfreien Brandenburger Städte wie Potsdam, Cottbus, Frankfurt und Brandenburg bei ihrem bisherigen Tarif.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Kult-Kalender Bei Pirelli dreht sich diesmal alles um Fetisch
Ausgestopft Hier lebt Eisbär Knut ewig weiter
Pakistan Lynchmord wegen Facebook-Kommentar
50 Milliarden Dollar Russland muss Mega-Schadenersatz zahlen
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Abfahrt

Weltreise im Oldtimer - Heidi Hetzer bricht auf

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote